Triumph-Neuheiten 2016 Bobber, Bonneville, Speed Triple

Neuer Triumph Bobber mit dem neuen Zweizylinder erwischt; radikale Einzelsitz-Lösung; neuer, wassergekühlter Motor kommt in zwei Hubraumvarianten; Basis-Bonneville mit kleinem Motor unterwegs; Speed Triple gründlich überarbeitet.

Falls sie es vergessen hatten: Triumph – das ist die Motorradmarke mit der ruhmreichen Vergangenheit, die der britische Immobilien-Mann John Bloor gegen Ende der 80er Jahre des letzten Jahrtausends mit viel Mut wieder auferstehen ließ und die sich in der Folge mit enormer Dynamik und überzeugenden Produkten in den Weltmarkt zurückkämpfte. Doch dann – irgendwann im Zuge der Wirtschaftskrise – ging irgendwie die Puste aus. Die Folge: Man hegte und pflegte auf der Insel den Modellbestand, ließ sich – wenn überhaupt – von BMW als Ideengeber inspirieren. Mit Folgen: Die Marke verlor darüber nicht nur Renommee und Marktanteile (2014 war Triumph mit einem Minus von 1,6 Prozent einer der wenigen Verlierer in der deutschen Zulassungsstatistik), sondern auch ein wenig an Identität.

Doch jetzt, so scheint es, geht es wieder voran. Das liegt vor allem daran, dass die Briten nun endlich ihren neuen, wassergekühlten Paralleltwin präsentieren, und zwar gleich in zwei Hubraumgrößen. Als 1200er und als 900er (exakter mit 865 Kubikzentimetern, genau wie das aktuelle luftgekühlte Aggregat) wird der fein verrippte Twin kommen. Dessen mächtiger Kühler zwischen den beiden Krümmern ist aber gerade bei der hubraumgrößeren und leis­tungsstärkeren Variante sehr präsent. Wie die Bilder vom Triumph Bobber mit dem kleinen Motor und der Triumph Thruxton R mit dem großen Aggregat zeigen, variiert die Kühlergröße beider Modelle deutlich. Zu übersehen aber ist er in keinem Fall.

Ganz im Gegensatz zum Sammler vorne unter dem Motor, der die beiden Krümmer oberhalb der Rahmenunterzüge verbindet. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen cleanes Auspuffdesign, was natürlich besonders dem reduzierten Bobber zugutekommt, aber auch der Basis- und der Thruxton-Ver­sion gut steht.

Anzeige

Neuer Motor mit mehr Drehmoment

Weitere Details zum Motor? Der Triumph Bobber wird also auf die kleine Variante setzen, allerdings – wie jetzt schon die Speedmaster und America – wohl mit einem Hubzapfenversatz von 270 statt der üblichen 360 Grad, wie er in der Triumph Bonneville zum Einsatz kommt. Gerüchteweise ist zudem zu hören, dass der neue Motor entgegen landläufiger Annahmen keineswegs mehr Leistung haben wird als der alte 865er, aber einen kernigeren Charakter mit viel mehr Drehmoment im Drehzahlkeller.

Man wird also wohl von knapp 70 PS ausgehen können. Eine Harley-Davidson Sports­ter Forty-Eight hat 67 PS. Und liegt auch von den Proportionen verdächtig nahe beim neuen Triumph Bobber. Vermutlich wird auch das maximale Drehmoment in der Nähe der Forty-Eight landen. Um die 100 Newtonmeter – das wäre gegenüber den luftgekühlten Motoren ein Sprung von rund 30 Newtonmetern und sollte für charaktervolles Cruisen durchaus ausreichen, zumal der Einzelsitz des Bobbers Ausfahrten zu zweit effektiv verhindert. Ein weiteres „Alleinstellungsmerkmal“, aber wohlgemerkt nur innerhalb der neuen Baureihe, ist seine Starrrahmenoptik mit unter dem Sitz liegendem Federbein und die von den Len­ker­enden aus nach unten ragenden Spiegel. Dass angesichts dieser Features, aber auch mit Blick auf die grundsätzlichen Proportionen, altgediente Harley-Fahrensmänner laut „Plagiat“ rufen – sei’s drum. In sich ist der Bobber stimmig und charakterstark. 

