Test Hyosung GT 650iR (Archivversion) Spritz-Tourer

Beim letzten Test in MOTORRAD 21/2005 erntete die Hyosung GT 650 Lob für ­ihren Motor und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, Kritik gab’s allerdings an etlichen Details – von den stumpfen Bremsen über die Fahrwerksabstimmung bis zur Kupplungshandkraft. Die Koreaner haben nicht geschlafen, sondern Feinarbeit geleistet. Ihr aktuelles Topmodell GT 650iR verfügt noch dazu über Einspritzung und nominell mehr Leistung. Von den angegebenen 82 PS bleiben allerdings auf dem Prüfstand nur 71 PS übrig, also sogar zwei PS weniger als die Vergaserversion. Immerhin schafft die GT damit 219 km/h, wenn sich der Fahrer hinter die kurze Scheibe faltet. Wobei sich die Sache mit dem Falten schlimmer ­anhört, als sie ist, denn die Ergonomie der ­Hyosung erlaubt auch langen Menschen mehrstündiges Verweilen. Ausgesprochen positiv fiel auf, dass wirksamer Windschutz nicht durch lärmende Turbulenzen erkauft wird. Längere Autobahnetappen sind mit der GT 650iR durchaus möglich, der Verbrauch bleibt dabei unter sechs Litern.
Das eigentliche Revier dieser 650er ist aber die Landstraße. Dort überzeugt die Hyosung durch präzises, wenn auch nicht spielerisch leichtes Handling und komfortable Federungsabstimmung. Freude kommt beim Kurvenschwingen auf, an der Fahrpräzision ist nichts auszusetzen. Die Doppelscheibe im Vorderrad leistet gute Arbeit, auch wenn sich sportliche Fahrer einen deutlicher spürbaren Druckpunkt wünschen. Kräftiger könnte die Einzelscheibe im Hinterrad zupacken. Mit etwas Nachdruck wollen die sechs Gänge sortiert werden. Der Einspritzer gibt seine Leistung gleichmäßig ab, wirkt im oberen Drehzahldrittel aber etwas zäher als sein agiler Vergaser-Vorgänger. Nicht wirklich geglückt ist die Abstimmung im Teillast-Bereich: Hier nervte die Testmaschine mit harter, ruckiger Gasannahme. Der Importeur hat das Problem bereits moniert, mit einer neuen Software sollte es aus der Welt zu schaffen sein. Außerdem dürfte der Wendekreis etwas kleiner sein.
Davon abgesehen zeigt sich die GT als gelungener Tourensportler. Die Verarbeitung ist gut, der Preis attraktiv: Maßvolle 6195 Euro kostet die GT 650iR. Wer auf die Verkleidung verzichten kann, bekommt das gleiche Triebwerk sogar für schlappe 4995 Euro in der GT 650i Naked SE. Mehr Motorrad fürs Geld gibt’s in dieser Klasse wohl nirgends.we

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