Test: TRIUMPH SPRINT ST (Archivversion)

Motor: wassergekühlter Dreizylinder-Reihenmotor, 92 kW (125 PS) bei 9100/min; Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium;
Maße und Gewichte: Gewicht vollgetankt 247 kg, Tankinhalt 21 Liter; Preis: 12700 Euro inklusive Nebenkosten

Die Koffer habe ich lieber zu Hause gelassen. Die von Triumph als Zubehör angepriesenen, innen recht zerklüfteten Würfel verwandeln das schlanke Heck der Sprint ST in einen Elefantenhintern. Obendrein nervt das fricklige Verriegelungssystem, weshalb die Koffer in der Dunkelheit morgens um fünf partout nicht am Trägersystem hängen bleiben wollen. Die paar Klamotten passen auch gut in meinen Rucksack.
Der Dauertester ist auch ohne Koffer gut gerüstet: Griffheizung (werde ich so früh morgens brauchen können), ABS (brauche ich hoffentlich nicht), Navi (kann ich nicht mit umgehen) und Steckdose zum Handy laden oder Lampe anschließen, sollte ich mal schrauben müssen. Doch mit gerade mal 12000 Kilometern
auf der Uhr ist das nicht zu befürchten. Die Sprint steht da wie aus dem Ei gepellt, und im Fahrtenbuch sind ebenfalls keine negativen Eindrücke zu finden. Alles roger.
Oder doch nicht. Das Abblendlicht steht viel zu hoch. Zum Justieren müsste ich die halbe Innenverkleidung zerlegen. Außerdem stört der knappe Raum zwischen Zündschloss und Navi. Den Schlüssel kriege ich kaum rein. Ob wir auf dieser Tour noch Feunde werden?
Endlich starten. Der kehlig heisere Sound aus den drei Endtöpfen im Heck stimmt mich wieder freundlich. Mit jedem Gasstoß faucht der Triple wohltuend prickelnd. Ständig könnte ich das Gas auf- und zudrehen. Dazu noch diese Beschleunigung. Dieser wuchtige Tritt in den Hintern. Bei jeder Drehzahl, in jedem Gang. Das macht Spaß. Kurz über Standgas schiebt die ST los, urgewaltig, bis an den Drehzahlbegrenzer.
Der Dreizylinder gönnt sich keine Pause. Koblenz erreiche ich schnell und völlig relaxed. Keine Handgelenk- oder Nackenschmerzen. Sauber zieht die Sprint ihre Bahn. Kein Wackeln, keine Unruhe, kein Stress. Geradlinig und pfeilschnell. Der Tag kann beginnen.
247 Kilogramm sind allerdings ein stattliches Gewicht. Noch dazu hat die Sprint einen hohen Schwerpunkt. Den spürt man nicht nur beim Rangieren und Wenden, sondern auch beim Einlenken in Kurven. Ich muss ganz schön mithelfen, um die Triumph schwungvoll durch die Kurvenkombinationen zu bugsieren. Trotzdem fühlt sich die Engländerin im Moseltal und den links wie rechts angedockten Bergstraßen wie zu Hause. Lenkpräzision und Fahrverhalten stimmen. Die feinfühlige, sehr komfortabel ausgelegte Telegabel schluckt alles weg, das Zentralfederbein macht seine Sache ebenfalls gut. Meine sportlich orientierten Kollegen meinen, sie sei etwas zu weich, wenn man hart zur
Sache ginge, und die Bremsen seien etwas teigig. Mag sein. Hier und heute fühle ich mich trotzdem sauwohl auf der Triumph.

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