Anzeige
Foto: bmh-Images

Neuer Café Racer Triumph Street Tracker

Eine Eigenschaft, die er durchaus mit ­einer Variante am anderen Ende des fahr­dynamischen Zweizylinder-Spektrums teilt, denn auch die neue Café Racer – vermutlich mit dem Namen „Street Tracker“ – kommt stimmig und ausgewogen daher. Aber eben doch viel sportlicher. Dass in ihr wie in der Basis-Thruxton der große 1200er werkelt, ist nur logisch, während man sich über die Leistung durchaus Gedanken machen kann. Nimmt man die BMW R nineT zum Vorbild – und das wird man in Hinckley angesichts deren Verkaufserfolges gerne tun –, sollte der neue Motor deutlich jenseits der 100 PS mobilisieren, während auf der anderen Seite auch die Führerschein-A2-Tauglichkeit eine Rolle spielen dürfte. Vermutlich die entscheidendere, sodass 95 PS und ein satter Drehmomentverlauf wahrscheinlich sind. Sicher ist hier hingegen: Mit Öhlins-Gabel und -Federbeinen, breiteren Reifen und Brembo-Bremsanlage wird die Triumph Street Tracker etwas für ambitioniertere Fahrer, während die Thruxton mit Standardmaterial daherkommt.

Abgespeckte Basis-Bonneville

Noch abgespeckter, nämlich mit Guss- statt Speichenrädern, Einscheiben-Bremsanlage und völlig ohne schmückenden Tand, lief jüngst die Basis der Zweizylinder-Baureihe, die Basis-Bonneville, vor das Objektiv, und zwar völlig ungetarnt. Okay, der Windschild wird sich im hauseigenen Zu­behörkatalog ebenso finden wie das Topcase, und der Tankrucksack enthält den Datenlogger. Aber sonst wird dieses Motorrad so kommen wie gezeigt.

Das heißt: Im Gegensatz zur ebenfalls schon gesichteten und etwas oppulenter ausgestatteten T 100-Retro-Variante wird die Basis-Bonneville vor allem eines: ein preiswertes Alltagsmotorrad mit kleinem Motor, aber zahlreichen Individualisierungsoptionen. Sie soll in erster Linie Umsatz über Stückzahlen machen, ein ganz normales Naked Bike sein. Und nichts sonst.

Neue Triumph Speed Triple für 2016

Die Speed Triple will da traditionell mehr, und das steht der Mutter aller Street Fighter auch an. Doch wer nun auf eine komplett neue Speed Triple gehofft hatte, sieht sich enttäuscht, denn dafür fehlt in Hinck­ley derzeit der passende Motor. So muss es der alte Drilling weiter tun. Überarbeitet zwar und mit Ride-by-Wire auf den neuesten Stand gebracht, dazu vermutlich etwas stärker (knapp 140 statt der bisherigen 133 PS). Aber eben ein Motor, der in Sachen Leistung und Gewicht der jüngsten Generation abgeleiteter Superbike-Triebwerke nichts entgegenzusetzen hat.

Aber Hand aufs Herz: Der 1050er-Drilling mit seinen tadellosen Manieren, optisch durch neue Kupplungs- und Lichtmaschinendeckel aufgehübscht und ergänzt um moderne Assistenzsysteme – das ist auf der Landstraße immer noch eine Nummer. Auch weiterhin wird es zwei Versionen geben, wobei die Standard-Triple auf Showa-Federelemente zurückgreift, während die „R“ wie gehabt auf Öhlins unterwegs ist. Im Gegensatz zu früher erhält bei der neuen Speed Triple wohl auch die Basisvariante feinste Brembo-Stopper. Ebenso wie beide über die neuen, charakteristischen Doppelscheinwerfer verfügen.

Und wann kommt das alles? Die Speed Triple 2016, bei der Bonneville-Modellreihe könnte es vielleicht auch 2017 werden.

Motorrad-Neuheiten 2016

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote