Traupel-V2-Eigenbau »Düse V12« (Archivversion) Wiederentdeckt

Was kann das sein? Ein luftgekühlter 60-Grad-V2 mit Vierventil-dohc-Köpfen, unzweifelhaft ein Einzelstück. Nun, das Motorrad, das da am Rande des Hamburger Stadtparkrennens im September 2007 parkte, ist schlicht eine Wiederbegegnung: erstmals beschrieben in MOTORRAD 12/1997. Besitzer und Erbauer Rainer Traupel kommt aus der Alt-Engländer-Szene, wollte britischen Charme endlich zuverlässig genießen.

Und hat dann seine laut Fahrzeugschein »BSA mit Eigenbaumotor« selber konstruiert. »Den V-Motor habe ich nur deshalb gebaut«, erklärt Traupel, »weil seine Kurbelwelle mit bloß einem Hubzapfen am einfachsten zu konstruieren war.« Diese ist verschraubt, was Modifikationen erleichtert. Traupel nennt sein Konstrukt »Düse V12«, weil Engländer-Fans V2-Motoren nicht sehr mögen und als Anspielung auf den Hubraum von exakt 1,2 Litern.

Die weiteren Tüfteleien: Trockensumpfschmierung, Zylinder mit 92er-Bohrung bei 90 Millimeter Hub, Kurbelgehäuse und dreieckiger Steuerdeckel selber gegossen, Nockenwellenantrieb per Zwischenwellen und Zahnriemen. Jawa-Bahnmotoren stifteten die Zylinderköpfe, Alfa-Romeo-Automobile die natriumgekühlten Auslassventile. Ganz in englischem Stil ist das Getriebe einer GPZ 1100 im separaten, selbst gebauten Gehäuse untergebracht. Kickstarter, Schaltgestänge und Antriebskette liegen rechts.

Der Klang ist eigen, Noten von Harley, Ducati und Guzzi schimmern durch. Der Leerlauf hält sich trotz Flachschieberver-gasern stabil. Erstaunlich: die Vibrationsarmut und das hohe Anfahr-Drehmoment des bulligen V-Zwos. 93 PS am Hinterrad seien es 1997 auf Anhieb gewesen. Heute, 80000 Alltagskilometer und reichlich Prüfstandsarbeit später, stemme der Zwei-zylinder rund 110 PS und 120 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Respekt. Derzeit arbeitet der Tüftler an einer neuen Kleinserie, mit Einspritzung, Alu-Rahmen und rund 200 Kilogramm Gewicht. Tsr

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel