Triumph T 595 Daytona (Archivversion) Heißer Stuhl

Triumphs sportlichster Dreizylinder lässt die Fahrer kaum kalt – schon wegen des sich aufheizenden Sitzes nicht. Bei hohen Gebrauchtpreisen heißt es kühl kalkulieren.

Mit der Daytona T 595 hat Triumph ein ganz heißes Eisen auf dem Markt. Seit der Dreizylinder sich 1997 mit elektronischer Einspritzung und modernem Fahrwerkslayout selbstbewusst der japanischen und italienischen Konkurrenz stellte, hat die englische Marke stark an Profil gewonnen. Schon der erste optische Eindruck der kompakten Maschine verdeutlicht, wen die Daytona ansprechen will: etwas runder und weniger sportlich filigran als die Ducati 916, aber im Vergleich zum japansichen vollverkleideten Einerlei durchaus eigenständig europäisch.Mit dem geschmeidig rund laufenden Dreizylinder-Triebwerk und der Einarmschwinge im leichten Alu-Fahrwerk fand die Daytona T595 bei den Käufern endlich die Resonanz, die den behäbiger gestylten früheren Modellen trotz vieler gleichen Komponenten noch versagt geblieben waren. Mit dem Bestand von knapp 2000 Stück hat Triumph gegenüber Ducati den Fuß in der Tür.Überraschend für den Daytona-Neuling ist, wie leicht und spielerisch sich die Maschine bereits auf den ersten Metern bewegen lässt. Das MOTORRAD-Exemplar stellte der Gebrauchtmaschinen-Händler Manuel Wahl von MotorCity in Albershausen bei Göppingen zur Verfügung. Die Maschine, Baujahr 1998, mit 7600 Kilometer aus erster Hand wird für 15990 Mark angeboten. Sie ist mit den Serienpneus Bridgestone BT 56 R bereift, hinten in 190/50er-Dimension . Viele Fahrer montieren für noch leichteres Handling den schmaleren 180er. Eintragung ist Pflicht und kostet zirka 75 Mark. Als Extras sind LSL-Match-Lenkerhälften montiert, deren Kröpfung dem Fahrer stärker entgegenkommt, Preis ohne Montage 650 Mark, sowie ein Shark-High-up-Schalldämpfer für 880 Mark. Der Dreizylinder reagiert außergewöhnlich exakt und direkt schon auf minimale Bewegungen des Gasgriffs und zieht ohne jede Verzögerung ab 2000/min durch. Untermalt von einer heiser fauchenden Klangmelange aus vitalem Ansauggeräusch und sonor hellem Dämpfersound. Der breite Bereich, in dem der Vierventiler genügend Leistung für den Vortrieb aktiviert; macht auf der Landstraße sehr schaltfaules Fahren möglich, sechs Gänge sind eigentlich überflüssig. Gangwechsel fallen leicht, wenngleich die Rastung noch präziser sein könnte. Bis 160 km/h schützt die Verkleidung sehr gut.Toll die vordere Bremse: sehr effektive Verzögerung der rund fünfeinhalb Zentner schweren Maschine. Dafür ist die Wirkung des hinteren Stoppers nur spärlich. Weniger toll: Schon nach wenigen Minuten kriecht die Motorwärme auch bei niedriger Außentemperatur in Beine und Allerwertesten des Fahrers. Die Hitzewallungen sind extrem lästig. Die Wassertemperatur-Anzeige gibt schon nach zwei bis drei Kilometern freie Fahrt, während das Motoröl erst nach 10 bis 15 Kilometern auf die nötige Betriebstemperatur kommt.Bei den ersten Modellen 1997 gab es kleine Unpässlichkeiten. Bis Fahrgestellnummer 050 476 wurden die Dichtungen der Benzinpumpen-Platten unter dem Tank ausgetauscht. An der MOTORRAD-Dauertestmaschine war eine Zylinderkopfdichtung hinüber, der Schwingenschleifschutz zerbröselte. Wegen eines in England aufgetretenen Rahmenbruchs im Lenkkopfbereich rief Triumph alle Daytona und Speed Triple 509 in die Werkstatt und tauschte den kompletten Rahmen aus. Der 1998er Jahrgang erhielt ab Fahrgestellnummer 063803 neue, enger am Rahmen geführte Krümmer, um Bodenkontakt bei zu rasant gefahrenen Rechtskurven zu vermeiden.Triumph reagierte auf Schwachpunkte in der Serie immer schnell – von der Software des Motormanagements existiert mittlerweile die neunte Version, die jeweils nachträglich ins Steuergerät eingespielt werden kann – und hat den japanischen Qualitätsstandard mittlerweile nahezu erreicht. 1999 kam das Nachfolgemodell unter der Bezeichnung 955i auf den Markt. Es besitzt eine neue Auslassnockenwelle für bessere Füllung im mittleren Drehzahlbereich, ein überarbeitetes Drosselklappengehäuse und eine neue Airbox. Fahrwerksseitig erhielt das Showa-Federbein eine höhere Federrate. Die modifizierte Einspritzung hat das bemängelte Konstantfahrruckeln weitestgehend beseitigt und den bisher zu hohen Verbrauch um zirka 1,5 Liter gesenkt.Die T 595 wurde offiziell mit 98 PS ausgeliefert, für die volle Leistung von 128 PS wird lediglich der Drosselklappenanschlag entfernt. Die Solidität der englischen Konstruktion steht außer Frage. Sicher meckern Opfer einer Montagsproduktion mal über eine defekte Tachowelle, einen undichten Simmerring oder andere Peanuts. Doch das Image ist im Gegensatz zu den frühen 90er Jahren viel besser geworden. Was sich leider auch in noch nicht abgekühlten Gebrauchtpreisen widerspiegelt.

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