Test MZ 125 SM (Archivversion) Quereinsteiger

Mit 16, da hat man noch Träume. Vielleicht geht einer davon jetzt in Erfüllung. Aus Sachsen kommt ein quirliges Supermoto-Motorrad für Führerscheinneulinge.

Die Zielgruppe ist klar definiert. Zitate aus dem Prospekt der MZ 125 SM: »Echt crazy. Grip, Grip hurra. Hipper als Hip-Hop. Technischer als Techno. Eine Maschine, die so IN ist, dass selbst der Weg zum Mathekurs ein Spaß ist.« Drängt sich die Frage auf, ob auch der Weg über die MOTORRAD-Teststrecke Spaß ist. Knallblau, irgendwie eckig und nahezu ausgewachsen wartet die 125er auf ihren Einsatz. Die Kunststoffteile glänzen, als wären sie lackiert. Laut MZ jedoch sind sie durchgefärbt. Gut so. Dann entwerten Kratzer das gute Stück nicht so schnell. Für 3790 Euro gibt’s eine überraschend vollwertige Ausstattung: eine Auspuffanlage aus Edelstahl, einen verlässlichen Elektrostarter und Stahlflex-Bremsleitungen, die einen exakten Druckpunkt garantieren. Das Cockpit rundet den Eindruck ab: Kontrollleuchten für Öldruck, Fernlicht, Kühlwassertemperatur, Leerlauf und Blinker. Der Tacho, mit Tages-Trip-Funktion, geht bis 160 km/h. Mal schau’n, ob er das tatsächlich muss. Choke rein und raus in den Verkehr. Nach 300 Metern ist die Starthilfe überflüssig. Wieselflink schlüpft die 125er durch den Stadtverkehr und gewinnt jedes Ampelduell gegen stählerne Bürgerkäfige. Benötigt zum Spurt jedoch verdächtig hohe Drehzahlen. Egal. Ruck, zuck liegt das Ortsschild liegt hinter, die Schnellstraße vor ihr. Gaaas! Der, so MZ, modernste Viertaktmotor seiner Klasse dreht gleichmäßig und ohne nervende Vibrationen in den Begrenzer. Zumindest bei allen, die mehr als 15 PS gewohnt und auf der Suche nach Power sind. Ein Schaltblitz oder Drehzahlmesser zur Orientierung wäre wünschenswert. Ein Trost: Das Getriebe verrichtet, ebenso wie die Kupplung, seine Arbeit präzise und butterweich. Der letzte der sechs Gänge hat eine Art Overdrive-Effekt: Will bei zirka 100 km/h eingelegt werden, um es der Tachonadel bei günstigen Windverhältnissen zu ermöglichen, die 120er-Hürde zu überspringen – immerhin echte 108 km/h.In ihrer Topspeedregion allerdings neigt die MZ zu zartem Pendeln. Dann macht sich das unterdämpfte und auf Handlichkeit ausgelegte Fahrwerk bemerkbar. Deshalb zurück zur Bestimmung: Eenge Kehren, weite Bögen, Drifts in Vollendung. Letztere sind mangels Motorleistung entweder nur auf extrem rutschigem Untergrund möglich oder durch gezielte Bremsmanöver. Beste Anlagen hierzu hat die Kleine. In die pizzagroße Bremsscheibe verbeißen sich die Doppelkolben, als wäre sie von einem Fünf-Sterne-Koch gebacken. Während das Fahrwerk im Zweipersonenbetrieb an seine Grenzen gerät, zeigt sich die Bremsanlage über derlei Belastung erhaben, bleibt gut dosierbar und wunderbar wirksam.Der SM ist keine Kehre zu eng, keine Schräglage zu tief. Allerdings ist ihr Fahrverhalten in ganz engen Biegungen ein wenig kippelig. Dies ist besonders an der Wettbewerbsversion, der 125 MX, spürbar (siehe Kasten). Und geht wahrscheinlich auf Kosten der Super-Moto-Bereifung. Trotz nüchterner, objektiver Testbetrachtung könnte die MZ 125 SM viele Träume erfüllen. Die einiger Wohnmobilisten, etlicher Großstadtcowboys, einer halben Milliarde motorradhungriger Chinesen sowie einiger 16-Jähringen. Denn »der brettgeile Bock macht optisch voll die Welle und ist made for Macker«. So die Aussage eines Befragten. Was will man mehr?

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