Triumph Daytona T595 (Archivversion)

Baujahr 1997, aktueller Kilometerstand: 62713, gefahren: 8750 Kilometer

Ein zehn Jahre altes Sporteisen? Du spinnst ja.“ Pragmatische Stimmen innerhalb der Redaktion gab es viele. Aber was zählt schon Pragmatismus, wenn es um die Anschaffung eines Motorrads geht? Der Kauf der T595 war in erster Linie eine Bauchentscheidung. Natürlich wurden vorab harte Fakten abgeklopft: Hatte die Daytona regelmäßig eine Werkstatt gesehen, wie ist es um Optik und Technik des Brit-Bikes bestellt? Schließlich war sie im Frühjahr eines der günstigsten Angebote auf den deutschen Internet-Verkaufsbörsen. Bei den Verkaufsverhandlun-gen trat so manches skurrile Detail zutage. Beispielsweise die Frage nach dem Vorbesitzer: „Ein Bestatter.“ – „Aha!“ – „Papiere hatte der übrigens keine.“„So, so.“ Das Rätsel war schnell gelöst. Nach dem (natürlichen) Tod des letzten „richtigen“ Besitzers wurde die Triumph für die Beerdigungskosten quasi in Zahlung genommen. So gesehen gab die T595 ihrem Fahrer das letzte Geleit. Ist das nicht schräg? So ein Motorrad muss man doch kaufen!

Dann stand sie im Redaktions-Sprinter und rollte vom Münster- ins Schwabenländle. Hinter Koblenz wurde die beste Sozia von allen angerufen: „Stell zwei Bier kalt, das müssen wir feiern!“ Spät nachts saßen wir zusammen im Laderaum neben diesem im fahlen Laternenlicht funkelnden Goldstück und schmiedeten Pläne: „Zu den Tridays nach Österreich fahren wir auf jeden Fall!“ Vielleicht lag es an der späten Stunde, dass Triumph-Pressemann Bonsels am Telefon nur mürrisch konterte: „Meinst du, dass ihr mit der ankommt?“

Für mich keine Frage. Genauso wie die Zukunft der Daytona: „Die bleibt ab jetzt in der Familie!“ Und nicht nur in der Redaktion war die Triumph zunächst der Joker im Gebrauchtquartett. Nach der Vorstellung in MOTORRAD 10/2008 folgte neben einer Flut positiver Mails ein großes Paket, das MOTORRAD-Leser Reiner Rode aus Morsum bei Bremen geschnürt hatte: „Auf dem Dachboden lag noch der Shark-Endtopf unserer alten T595. Mit Titanmantel, klingt ordentlich. Als alter Abonnent möchte ich Euch nach all den Jahren etwas zurückgeben!“ Danke Reiner!

Was sollte nach diesem glänzenden Spielauftakt noch passieren? Die schnellen und harten Konter im schnöden Alltagsgeschäft. Jeder, der mit der T595 unterwegs war, stieg zum Schluss desillusioniert ab: „Was für ein harter, unsensibler Bock!“ Das Fahrwerk war eines der großen Probleme der T595. Sportlichen Gesichtspunkten genügte es schon lange nicht mehr. Zumal als echt harte Konkurrenz die Daytona 675 parallel im MOTORRAD-Dauertest bewegt wurde und sehr deutlich zeigte, was die Engländer in Sachen Supersport mittlerweile auf der Pfanne haben.

Dazu kam die hohe Defektrate. Mit der Zeit hat jeder, der einen längeren Trip plante und zu einem festen Zeitpunkt irgendwo ankommen wollte, die Triumph gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Mal waren es unerklärliche Elektro-Aussetzer oder rausfliegende Sicherungen, mal Probleme an der Bremsanlage und zu guter Letzt ein Plattfuß. Murphy hatte es voll und ganz auf unsere britische Freundin abgesehen.

Zum Saisonende habe ich das Ganze dann pragmatisch betrachtet: Als Sportmotorrad ist die T595 nach zehn Jahren am Ende. In zehn Jahren würde ich ihr aber nochmals eine Chance geben. Wenn es um einen vergnüglichen Sonntagnachmittag geht.

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