Test Honda CRM 250 AR (Archivversion) Herzenssache

Wenn sich ein Zweitakter wie ein Viertakter aufführt, sind keine Zauberkräfte, sondern aktive Radikale im Spiel.

Schade, daß dieses Motorrad in Deutschland weder für Geld noch für gute Worte zu haben ist - dieses Fazit anläßlich der Präsentation der CRM 250 AR (MOTORRAD 1/1998) ist mittlerweile überholt: Bei Direktimporteur Red Baron (Hammerstraße 83 A, 41460 Neuss, Telefon 02131/21037) steht die zierliche Zweitakt-Enduro mittlerweile zum Preis von 11600 Mark inklusive TÜV-Abnahme zum Verkauf.Ganz ungeschoren, weil ein bißchen zu laut, kommt die CRM freilich nicht über die Zulassungshürde. Abhilfe bringt ein Katalysator-bestücktes Endschalldämpfer-Duo, das Zweitakt-Experte Hans Becker beisteuert - womit der ohnehin als schadstoffarm propagierte Motor noch suaberer und leiser wird.Erwartungsgemäß hat dieser Eingriff Folgen, die über das Abgasverhalten hinausgehen: Nur noch 35 PS bei 7100/min statt der angesagten 40 PS bei 8000/min leistet der CRM-Single auf dem Rollenprüfstand. Ebenfalls um 1000/min nach unten verrutscht, aber mit 40 Nm voll auf der Höhe der Werksangaben ist der Drehmomentgipfel.Wie dem auch sei, das AR-(Active Radical-)Prinzip, das behelfs einer Auspuffklappe und eines aufwendigen Motormanagements im unteren Drehzahlbereich - vereinfacht ausgedrückt - unverbrannte Kraftstoffbestandteile per Selbstzündung leistungsfördernd nutzen soll, zeigt schon auf den Prüfstandsprotokollen augenscheinlich Wirkung.Die benutzerfreundliche Charakteristik des CRM-Triebwerks bestätigt sich im Fahrbetrieb zunächst weitgehend. Über das ganze Drehzahlband hängt der Motor gierig am Gas und schiebt die 130 Kilogramm schwere Maschine auch ohne ständiges Schalten kräftig an. Leider finden sich zwei dicke Haare in der Suppe. Im Schiebebetrieb und bei minimal geöffnetem Gasschieber gibt sich der AR-Single ruckelnd und bockend als Spielverderber, und wenn er richtig herangenommen wird, entpuppt er sich keineswegs als der Kostverächter, als der er propagiert wird: Der Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer bei konstant 130 km/h markiert wahrlich keine Revolution der Zweitakt-Technik.Dessen ungeachtet sorgt der Motor im Zusammenspiel mit dem äußerst agilen Fahrwerk für hohen Unterhaltungswert. Im Gelände hilft er mit seiner Durchzugskraft immer wieder aus vermeintlich verfahrenen Situationen. Ob an Steigungen, die steiler sind, als sie schienen, oder wenn es gilt, schnell einmal das Vorderrad zu heben oder mit Druck aus dem Eck heraus zu beschleunigen - meist hilft ein beherzter Dreh am Gasgriff, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Für Flugeinlagen ist die Maschine dank langer Federwege im Prinzip gut gerüstet, beim ernsthaftem Bolzen nach Moto Cross-Manier stößt das Fahrwerk allerdings, weil im Serienzustand zu weich abgestimmt, schnell an seine Grenzen.Auf Landstraßen und im Stadtverkehr läßt sich die CRM - nicht zuletzt dank der kräftig zupackenden und gut dosierbaren Vorderradbremse ausgesprochen frech und mühelos bewegen. Blitzschnelle Schräglagenwechsel, Last-minute-Kurskorrekturen oder Bremsmanöver im Kurvenverlauf - alles geht spielerisch leicht und ohne unliebsame Nebenwirkungen. Daß die Federelemente auf kleine Fahrbahnstöße nicht besonders feinfühlig ansprechen, wird insofern gern verschmerzt, als sie auf der anderen Seite die Maschine bei munterer Heizerei auf richtig fiesen Straßen stets unter Kontrolle halten. In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, daß Red Baron einen Super Moto-Umbau vorbereitet, der - mit hochkarätig straßenbereiften 17-Zoll-Rädern bestückt - ein noch vergnüglicheres Motorrad zu werden verspricht.

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