Touratech-BMW R 1100 GS ReVamp (Archivversion) Da schau her

Eine BMW R 1100 GS ist nach wie vor eine prima Fahrmaschine. Als ReVamp aus dem Hause Toura-
tech macht sie auch optisch an. Dass nebenbei kräftig abgespeckt wird, hilft nicht nur beim Fernreisen.

Der erste Eindruck zählt. Es ist lediglich ein kurzer Augenblick, der über Sympathie oder Antipathie, über Begeh-
ren oder Missfallen entscheidet. Sagen
die Psychologen. Manchmal erscheint es deshalb ratsam, ein wenig nachzuhelfen, damit der Funken überspringt. Für die Spezialisten der Firma Touratech war der Fall beim Anblick einer BMW R 1100 GS sofort klar: riesiger, rechteckiger »Busscheinwerfer«, pummeliger Tank und gerne in der heute fast schon halluzinogen wirkenden Farbkombination Bobbycar-roter Tank/Kanarienvogel-gelber Sessel geordert – wer so daherrollt, darf sich trotz aller
positiven Charaktereigenschaften des Un-
tersatzes nicht wundern, wenn nur die anderen im Rampenlicht stehen. Die Lösung: ein neues Outfit für den Bestseller der 90er Jahre, der noch immer zigtausendfach über die Haus- und Bergstrecken wildert.
Also rein in die Werkstatt. Gut sechs Stunden dauert die Verwandlung (die selbst wenig geübte Bastler daheim erledigen können), damit sich modisch bewusste
R 1100 GS-Treiber nicht mehr hinter Büschen und Bäumen verstecken müssen. Der von Touratech entwickelte Umbaukit gibt der GS eine völlig neue Linie und gleich auch noch einen neuen Namen mit auf den Weg, nämlich »ReVamp«. Das komplette Set im Einzelnen: neu gezeichneter Schnabel, Frontverkleidung mit Doppelscheinwerfer (Xenon-Fernlicht), Windschild, Cockpit mit IMO-Tripmaster, 21-Liter-Tank aus Polyamid, eine einteilige Sitzbank, eine schmale Heckeinheit sowie vier Mikroblinker. So bestückt, sieht die gute alte BMW GS aus jeder Perspektive deutlich flotter und schlanker aus – nicht einmal ein Gepäckträger verunziert das Heck. Die Waage attestiert zudem rund 14 Kilogramm weniger auf dem Buckel.
Ausgestattet mit weiteren feinen – und zugegeben sündhaft teuren – Zutaten wie Öhlins-Federbeine, Sinter-Kupplung und konifizierter Magura-Lenker rollt alles andere als ein nur ästhetisch aufgewertetes Allerweltsfahrzeug aus den touratechschen Hallen. Nach einer gut 7000 Kilometer weiten »Testfahrt« rund ums Schwarze Meer (demnächst in MOTORRAD) sei dieses
Urteil vorweggenommen.
Allein die Sitzposition. Die knüppelharte Bank aus eigener Herstellung fällt zwar unbequemer aus als das Serienpendant, sorgt jedoch zusammen mit dem weit vorn angebrachten Lenker und einem wesentlich besseren Schenkelschluss für eine hochaktive Fahrerhaltung. Man sitzt nicht nur gefühlsmäßig deutlich näher am Vorderrad – was dem Handling zugute kommt. Schnelle Kurvenfolgen? Wo man sich auf der alten Serien-GS bereits mühen musste, geht’s nun mit überraschender Leichtigkeit hindurch. Der Pilot freut sich, dass hauptsächlich im oberen Bereich des Fahrzeugs Gewicht eingespart wurde – der gefühlte Schwerpunkt dürfte irgendwo zwischen Ölwanne und Asphalt liegen.
Die generell straffe Auslegung der Öhlins-Federelemente (besonders hinten) tut ein Übriges. Auf Komfort kann man zur Not verzichten. Auf Kontakt zur Straße niemals. Anders herum ausgedrückt: Die ReVamp bleibt trotz der grobstolligen Continental- TKC-80-Pellen stur auf der gewünschten Linie, läuft wie hingemeißelt. Da muss schon einiges zusammenkommen, um Unruhe ins Gebälk zu bringen. Zum Beispiel flott genommene, kurze Kanten im Belag. Für einen winzigen Moment wirkt das Heck wie ein störrischer Esel – allerdings nur im unbeladenen Zustand. Mit prall gefüllten Alu-Boxen und Gepäckrollen sieht die
Sache anders aus. Auf einmal bügelt diese Fuhre selbst die grottenschlechten Landstraßen in der Ukraine glatt. Eine fiese Schotterpiste mitten im Kaukasus? Der überaus sensibel ansprechende vordere Dämpfer erledigt nahezu alles im Alleingang. So was schafft Vertrauen. Wie die Sinter-Kupplung. Da rutscht und raucht
nix mehr, egal ob die BMW tief im Dreck oder an einem steilen Hang hängt.
Weniger gut: der extreme Unterschied zwischen dem taghellen Xenon-Fernlicht und dem Abblendlicht erschreckt jedes Mal – Letzteres wirkt plötzlich so schlapp wie eine batterieschwache Taschenlampe. Die erforderliche Umgewöhnungsphase für die Augen erleichtert das Fahren bei Nacht nicht gerade. Zudem gelingt es der Xenon-Lampe trotz penibler Einstellung nur bedingt, bei Schräglage in Linkskurven den rechten Fahrbahnbereich genügend auszuleuchten.
Reisefans sei abschließend der speziell für die ReVamp entwickelte Gepäckträ-
ger samt Alu-Gepäckbrücke, der Zylinderschutz (ebenfalls aus Aluminium), der leichte, schlagfeste Motorschutz aus Kevlar-Karbon sowie die am Hauptständer fixierte Motorschutzverlängerung aus Stahl empfohlen. Hat alles Hand und Fuß. Den skurril aussehenden Schnorchel am Auspuff sollte man dagegen wirklich nur dann verwenden, wenn er von den am robusten Trä-
gersystem montieren Alu-Boxen verdeckt wird. Kaum zu glauben, wie so ein Detail mit einem Schlag die teuer bezahlte Schönheitskur zunichte macht. Wie gesagt – der erste Eindruck zählt.

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