Test Vectrix Maxi-Scooter (Archivversion) Dem Scheich 'nen Streich

Die amerikanische Firma Vectrix baut einen der ersten Maxi-Elektroroller. Wie fährt es sich mit Strom?

Warum wir über Stromroller schreiben? Der Vectrix ist ein Meilenstein, der erste straßenzugelassene, wirklich flotte Großroller, der sogar mit dem A1-Führerschein gefahren werden kann. Kein Abgas, keine Steuer, kaum Wartung nötig. Dabei sieht er ganz normal aus. Gut, er hat keinen Auspuff. Und keinen Anlasserknopf. „Zündung“ an, im Cockpit erwacht Leben. Die Tachonadel fährt schon mal die Skala ab, die „Tankanzeige“ rechts zeigt alle Balken. Batterie voll, es kann losgehen. Einfach am „Gasgriff“ drehen, dann geht’s ab. Ziemlich flott sogar. Denn schon im Stand hat der Motor 65 Nm Drehmoment, mehr als jede Benzin-600er. Das schiebt selbst die 232 Kilogramm Roller plus 85 Kilo Fahrer gewaltig voran, in fünf Sekunden auf 50 Sachen. Wie am Gummiband gezogen beschleunigt die Fuhre bis auf maximal 100 km/h, mit leichtem Straßenbahngeräusch, ohne Schalten, ohne Kuppeln. Eine unglaubliche Erfahrung, diese schwebende Leichtigkeit.

Ohne „Gas“ rollt der Roller nur von den Fahrwiderständen gebremst weiter. Sprich: Bergab wird er immer schneller. Erinnert an Zweitakter-Fahren. Wenn es zu schnell wird, kann man bremsen oder den Gasgriff über eine Mittelstellung hinaus zudrehen. Dabei wird aus dem Elektromotor ein Generator und produziert Strom, der wieder in die Batterien zurückgespeist wird. Klasse Idee. Prima auch: dreht man im Stand das Gas verkehrt herum, fährt der Vectrix rückwärts!

Recht schnell hat man es gelernt: Der Gasgriff ist ein feinfühliges Potentiometer, mit dem man Strom fließen lässt. Beim Beschleunigen von der Batterie in den Motor, beim Bremsen vom Motor wieder in die Batterie. Man bremst mit der Zeit fast nur noch mit dem Motor. Die normalen Bremsen braucht man nur im Notfall.

Im Stadtverkehr läuft alles prima. Über Land kommt allerdings die Frage auf, wie weit fährt er denn? Die Balken verschwinden, die berechnete Restreichweite schwankt zwischen 14 und 50 Kilometern, nach 20 Kilometern regen sich Zweifel. Ist der Point of no return bereits erreicht, oder geht noch was? Tanken kann man nicht, und das Aufladen der 3,7 Kilowattstunden fassenden Batterie ist dank Kabel und eingebautem Ladegerät zwar an jeder Steckdose möglich, dauert aber gut drei Stunden.

Umdrehen, nach Hause, die letzten Meter wird der Vectrix immer langsamer, Saft alle nach 54 Kilometern. Immerhin.

Kosten? 10000 Euro für einen Roller sind viel Geld. 70 Cent für 50 Kilometer sensationell wenig. Noch muss das Ökogewissen viel Geld überweisen. Aber die Entwicklung hat gerade erst begonnen.

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