Zweiradschätze der Redaktion Die Triumph Speed Triple T 300 vom Grafiker

1994 wurde der erste Triumph Speed Triple-Cup mit den 900er-Dreizylindern vom Typ T 300 gefahren und alle Startnummern begannen mit einer drei. Die Speed Triple von MOTORRAD-Grafiker Stefan Weber ging dazumal mit der Nummer 310 an den Start und trägt diese bis heute.

Foto: Weinmann

Sie hatte ein hartes Einfahrprogramm, die Startnummer 310: das erste Cup-Rennen auf der Grand Prix-Strecke des Nürburgrings. Fast hätte sie es nicht überlebt. Gefahren vom damaligen PS-Testchef und nachmaligen MOTORRAD-Chefredakteur Michael Pfeiffer, lag sie nach der ersten halben Runde in Führung, als der Hinterreifen beim Herausbeschleunigen aus dem seinerzeit Yokohama-Kurve genannten Linksknick quiekend wie ein panisches Ferkel die Seitenführung aufgab. „Die Triple stand am Lenkanschlag quer; ich wartete eigentlich nur noch auf den Abflug. Aber sie hat sich dann wieder geradegezogen“, schildert Heldenpilot Pfeiffer den Vorfall, nach welchem er das Rennen in aller Besonnenheit auf Platz fünf beendete.

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Wenn der Grafiker träumt...

Wahrscheinlich ahnte die Speed Triple schon, dass sie sich bewahren musste für den jungen Grafiker Stefan Weber, der ab und zu über dem Leuchttisch in der MOTORRAD-Grafik von ihr träumte. Auf den ersten Pressebildern der neuen Speed Triple - die Älteren erinnern sich an flaue Dia-Duplikate - hatte die Lackierung nämlich mattschwarz gewirkt, was Stefan regelrecht elektrisierte. Und als sich der Lack dann in echt als glänzend herausstellte, war er bereits so entflammt, dass er der Triple diesen Schönheitsfehler verzieh. Zumal er sie nach einigen weiteren strapaziösen Renneinsätzen auch unter dem schnellen MOTORRAD-Tester Gerhard Lindner (siehe Foto) für deutlich weniger als den Listenpreis erwerben konnte.

Nicht, dass es für die Speed Triple bei ihrem neuen Besitzer gemütlicher geworden wäre. „Fürs Alltägliche konnte ich Testmotorräder fahren, so habe ich sie halt zu Renntrainings mitgenommen“, umreißt er das Programm der nächsten Jahre. Dieses hochdeutsch wiedergegebene Zitat sollte man sich übrigens so schwäbisch vorstellen, wie es einem nur irgend möglich ist. Das ist deshalb als Einstimmung notwendig, weil Stefans selbst gefundene Bezeichnung für seine Triple nicht mehr ins Hochdeutsche übersetzbar ist: Ihre 251 Kilogramm Ursprungsgewicht, minus rund 20 Kilogramm, die sie einer leichteren Auspuffanlage verdankt, kommentiert er mit den Worten: „Sie isch halt a Bolla.“. Wie soll man das anders ausdrücken?
Bollen? Kann sich unter diesem verhochdeutschten Begriff irgendwer etwas vorstellen? Wohl kaum. Brocken? Das klingt nach etwas Bruchstückhaftem, die Triple war aber stets komplett. Klumpen? Das Wort insinuiert Formlosigkeit, doch sie ist wohlgeformt. Außerdem fehlt dem Klumpen die solide Schwere eines echten schwäbischen „Bolla“ (mit kurz gesprochenem a). Also bleibts dabei. Wie auch immer: Stefan und sein „Bolla“ absolvierten viele Rennstreckenkilometer auf dem alten und neuen Hockenheimring sowie mindestens fünf mehrtägige Trainings auf der Nürburgring-Nordschleife.

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Foto: Hartmann

Mit den Jahren rannte der „Bolla“ zwar weiterhin in alter Frische, doch bei den Renntrainings tauchten immer mehr superschnelle, superleichte Supersportler auf und Stefan bekam ungewohnte Probleme. „Wenn auf den Geraden wirklich alle an dir vorbeiziehen, du in den kurvigen Passagen aber doch wieder einige zurücküberholen kannst, findest du keinen Rhythmus und keine Harmonie mehr. Du fährst nur noch aggressiv und dann wirds gefährlich“, erkannte er und gab das Rennstreckenfahren mit dem „Bolla“ auf.

Hinzu kam, dass er nicht nur Motorräder sammelt - neben der Speed Triple hütet er noch eine Honda XL 250 Motorsport, eine auf 350 cm³ umgebaute Yamaha RD 250, eine Yamaha DS 7, eine zerlegte Harley Super Glide und die Honda Hawk seiner Frau -, sondern auch historisches Baumaterial. Fenster, Mauerziegel oder gusseiserne Säulen. Die verarbeitete er zusammen mit seiner Familie nach und nach in diversen Neu-, An- und Umbauten, was ihn nicht nur seine Werkstatt kostete, die heute eine Küche ist, sondern die Speed Triple allmählich ins Abseits geraten ließ.

Trotz ihres sichtlich gepflegten Zustands kam sie sich wohl etwas vernachlässigt vor. Sie rächte sich, wie es Motorräder im Verlauf längerer Standzeiten häufig tun; irgendwo in den Vergasern versammelte sie einige Partikel, die eine Düse verstopften. Seither spuckt und hustet sie, wenn sie angelassen wird, und fordert auf diese Weise etwas mehr Zuwendung ein, vor allem aber eine gründliche Reinigung ihrer drei Mikuni-Vergaser. Man soll den Leuten ja nicht ungefragt Ratschläge erteilen, aber an dieser Stelle ist es einfach nötig: Machs im nächsten Frühjahr, Stefan, zu ihrem 20. Geburtstag. Und dann fahre fleißig mit ihr.

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