Triumph T 509 Speed Triple (T) (Archivversion) Es war eine Herausforderung

Unter Führung von John Bloor baut Triumph seit 1990 moderne Drei- und Vierzylinder

Herr Bloor, vor gut sechs Jahren waren Sie kein ausgewiesener Motorradfan. Hat sich daran im Laufe der Zeit etwas geändert?Ja, sicher. Ich bin heute sehr begeistert. Wenn ich Zeit finde, fahre ich an den Wochenenden mit meiner Thunderbird herum.Können Sie sich denn nicht für die neue Daytona begeistern?Doch, sicher, und zwar richtig. Es ist die Mischung, die sie so gut macht. Der Rahmen, das Design, die Technik vor allem, da haben wir uns - verglichen mit früheren Zeiten - sehr verbessert.Welche Erwartungen haben Sie an die neuen Daytona und Speed Triple?Wir bieten etwas an, von dem wir glauben, daß es sich durch den Dreizylinder und den etwas anderen Rahmen von Mitbewerbern unterscheidet. Es sind vom Stil her sehr europäische Motorräder, genauer: britische. Viele Teile sind eben nicht japanisch oder italienisch, sondern englisch und verleihen den Bikes eine ganz eigene Identität.Wie war die bisherige Resonanz?Sehr gut, wir haben viele Bestellungen, und in einigen Ländern sind die Modelle bereits ausverkauft.Wie geht es weiter mit den neuen Dreizylindern, welche Modelle dürfen wir erwarten?Ich möchte nicht ins Detail gehen. Aber im Prinzip wird eine neue Generation von zum Teil sehr leistungsstarken Dreizylinder-Motoren kommen, die viel leichter sind.Wann kommt ein Twin?Wir planen derzeit nicht, eine Zweizylinder-Maschine zu bauen.In welchen Marktsegmenten fühlt sich Triumph heute schon stark?Bis heute im Enduro-Markt mit der Tiger und bei den sogenannten Retro-Bikes mit unserer Thunderbird.Werden weitere Segmente hinzukommen?Triumph ist mit der Daytona jetzt auch in den Sportmarkt eingestiegen. Ansonsten konzentrieren wir uns auf das, was wir haben, und - für die nächste Zukunft - auf weitere Sportmotorräder.Ab wann tragen alle Triumph einen Kat?Viele unserer Motorräder haben einen ungeregelten Kat. Die neuen Dreizylinder-Modelle noch nicht. Wir planen derzeit auch nicht, dort einen Kat einzubauen. Aber die neuen Triples erfüllen dank ihrer Einspritzung alle gängigen Emissionsgesetze, also auch die Euro 1-Norm und sogar die ausgesprochen strikte kalifornische Norm. Auch auf die zukünftige europäische Gesetzgebung sind wir vorbereitet.Warum hat Triumph die Fertigungstiefe immer weiter ausgebaut?Um die Qualität kritischer Komponenten direkt vor Ort kontrollieren zu können. Die britische Zulieferindustrie hat die 60er und 70er Jahre verpaßt. Das brachte uns in eine Zwangslage, und deshalb fertigen wir eben sicherheitsrelevante oder Präzisionsteile mittlerweile in Hinckley.Wieviel Leute arbeiten bei Triumph, und wie viele Motorräder bauen die derzeit?Alles zusammen 400 Leute, 350 in Produktion und Marketing, 50 in Forschung und Entwicklung. Wir haben im vergangenen Jahr 13700 Motorräder gebaut.Entspricht das dem break even?Gerade.Gibt es eine Wachstumsgrenze, die die Exklusivität der Marke gefährden könnte?Es ist schwierig, Exklusivität und Volumen zu koppeln. Die Attraktivität eines Motorrads basiert doch auf seiner Technik und seinem gesamten Stil, nicht auf den Produktionszahlen. Zumindest mittelfristig ziehen wir es vor, ein bißchen kleiner zu bleiben.Zu Ihrer Position bei Triumph: Reizt Sie das Experiment Motorrad-Bauen immer noch?Ja, ich bin sehr enthusiastisch. Man muß es sein, sonst kann man das nicht tun. Wir haben bei Null angefangen und sehr schnell dazugelernt.Welchen Stellenwert hat Triumph für Sie persönlich in Ihrem Gesamtkonzern?Einen sehr wichtigen. Mit meiner Immobilienfirma verdiene ich zwar mehr Geld. Doch Triumph ist ein sehr junges Unternehmen, und schon jetzt kann ich sagen, daß die Leute dort und die Zusammenarbeit mit ihnen für mich ein großer Gewinn sind. Geld ist nur eine Ware.Welche Aufgaben haben Sie bei Triumph übernommen, wieviel Zeit können Sie sich für Triumph nehmen?Ich habe den Überblick und den Vorsitz. Ich beobachte den Produktionsprozeß sehr genau. Etwa 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich mit Triumph.Läuft Triumph auch ohne John Bloor?Ja, ich glaube, jetzt schon.Was war die härteste Zeit für Triumph und für Sie bei Triumph?Sechs Monate, bevor wir die Produktion starteten, bis 18 Monate danach: den Markt öffnen, schnell reagieren. Wir wollten alles berücksichtigen, die verschiedenen Länder, Kulturen, die Straßen in verschiedenen Ländern. Da gab es viel zu lernen.Würden Sie noch einmal anfangen, Motorräder zu bauen?Wenn ich noch mal im selben Alter wäre wie damals, ja. Aber heute, mit mehr als 50 Jahren auf dem Buckel, nicht.War es eine Herausforderung? Es war eine Herausforderung. Aber nicht nur, um zu zeigen, daß es geht. Es hatte durchaus auch geschäftliche Gründe.

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