Test Suzuki DR-Z 400 SM (Archivversion) SM-Erfahrung

Supermotos sind cool und hipp, sprich: Sie liegen zurzeit voll im Trend. Mit der DR-Z 400 SM bereichert Suzuki die Klasse mit einem weiteren fetzigen Cross-Ableger, der Laune macht.

Auch wenn das SM bei der Suzuki
DR-Z 400 SM nichts mit Sado-
Maso zu tun hat, sondern natürlich für Supermoto steht, bevorzugt sie die harte Gangart. Speziell auf engen Serpentinen-
strecken, wie man sie in der französischen Ardèche findet, kann sie so ihr ganzes Potenzial zeigen. Die DR-Z ist ein aus-
gesprochen schmales Motorrad und lässt sich aufgrund des geringen Gewichts
von fahrfertig 146 Kilogramm sowie eines schmalen 140er-Hinterreifens beinahe spielerisch in die Ecken werfen. Dabei krallen sich die Dunlop D 208, die ebenfalls das SM-Kürzel tragen und auf 17 Zoll großen Felgen sitzen, schon bei niedrigen Tem-
peraturen regelrecht in den Asphalt und
ermöglichen aberwitzige Kurvengeschwindigkeiten. Die Schräglagenfreiheit scheint grenzenlos zu sein.
Kein Wunder, stammt das Fahrwerk doch vom Offroader DR-Z 400 S. Die Federelemente mit langen Federwegen sind in der Grundabstimmung für die Straße zu weich ausgelegt. Die 49er-Upside-down-Gabel mit 260 Millimeter Federweg quittierte harte Bremsmanöver zunächst mit einem zu schnellen, starken Eintauchen. Erst nach dem Schließen der Druckstufe bis auf sieben Klicks verbesserte sich das Bremsverhalten. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass sich die lange Gabel trotz der großzügigen Dimensionierung den Hebelgesetzen beugen muss und sich beim Verzögern leicht verwindet.
Bezwinger dieser Gabel ist die 310 Millimeter große Einscheibenbremse, die mit ihrer exzellenten Standfestigkeit brilliert. Selbst bei langen Passabfahrten mit mehreren, kurz aufeinander folgenden harten Bremsmanövern ist kein Fading festzustellen. Die Doppelkolben beißen kräftig zu und lassen sich fein dosieren – besonders für Stoppies wichtig. Die Hinterradbremse verlangt dagegen etwas mehr Feingefühl, das mit schweren Cross-
Stiefeln nicht immer leicht aufzubringen ist, um den ersten Impuls für einen weichen Drift zu geben.
Sehr hochwertig auch das Federbein, das in Kombination mit dem Hebelsystem satte 276 Millimeter Federweg ermöglicht und in Vorspannung, Zugstufe und Druckstufe einstellbar ist. Letztere ist sogar noch einmal in einen High- und Lowspeed-Bereich unterteilt. Erfreulicherweise entfallen bei der DR-Z dabei umständliche Fingerübungen, da ein Ausschnitt in der Seitenverkleidung die Einstellschraube freigibt. Pfiffig sind zudem die Schnellverschlüsse am Seitenteil vor dem Luftfilterkasten. So kann ein verschmutzter Luftfilter – den
es auf der Straße allerdings eher selten
geben wird – schnell gereinigt werden.
Während die Bremse ihre Härteprüfung bei Passabfahrten mit Bravour besteht, kommt das Triebwerk bei den Auffahrten an seine Grenzen. Unverändert von der Offroad-Schwester übernommen, reichen seine gemessenen 38 PS an der Kupplung wohl für Geländeausflüge, auf Asphalt jedoch wünscht man sich mehr Leistung. So hilft nur ein fleißiger Schaltfuß, wenn man zügig die Berge erklimmen möchte. Und während der Gasgriff die meiste Zeit
am Anschlag steht, ist es nicht einfach,
immer den passenden von fünf Gängen parat zu haben – es fehlt nämlich ein Drehzahlmesser.
Zudem dürfte die Übersetzung für die Straße etwas länger sein. So läuft die DR-Z nur knapp 137 km/h, und nicht wie versprochen 140 km/h. Aus diesem Grund entfallen die Beschleunigungs- und Durchzugswerte bis 140 km/h bei den Fahrleistungsmessungen. Dass keine Verbrauchswerte ermittelt werden konnten, geht auf das Konto der widrigen Witterungsverhältnisse.
Im Endeffekt treten diese Dinge beim Fahren aber in den Hintergrund. Die DR-Z 400 SM macht so, wie sie ist, einfach
riesigen Spaß. Vorausgesetzt, man arbeitet mit ihr ausgiebig, denn zum Bummeln taugt sie nicht. Dem Motor das letzte PS rauskitzeln, um sie aufs Hinterrad zu stellen, die Gänge ausdrehen, um dann vor der Kurve hart zu bremsen und mit einem gefühlvollen Drift und mit dem kurveninneren Fuß auf dem Asphalt in die Ecke
zu schwingen – das ist echtes Super-
moto-Feeling, und so fühlen sich Bike und Fahrer am wohlsten.
Fehlt nur noch die Startnummer und
ein satterer Sound, damit die Supermoto-Karriere gestartet werden kann. Kein Problem, für 7149 Euro ist bei Suzuki ein Paket erhältlich, mit dem man sofort im DR-Z-Supermoto Cup starten kann. Neben dem Serienmotorrad ist darin unter anderem das Startgeld für acht Veranstaltungen, eine komplette Fahrerausrüstung und ein Endschalldämpfer von BOS enthalten.
Die im Test bemängelte Abstimmung der
Federelemente für die Straße wird durch einen Satz Gabelfedern und eine Stoßdämpferfeder von Wilbers geändert.
Ohne das Renn-Paket verlangt Suzuki für die DR-Z 400 SM 5490 Euro zuzüg-
lich Nebenkosten. Ein faires Angebot. Zumal die Ausstattung des Enduro-Ablegers mit einem voll einstellbaren sowie sensi-bel reagierenden Fahrwerk, einklappbaren Schalt- und Bremshebeln, Schnellverschlüssen an der Seitenverkleidung und einem schicken Digitalcockpit, das sogar eine Stoppuhr enthält, sehr reichhaltig und hochwertig ist. Die SM ist auf jeden Fall eine Probefahrt wert.

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