Test Zongshen Cab 125 Next Generation (Archivversion) Zwitter-Wesen

Roller oder Motorrad? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: von beidem etwas. Fernost-Urlauber kennen die in Asien zahllos herumflitzenden Viertaktmopeds mit Beinschild und tiefem Durchstieg, allesamt Ableger von dem
Urahn, den Soiricho Honda bereits 1958 vorgestellt hatte. Viele Hersteller haben das Millionending nachgebaut oder fertigen es noch immer, jedes chinesische Motorradwerk hat eine oder mehrere »Raubkopien« davon im Programm.
In Deutschland war die anspruchlose Honda-Fünfziger »Super Cub« in den sechziger Jahren gegen Kreidler, Zündapp & Co chancenlos, daher wurde eine hubraumstärkere Version nie angeboten. Doch
heute könnte eine moderne Kopie des viertaktenden Sparmobils, so hofft Importeur Fritz Röth, der auch eine Mokick-Version anbietet, Marktchancen haben. Seine
asiatischen Brot-und-Butter-Maschinchen werden bei Zongshen, Chinas derzeit
bekanntestem Hersteller und seit kurzem
sogar Vertragspartner von Piaggio und Harley-Davidson, gefertigt.
Der liegende ohc-Motor der Cab 125 startet wahlweise durch Kick oder Knopfdruck. Er wird per Vergaser beatmet und klingt kernig, die Gangwahl der vier Schaltstufen erfolgt halbautomatisch mit Fußschaltwippe, der Leerlauf ist oben. Ein Tritt auf den Schalthebel trennt die Fliehkraftkupplung – ebenfalls nach idiotensiche-
rem Honda-Vorbild – beim Gangwechsel
zusätzlich mechanisch. Honda Dax- und Monkey-Erfahrene können sie bei idealer Einstellung beinahe wie eine konventionelle Handkupplung dosieren. Bei der Cab 125 gelingt dies fast noch besser als am Original, denn die Vierscheiben-Kupplung arbeitet nicht auf der Kurbelwelle, sondern verschleißarm auf einer dahinter angeordneten Zwischenwelle.
Dank 17-Zoll-Räder und motorrad-
mäßiger Gewichtsverteilung fährt sich die Zongshen zielgenau und handlich, obwohl die Federelemente nur mäßig ansprechen und schlaff ausgelegt sind. Die Kette ist wie beim Honda-Original erfreulicherweise vollständig gekapselt, der simple Rückstellmechanismus des Seitenständers besitzt keinen Zündunterbrecher. Annehmbar, jedoch ohne fühlbaren Druckpunkt funktionieren die Scheibenbremsen mit Doppelkolbenzangen, bei der hinteren aktiviert ein kurzer Seilzug die neben dem Hinterrad angebrachte Bremspumpe.
Der drehmomentstarke Einzylinder ist zwar nicht frei von Vibrationen, verbraucht aber wenig. Eine Tankfüllung des 3,5-Liter-Behälters unter der verschließbaren, un-bequem gestuften Sitzbank reicht der Cab 125 für mehr als 150 Kilometer. Ungeübte sollten zunächst stets die im Cockpit
integrierte Ganganzeige im Blick haben, denn die Schaltung funktioniert nach dem Rotationsprinzip: Wer nach dem vierten Gang weitertritt, landet abermals im Leerlauf, auf die nächste Fußbewegung folgt wieder der erste Gang, was unter Umständen folgenschwer sein kann. gvo

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