Test Triumph Legend TT (Archivversion) Schlicht und ergreifend

Niedriger, handlicher, preisgünstiger. Die neue Triumph Legend TT will den Einstieg in die Dreizylinder-Welt leicht machen.

Nostalgie ist in. Ob Kinohits wie Titanic oder freche Remakes alter Songs, mit der Vergangenheit läßt sich vortrefflich Geld verdienen. Das haben auch die Zweiradhersteller schon lange begriffen und Modelle wie die Kawasaki Zephyr oder die Suzuki GSX 750 erfolgreich unters motorradfahrende Volk gebracht. Und nicht zuletzt kennen sich die Briten mit dem Aufpolieren alter Chromträume bestens aus. Schließlich ist die brandneue Triumph Legend TT bereits das dritte nostalgisch angehauchte Bike aus Hinkley.Daß dieses von einem 900 Kubikzentimeter großen Dreizylinder angetrieben wird, ist freilich kein Zufall, denn ganz so neu, wie sie es uns glauben machen will, ist die Legend gar nicht. Denn nach dem Triumph-typischen Baukastenprinzip stammen fast alle Teile von bereits existierenden Modellen ab. Die Basis bildet dabei die vor drei Jahren präsentierte Triumph Thunderbird. Ihr nominell 69 PS starkes Dreizylinderherz wurde lediglich mit schwarzer Farbe getarnt. Auf den Auspuffkrümmern sitzen auf jeder Seite ein konischer Schalldämpfer der Thunderbird Sport, von der auch die 17-Zoll-Speichenräder stammen. Im Gegensatz zu dieser begnügt sich die Legend jedoch mit nur einer Scheibenbremse im Vorderrad.Neu dagegen ist das Rahmenheck, das in Verbindung mit einer extrem sparsam gepolsterten Sitzbank für eine erfreulich niedrige Sitzhöhe sorgt. Erfreulich zumindest für klein gewachsene Interessenten, die auf der Legend bei Bedarf festen Boden unter beide Füße bekommen. Groß gewachsene Zeitgenossen mit einer Länge von über 185 Zentimetern kommen sich auf der 900er eher etwas deplaziert vor. Die Füße auf den dicken, weit vorn montierten Rasten geparkt, stehen die Knie über den Tank hinaus und kommen bei engen Wendemanövern mit dem zwar hohen, aber stark gekröpften Lenker ins Gehege.Von drei Keihin-Gleichdruckvergasern versorgt, schnurrt das englische Triebwerk schon wenige Sekunden nach dem Start wie eine Katze auf dem Kachelofen. Das typisch heisere Röcheln des Dreizylinders wird durch Änderungen im Ansaugbereich weitestgehend unterdrückt. Erst wenn die Legend ihren Dreiklang in höheren Drehzahlregionen anstimmt, ist auch bei ihr das aggressive Fauchen deutlich zu hören. Um in diesen Bereich zu gelangen, muß man sich allerdings erst durch ein massives Drehzahlloch zwischen 4000 und 5000/min schleppen, das den ansonsten vehementen Vorwärtsdrang der Legend kurzfristig einbremst. Danach aber geht der Charakterkopf richtig zur Sache, dreht willig bis an den roten Bereich und drückt dabei diensteifrig echte 75 PS ans Hinterrad ab.Besonders erfreulich ist dabei die Tatsache, daß der in der Thunderbird als Säufer bekannte Motor jetzt gemäßigte Trinksitten an den Tag legt. Verbrauchte die erste, mit Mikuni-Vergasern bestückte Thunderbird im MOTORRAD-Test vor drei Jahren noch zwischen 6,2 und 12,2 Liter Treibstoff auf hundert Kilometer, begnügt sich die neue Legend mit deren 4,7 bis 7,2. Wenn jetzt noch ein ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem nach Kawasaki-Vorbild zum Einsatz käme, wäre der Dreizylinder fast makellos. Denn trotz Leistungsloch hängt er sauber am Gas, ist frei von störenden Lastwechseln und verwöhnt mit einem sanften, gut berechenbaren Leistungseinsatz. Eventuell vorhandene Vibrationen werden von den dicken Gummirasten wirkungsvoll absorbiert.Von ähnlichem Charakter zeigt sich auch das Fahrwerk der Legend. Das Muster an Handlichkeit läßt sich mit einer Selbstverständlichkeit durch Wechselkurven werfen, die in der 900er Klasse ihresgleichen sucht. Da kommt einem schon das eine oder andere Mal der Vergleich mit einer XV 535 in den Kopf. Die niedrige Sitzposition, das spielerische Handling und der gutmütige Antrieb machen es zum Kinderspiel, mit diesem Motorrad zurechtzukommen.Auf schlechteren Straßen allerdings trübt das viel zu schlappe hintere Federbein den Fahrspaß ein wenig. Durch die zu weiche Feder ständig in der Progression arbeitend, teilt es mitunter recht derbe Schläge an seinen Piloten aus. Die spärlich gepolsterte Sitzbank dient dabei nicht gerade als wirkungsvoller Puffer. Unter der Last einer zweiten Person geht die Hinterhand dann völlig in die Knie. Dafür kann sich der Sozius über ein deutlich besser gepolstertes Sitzbrötchen freuen.Die Telegabel gibt dagegen keinerlei Anlaß zu Kritik. Ausreichend straff gefedert und tadellos gedämpft, steckt sie sowohl schlechte Fahrbahnbeläge als auch harte Bremsmanöver klaglos und ohne auf Block zu gehen weg Wobei die Leistung der einzelnen Scheibe am Vorderrad selbst für Vollbremsungen jederzeit ausreichend ist. Vorausgesetzt, es wird mit genügend Kraft am leider nicht einstellbaren Handhebel gezogen. Wem es im Ernstfall an Power fehlt, kann sich wenigstens auf eine sehr effektiv wirkende, gut zu dosierende Hinterradbremse stützen.Ein Motorrad für Einsteiger, Wiedereinsteiger und Aufsteiger soll die Legend TT sein. Womit Triumph den Nagel buchstäblich auf den Kopf trifft. Denn selten war eine 900er so leicht zu fahren, beim Rangieren so leicht zu beherrschen und - für britische Verhältnisse - so günstig zu kriegen. Mit 14990 Mark liegt sie immerhin 2000 Mark unter dem Preis einer Thunderbird Sport. Wen interessiert bei diesem Argument noch ein abschließbarer Tankdeckel?

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