Total normal: BMW R 65 (Archivversion) Total normal?

Da hatte selbst bayrisches Schwermetall keine Chance: Wenn einer Schreiner heißt, aus einer Schreiner-Familie stammt, selber diesen schönen Beruf erlernt hat und zudem Holzwirtschaft studiert, dann muß er diese Profession und Neigung irgendwann auch an seinem Motorrad ausleben. Holzklötze als Bremsen oder Holzbänder als Felgen, in der Frühzeit der Motorisierung noch gang und gäbe, entfielen aus zulassungstechnischen Gründen. Deshalb machte sich Karsten Schreiner, gebürtig aus dem Ulmer Raum, aber mittlerweile in Hamburger Forste gewechselt, an weniger sicherheitsrelevante Teile heran.Wie bei so vielen denkwürdigen Total Normal-Kreationen übernahm der Zufall die Vaterolle. Als die R 65 eines Tages ihren Seitendeckel wegwarf und ihrem Fahrer ein hübsches Ulmenbrett unter die Augen kam, war es um die Serienmäßigkeit der BMW geschehen. Karsten Schreiner fand - ganz im Gegensatz zu seinen Kumpels - sogar, die zarte Zeichnung des witterungsbeständigen Hartholzes werte die recht klobigen Linien der Gummikuh eher auf. Folglich schnitzte, drehte, furnierte und fräste er ihr nacheinander Gasgriffe, Bürzel, Cockpit, Spiegelhalter, Blinker und vorderes Schutzblech. Als Wetterschutz fungiert Bootslack, in mehreren Schichten aufgetragen. Zum Meisterwerk erklärt er den furnierten Tank. Wahrscheinlich, weil sogar der eigene Vater am Gelingen dieses ein Jahr währenden Projekts zweifelte. Weitere Wood-Technology-Parts werden folgen: Für machbar hält Schreiner Sturzbügel und Rücklicht, für denkbar Zylinderdeckel und Ansaugkrümmer.

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