Veterama Tipps und Infos zur Veterama

Sie ist das Mekka für Jäger und Sammler, das Paradies für Klassik- Enthusiasten. Die Veterama gilt als Europas größter Teilemarkt für Old- und Youngtimer, eine unnachahmliche Mixtur aus Flohmarkt, Messe und Sperrmüll. Bald öffnet diese Pilgerstätte wieder ihre Tore.

Foto: Archiv
Auf weitläufigen 25 Hektar sind edle Messestände genauso vertreten wie notdürftig überdachte Tapeziertische als mobile Verkaufsstände oder Wolldecken für die "Bückwaren". Ganz egal wie, hier wird alles nur Erdenkliche angeboten: historische Postkarten und Plakate, Emailleschilder und Blechtassen, Bildbände, Betriebsanleitungen und MOTORRAD-Ausgaben aus den 50ern.

Hier gibt es einfach alles, womit sich große Jungs im siebten Himmel fühlen: Rahmen, Räder, Batterien, traditionelle Typschilder und Marken-Embleme, Griffe, Lenker, Armaturen, Scheinwerfer, Speichen, Auspuffe. Aber auch Motorengehäuse, Zylinder, Kolben, Vergaser und Dichtungssätze. Nicht zu vergessen Benzinhähne, Lichtmaschinen, Unterbrecherkontakte und Zündverteilerkappen. Natürlich auch Getrieberäder, Gabeln und Bowdenzüge, Federbeine, Sitzbänke, Fußrastengummis, Kurbel- und Nockenwellen. Dazu ganze Pichler-Vollverkleidungen oder Koffer, die guten alten von Krauser. "Suche U-Boot-Teile" steht an einem schwarzen Brett...

Der Geruch von Öl und nicht mehr zweifelsfrei zündfähigem Benzin hängt schwer in der Nase. Womit hier letztlich gehandelt wird? Mit Träumen. Ganz oder in Teilen. Aus Zeiten, als man selber noch gar nicht geboren war. Oder aber große Wünsche hatte, bloß keine Kohle, sie zu realisieren. Hier kann man es nachholen. Eine MV Agusta 350 GT der italienischen Polizia Urbana, ein Motorrad mit Geschichte. Es trägt seine himmelblaue Vollverkleidung so, wie es sich gehört. Mit Patina. Rost hinterließ seine Spuren am Chassis, an Rahmen, Rädern und Tank. Wie auch an manch anderem Exponat. Die MV mit Magnetzündung ist die einzige dieses Typs auf der gesamten Veterama. Der Motor läuft. Na bitte.

Viele Privatleute betätigen sich hier als Händler, oft mehrere gemeinsam an einem Stand. Andreas Seidel kommt seit 21 Jahren her. Mittlerweile als Verkäufer. "Ich mach's nicht wegen der Kohle", erklärt er, "nur wegen der Gaudi." Bei ebay verkaufen, bringe mehr Geld. Aber nicht halb so viel Spaß. "Manches schleppe ich seit Jahren mit mir rum, und dann geht's doch irgendwann weg." Außerdem gehört ja auf der Veterama auch das unermüdliche Suchen, Stöbern und Finden dazu. Und das Feilschen natürlich. Die Verkaufsverhandlungen sind schließlich das Salz in der Suppe.

Echte Schnäppchenjäger kommen bereits freitags, am Aufbau-Tag. Es ist ein Geben und Nehmen. Ballast abwerfen und neuen Technik-Trödel mitnehmen. Frisch erworbene Fundstücke werden gehütet wie erbeutete Trophäen. Doch manches erinnert auch schwer an Schrottplatz. Rotbraune bis rostrote Farbe schreit jedenfalls nach Arbeit. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Perlen im Eben-nicht-Müll. Wer auf der Suche nach bestimmten Teilen ist, betritt hier das Paradies. Pleite, aber glücklich.

Michael Zieher hat einen klassischen R12-Rahmen erstanden. Für 3500 Euro aus einem einstigen BMW-Ersatzteilfundus, original verpackt aus den 40er-Jahren. Überhaupt gibt es viel "Schwarze Ware", Motorräder und Teile aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Kontrastprogramm steht wenige Meter weiter eine leicht verunfallte Yamaha FJR 1300, fährt ein polnischer Besucher auf einer ziemlich heruntergekommenen Z 900 herum. Die wird wohl kaum die auf dem Papp-Preisschild geforderten 4999 Euro bringen. Auf der Suche nach einem Bierchen sei er. "Weil die Luft hier so trocken ist." Vielleicht stolpert er aber auch über ein Miele-Moped, eine historische Harley oder haufenweise MZ-Teile eines norddeutschen Liebhabers.

