V-Strom 650 gegen V-Strom 1000 (Archivversion) Das Tor zur Welt – Suzuki V-Strom

Das Aussehen – okay, keine Diskussion, Schwamm drüber. Die gute Kinderstube verbietet ja, dass man... Und doch: Plump
sehen die beiden V-Stroms aus, in die Knie
gezwungen wie gemästete Weihnachtsgänse am dritten Advent. Entschuldigung, es musste einfach raus.
Aber die motorradelnde Welt legt eben nicht nur auf Äußerlichkeiten Wert. Denn die beiden V-Strom verkaufen sich – Schönheit hin oder her – respektabel. 7200 Stück rollen von der 1000er-Version (Präsentationsjahr 2002) und 4300 von der 2004 erschienen 650er-
Ausgabe des »Enduro-Sporttourers« (O-Ton
Suzuki) über die einheimischen Straßen. Genetisch ist sich das Duo mit nahe-
zu identischen Fahrwerken ähnlich. Ihre Herzen wurden aus den sportlichen
Bikes SV 650 und – der
Herr sei ihrer Seele gnä-
dig – glücklosen TL 1000 mit moderaten technischen Modifikationen für den touristisch orientierten Einsatz in den hochbeinigen Fahrwerken zweitverwertet.
Gut getan hat’s beiden. Mit Vorteil für die Kleine. Wie bitte? Ausgerechnet in der nach Hubraum und Drehmoment lechzenden Reise-Fraktion zieht die große Schwester den Kürzeren? Freilich, der große Motor bietet mehr Bums in jeder Lage, drückt zwischen 4000/min und 7500/min kräftig voran, macht mit purer Kraft den vergleichsweise rauen Lauf und eine schwer zu betätigende Kupplung locker wett. Für denjenigen, dem souveräner Druck über allem steht, bitte schön. Nur muss er wissen: Die auf 150 Millimeter gekappten Federwege (V-Strom 1000: 160 Millimeter), die direkt auf der Gabelbrücke und nicht in Gummiblöcken gelagerten Lenkerböcke und vor allem 16 Kilogramm weniger Speck auf den Rippen lassen die 650er im Kurvengewühl deutlich munterer von Kurve zu Kurve schwingen, halten die Kleine spürbar präziser als die große Dicke auf
Linie. Eine Stärke, die übrigens auch den Grundstein für die beiden Gesamtsiege der V-Strom beim MOTORRAD-Alpen-Masters legte.
Natürlich, lebendig wird die 650er erst ab 5000/min, dreht dafür zügig hoch, benimmt sich immer manierlich, vibriert kaum. Profitiert obendrein von der gelungenen, komfortab-
len Fahrwerksabstimmung. Auch wenn beim getesteten 2007er-Modell
die gute Erziehung zwei Seiten besitzt. Zwar bremst die Mini-V-Strom – im Gegensatz zur 1000er – für moderate 200 Euro
Aufschlag künftig serienmäßig mit einem pri-
ma funktionierenden ABS, der Euro-3-Knigge zwingt
den V-Motor trotz neuer Doppelzündung und überarbeiteter Einspritzanlage gegenüber der aktuellen 2006er-Edition jedoch zur übertrieben vornehmen Zurückhaltung. 4,5 statt 3,9 Sekunden von null auf 100 und drei Sekunden Zuschlag für den Zwischenspurt von 60 auf 140 km/h (14,0 statt 11,1 Sekunden) sind der Reserviertheit eindeutig zu viel. So viel, dass die Restbestände der 2006er-
V-Strom 650 wohl der Renner des diesjährigen Sommerschlussverkaufs beim Suzuki-Händler werden dürften.
Zumal die V-Strom-Klientel ohnehin gern auf den neuesten Schrei oder Spektakel verzichtet. Und für 2400 Euro mehr auf der Bank auch mal auf 355 cm3 Hubraum.

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