Triumph Sprint ST (Archivversion) Spitzenklasse

Bei Sporttourern zählt Triumphs ST zu den Besten. Als Gebrauchte spielen Gesamteindruck und Laufleistung eine entscheidende Rolle.

Die Angebote für die Triumph Sprint ST auf dem Gebrauchtmarkt sind zurzeit noch überraschend reichhaltig. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass entweder wie beim Neumaschinenkauf der Start ins Frühjahr wegen des relativ kalten Winters zögerlicher anläuft als die Jahre vorher. Oder dass der Sporttourer Sprint ST der englischen Marke Triumph den Zenit seiner Popularität als Testsieger diverser Vergleichstests der letzten Jahre bereits überschritten hat.MOTORRAD hat diesmal Secondhand-Angebote bei Händlern unter die Lupe genommen. Der Vorteil gegenüber dem Kauf von Privat: Der Händler steht für auftretende Schäden ein Jahr in der Gewährleistungspflicht. Das heißt, ein Motor- oder anderer Schaden, der ohne Verschulden des Käufers in diesem Zeitraum auftritt, ist vom Händler zu beheben. Wobei die Beweispflicht, dass der Schaden nicht aufgrund eines werkseitigen Mangels aufgetreten ist, im ersten halben Jahr beim Händler liegt. Speziell bei teureren Modellen sieht sich der Käufer mit diesem neuen juristischen Sachverhalt auf der sicheren Seite und nimmt deshalb den eventuell etwas höheren Anschaffungspreis gegenüber einem Erwerb von Privat wegen des geringeren Risikos in Kauf.Bei der Recherche im Internet werden Gebrauchte bis einschließlich Jahrgang 2001 je nach Alter und Kilometerangabe zwischen rund 6500 und gut 8500 Euro gehandelt. Der Listenpreis für eine Neumaschine liegt heute bei rund 12200 Euro. Bei Motorcity, einem Gebrauchthändler in Albershausen bei Göppingen, werden wir fündig. Inhaber Manuel Wahl offeriert eine Sprint ST mit 7800 Kilometern, Baujahr 3/2001 aus erster Hand. Extras: Heizgriffe und ein Shark-Titan-Highup-Schalldämpfer.Im Verkaufsraum stehen zirka 140 Maschinen, vornehmlich Yamaha- und Triumph-Modelle. Die blaue Sprint-Kandidatin wirkt trotz ihrer zwei Jahre fast nagelneu aus, auch die serienmäßigen Bridgestone BT 57 scheinen gerade erst eingefahren. Ein prüfender Blick auf die Unterseite der Verkleidung und ein kurzer Fingerspitzenkontakt an Fußrasten, Lenkerenden sowie der Hebelei offenbaren keinerlei Spuren von unfreiwilligem Bodenkontakt. Ebenso sind die kratzempfindlichen Flanken des Kunststofftanks noch makellos, Gabelgleitrohre, Krümmer und der Titan-Schalldämpfer ohne Macken. Unwillkürlich stellt sich die Frage nach den Schräglagengewohnheiten des Erstbesitzers. Immerhin offeriert der fauchende englische Drilling bereits in der 98-PS-Version trotz exquisiter Toureneigenschaften auch jede Menge dynamische, in diesem Fall offensichtlich ungenutzte sportliche Qualitäten. Doch umso besser für den Gesamteindruck.Weniger gut gefallen dagegen die einiges an Handkraft erforderliche mechanische Kupplungsbetätigung (siehe Expertentipp Seite XX), der fehlende Griff zum mühelosen Aufbocken der Maschine auf den Hauptständer und die nicht installierte, seit 1998 auch in Deutschland per EU-Regelung erlaubte Parallelschaltung beider Scheinwerfer. Damit kann das etwas mickrige Abblendlicht über beide Scheinwerfer verbessert werden. Allerdings muss im Rahmen der Legalität dann auch die linke Streuscheibe für das Fernlicht ausgetauscht werden (gibt’s unter anderem von Magic und Hella für 40 beziehungsweise 70 Euro).Die Originalkette von DID weist exakte Spannung und Schmierung auf. Einige ST hatten als Erstausstattung eine Regina-Kette montiert, die häufig nachgespannt werden musste und eine kurze lebensdauer aufwies. Laut Triumph Deutschland finden heute nur noch DID-Modelle ab Werk Verwendung. Apropos Kettenspannen: Das billige Blechpressteil aus dem Bordwerkzeug, um die 17er-Mutter zu lösen und dann mit einem Hakenschlüssel den Exzenter zu justieren, ist nicht ganz die feine englische Art. Für Triumphs Image käme ein solider Ringschlüssel besser, da könnte ein Blick zum bayrischen Konkurrenten nicht schaden.Auch der fehlende Stauraum unter der Sitzbank – selbst die allerdünnste Regenkombi hat keinen Platz – scheint für einen Sporttourer nicht genügend durchdacht. Das gilt auch für die Tatsache, dass für das optionale Gepäcksystem (mit Topcase immerhin mehr als 1480 Euro teuer) der Schalldämpfer tiefergelegt werden muss, was ohne die Koffer zumindest jeden kontinentalen Geschmack beleidigt.Dagegen sieht die ins Visier genommene ST mit dem herrlich die Hinterradnabe in der Einarmschwinge freigebenden, hochgelegten Shark-Schalldämpfer richtig gut aus. Und ist insgesamt ein attraktives Angebot. Das weiß wohl auch der Chef. Bei der Frage, ob an der Preisvorstellung von 8690 Euro noch was nach unten zu drehen sei, hält sich Manuel Wahl bedeckt.

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