Test Moto Guzzi Griso 850 (Archivversion) rohrspatz

Am Anfang war das Rohr. Bereits die Ende 2005 vorgestellte Moto Guzzi Griso 1100 (siehe auch Vergleichstest ab Seite 46 in diesem Heft) wirkte wie um den wahrhaft imposanten Auspuff herumgestrickt. Das ist bei der jüngst vorgestellten kleinen Ausgabe mit 850 cm3 kein bisschen anders, schließlich gleichen sich die beiden auf den ersten Blick bis auf den fehlenden Ölkühler der Kleinen wie eineiige Zwillinge. Die 1100er besitzt jedoch immer einen silberfarbenen Rahmen und schwarze Felgen, bei der 850er verhält es sich umgekehrt. Zudem ist die Kleine nur in Rot und Schwarz erhältlich, während es die Große zusätzlich in Gelb und Blau gibt. Das voll einstellbare Fahrwerk sowie die Metzeler- Rennsport-Bereifung ist bei beiden identisch.
Der kleine Hubraum wird durch eine Kurbelwelle mit 14 Millimetern weniger Hub erreicht, die Bohrung blieb unverändert. Eine etwas kürzere Primärübersetzung (1 zu 1,565 statt 1,458) trägt dem geringeren Punch Rechnung. Im Vergleich zur 1100er wirkt die 850er recht schlapp. Um dem im großen Gang locker auf der Drehmomentwelle reitenden Big Twin folgen zu können, muss der luftgekühlte kleinere V2 heftig gedreht werden. Dies tut er durchaus willig, bevor bei 8200/min der Drehzahlbegrenzer dem Treiben Einhalt gebietet. Auch bei vollem Einsatz entweichen der Griso nur kurort-kompatible Lebensäußerungen, das Rohr macht seine Sache gut, sehr zum Leidwesen der Traditionalisten.
Mit Einspritzung, G-Kat und Euro-3-Homologation ist die Moto Guzzi elektronisch up to date. Also lässt man die Große ziehen und begnügt sich mit etwas verhaltenerem Speed. Das hat den Vorteil, dass das Sechsganggetriebe mit seiner akustisch stets präsenten Schaltbestätigung nicht allzu oft bemüht werden muss. Artgerecht bewegt, gibt sich die Griso mit durchschnittlich 5,5 Liter Super zufrieden, was dank 17,2-Liter-Tank für einen hinreichenden Aktionsradius sorgt. Hinreichend, weil der Fahrer aufgrund der Sitzposition – die Fersen knapp unter dem Hintern, die Arme wegen des breiten Lenkers weit nach vorne außen ausgestreckt – schon lange vorher einer Fahrtunterbrechung nicht abgeneigt ist. sgl

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