Er könnte auch eine Henderson von 1920 finden, einen Reihenvierzylinder (!) mit 1300 cm3. Technisch tipptopp, für 32750 Euro von einem holländischen Handels-Profi. Zu teuer? Nun, die Böhmerland-Replika mit Dreipersonenzulassung und Norton-Motor kostet bloß 24900 Euro. Man(n) könnte auch bei einer BMW R 90 S schwach werden, in Daytona-Orange, wie aus dem Laden. Das Spektrum reicht von topgepflegt über perfekt überholt bis hin zu unrestaurierten Scheunenfunden und diversen im Alltag heruntergerittenen Maschinen aller Hubraumklassen und Epochen. Wobei das Einfache, das Bodenständige überwiegt. Wunderschön und fein restauriert: eine Douglas Boxer 600 aus dem Jahr 1922 für 11500 Euro neben einer Excelsior von 1926 für 9500 Euro.

Aus einem Museum in England stammt ein wahres Prachtstück, eine 550er-BSA H2 aus dem Jahr 1919 mit passendem Beiwagen in Grün. Sie sucht für stolze 17500 Euro einen neuen Besitzer. Aber es geht auch günstiger. Schlappe 4900 Euro für eine schön gemachte Horex Regina. "Nicht mehr laufen, Quickly kaufen" - die 50er-NSU kostet bloß 999 Euro. Teurer und ex-klusiver: Rennmaschinen von Adler, Motobi oder Bultaco. Gibt's alle bei Angelo. Der Italiener, Baujahr 1942, besitzt rund 200 Maschinen daheim bei Turin. Er hat noch einen Laverda-Roller von 1960 dabei und eine 125er-Moto Parilla von 1951. Exoten sind hier auf der Veterama ganz normal. Auch wenn manche Maschinen komplett renovierungsbedürftig sind oder tatsächlich bloß noch als Teileträger taugen.

Man braucht ein geschultes Auge, um Ramsch von Raritäten zu unterscheiden, Schund von Schnäppchen. Zumal Geschäfte hier per Handschlag besiegelt werden. Okay, wer unbedingt darauf besteht, bekommt bei einem unzerlegten Motorrad auch einen Kaufvertrag. Aber bei Oldtimern zählt Vertrauen mehr als Rückgaberecht. Und große Händler kennen ihre Stammkunden. "Wenn Sie hier jemanden rein-legen, sehen Sie ihn bald wieder", erklärt ein Händler, der eine 600er-Panther aus England geholt hat. Eigentlich ist der Einzylinder für ihn selber bestimmt. Aber wenn ihm jemand ein gutes Angebot macht ...

Herzlich willkommen heißt es auch in der wunderbaren Welt der Werkzeuge. Es hat was vom Hamburger Fischmarkt, wenn Zangen, Hammer oder Schraubendreher nach Gewicht verramscht werden. Das Kilogramm "Hardware" zu zehn Euro. So ist das hier. Flair und herzliche Atmosphäre gibt's gratis. Zwei verwegene Finnen haben die Kawasaki Z 900 aus Polen gekauft. Für 4999 Euro? "Do you think so?" zerstreut einer der beiden Alltimer-Experten jeden Zweifel an seiner Fachkenntnis. "Schöne Schrauberzeit", wünscht die Lautsprecherstimme am Sonntagnachmittag. Klar, das wird schon, mit all dem frisch erjagten Material vom Mannheimer Flohmarkt ...

Veterama steht für Europas größten "Veteranen-Teile-Technik-Markt". Er findet seit 1975 statt, im Jahr 2010 an folgenden Wochenenden: In Ludwigshafen vom 16. bis 18. April (Motorräder und Automobile) sowie vom 23. bis 25. April (nur Motorräder), jeweils auf dem Friedrich-Ebert-Gelände in der Erzberger Straße. Auf dem Mannheimer Maimarktgelände gibt es vom 8. bis 10. Oktober Zwei- und Vierräder samt Teile, Zubehör und allem drumrum.

Die Tageskarte kostet ab acht Euro, ermäßigt ab fünf Euro. Öffnungszeiten sind jeweils Freitag 12 Uhr bis 20 Uhr, Samstag 8.30 bis 18 Uhr, Sonntag 8.30 bis 16 Uhr. Infos unter Telefon 06203/13507 und auf der fünfsprachigen Website www.veterama.de. Viel Spaß beim Stöbern!

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