Test Yamaha BT 1100 Bulldog (Archivversion) artenschutz

Um den Fortbestand der Bulldog zu sichern, musste Yamaha den luftgekühlten V-Zweizylinder, der schon die TR1 Anfang der 80er Jahre angetrieben und den Chopper XV 1100 beflügelt hatte, auf Euro-2-Standard hieven. Deshalb nimmt die Zwei-in-eins-in-zwei-Auspuffanlage nun zwei nacheinander geschaltete Katalysatoren auf. Ein Magnetventil im Vergaser unterbricht im Schiebebetrieb die Kraftstoffzufuhr, damit die Katalysatoren keinen Schaden nehmen. Neugestaltete Vergaserabdeckungen und »Leitbleche« zur Luftzufuhr sollen die Temperatur des hinteren Zylinders reduzieren. Aus diesem Grund musste auch das Gehäuse des Sekundärluftsystems versetzt werden.
Jede Menge Maßnahmen also, die
sich aber weder auf Leistung noch Charakteristik des niedertourigen Zweizylinders auswirken. Bereits wenig über Standgasdrehzahl schiebt der Motor kräftig und ruckfrei vorwärts, baut bei moderaten Drehzahlen einen beachtlichen Drehmoment-Gipfel auf und fordert jenseits von 5500 Touren den nächst höheren Gang.
Ebenso unauffällig sind die Änderungen am Fahrwerk, genauer an der vorderen Doppelscheibenbremse. So stammen die gelochten Bremsscheiben von der Road Star Warrior, die einteiligen Bremszangen von der R6 (vorher R1) und der Hauptbremszylinder (15 Millimeter Kolbendurchmesser) von der XJR 1300. In Summe eine tadellos wirkende, gut dosierbare und mit geringer Handkraft einsetzbare Bremse. Eigentlich wie vorher auch.
Es gibt jedoch Modifikationen, die auf Anhieb auffallen. Etwa die dezente Zweifarblackierung oder das Mattschwarz, welches sich vom Rahmen über die Schwinge bis zum Kardangehäuse durchzieht. Oder die elektronische Wegfahrsperre. Und das Cockpit, das neben einer geänderten Anordnung von Tacho und Drehzahlmesser jetzt ein Multifunktionsdisplay vorweisen kann. Leider fehlt eine Tankanzeige (weiterhin nur eine Kontrollleuchte), und die
Instrumente sind ob ihrer feineren Skalierung schlecht ablesbar.
Besser wurde auf alle Fälle der Soziussitz, weil der Passagier seinem Fahrer nicht mehr ständig in den Rücken rutscht, sondern bequem da sitzen bleibt, wo er hingehört. Für den Fahrer indes hat sich nichts geändert. Trotz neuen Lenkers ist die Ergonomie gleich geblieben. Wie alle neuen Motorräder hat die Bulldog nun ein permanentes Fahrlicht und eine Warnblinkanlage. Und wie alle Bulldogs überzeugt auch das aktuelle Modell mit gutmütigen Fahreigenschaften. Die Hinterradfederung könnte zwar sensibler ansprechen, ein schmalerer Hinterreifen die Spurfindung erleichtern. Aber das scheint den Fortbestand der Art nicht zu gefährden. nk

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