Test Yamaha XJR 1200 SP Sarron Replika (Archivversion) Sonderfall

Was im letzten Jahr gelb war, ist heuer blau. Was King Kenny hieß, heißt jetzt Sarron: eine auf 500 Stück limitierte Auflage des Druckerzeugers XJR 1200 SP.

Yamaha XJR 1200? Die kennt doch inzwischen jedes Kind. Das ist die mit ganz viel Motor und ziemlich wenig Nebenwirkungen. Genau. Nur: Who the – pieeep – is Sarron? Christian Sarron. Franzose. Gauloises. Na? Klingelt’s? Richtig: 1984 wurde der kleine Blonde Weltmeister bei den 250ern. Auf einer Yamaha – versteht sich – in den Farben des oben genannten Zigaretten-Giganten lackiert. Und eben dieser Sarron stand Pate für die neue XJR 1200 SP. Und eben drum ist diese blau. Und eben darin liegt der Unterschied zur letztjährigen SP, die in Gelb daherkam, nach Kenny Roberts benannt und gleichfalls auf 500 Stück limitiert war.Von der herkömmlichen XJR 1200, die in Schwarz oder Silber für 500 Mark weniger zu haben ist, hebt sich das Sondermodell außerdem durch eine anders gepolsterte Sitzbank und modifizierte Fahrwerkskomponenten ab. So ist die Gabel in der Federbasis verstellbar und die beiden hinteren Federbeine stammen aus keinem geringeren Haus als Öhlins. Hört sich ganz schön gut an, was? Sieht zudem ganz schön wichtig aus. Aber damit hat sich’s dann auch. Vorteile gegenüber der Basis-XJR bietet die vermeintlich hochwertigere Ausstattung keine: Während die Hinterhand bockelhart anspricht, macht die Gabel – Vorspannung hin oder her – voll auf Softie. Diagnose: zu weiche Gabelfedern.Schon beim bloßen Lastwechsel, sprich: Gas auf, Gas zu, pumpt die Frontpartie gewaltig auf und ab. Kreuzen Schlaglöcher den Weg, knallt sie komplett durch. Das stört das Vertrauen in die Maschine empfindlich. Und dabei könnte alles so schön sein. Denn dieser Motor... Also, der Motor... Ich meine – wir haben ja schon unzählige Oden an den 1200er Vierzylinder geschrieben. Verzichten wir diesmal auf die geschwollenen Worte und sagen es so, wie es ist: Dieser Motor ist eine Bombe, zieht ab wie eine Rakete, erzeugt unglaublichen Druck. Überall. Obendrein zeichnet er sich durch höchst kultivierte Umgangsformen aus.Weniger exquisit: Der 130er Vorderreifen. In engmaschigen Kurvengeflechten verpatzt er sowohl das an sich gute Handling als auch die Linientreue der 255 Kilogramm schweren Yamaha. Vor allem, wenn Bridgestone BT 54 draufsteht – eine der XJR-Serienbereifungen. Firmiert der Pneu unter Dunlop D 202, ebenfalls bereits ab Werk erhältlich, fallen die Probleme weit weniger ins Gewicht. Auch der Geradeauslauf profitiert von den dunlopschen Sohlen. Wer umrüsten möchte, sollte sich allerdings gleich für einen unkomplizierten 120er Vorderreifen entscheiden. Freigegeben sind inzwischen genug. Dann noch einen Satz härtere Federn in die Gabel gesteckt, und man ist sowohl auf der Sarron Replika als auch mit der »normalen« Yamaha XJR 1200 voll der King – wenngleich nicht Kenny.

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