Vergleich Fallert-BMW R 80 GS Basic gegen BMW R 1100 GS (Archivversion) Schotterwerk

Zwei Boxer fürs Grobe: Die Fallert-BMW R 80 GS Basic mit 65 PS und 1000 Kubik will der Serien-BMW R 1100 GS die Stollen zeigen.

Die BMW-Händlerschaft ist leicht verärgert. Sie hat sich die R 80 GS Basic ganz anders vorgestellt. Um der nörgelnden Off Road-Kundschaft ob der schweren, wuchtigen R 1100 GS etwas Artgerechteres anbieten zu können, stand ein geländetauglicherer Boxer - abgespeckt, leichter und aufs Wesentliche beschränkt, aber nicht minder kräftig, was den Motor betrifft - auf der Wunschliste. Die Forderung der Händler blieb in München ungehört. Was kam, war das alte Zweiventil-Boxer-Herz, gehüllt in Teile aus dem Ersatzteillager der letzten Jahrzehnte. Stattliche 218 Kilogramm schwer, aber gerade mal 50 PS stark.Die Tuner indes freut’s. Einer von ihnen ist Fallert im badischen Achern. Zwar hat er mit Gewichtsoptimierung wenig am Hut, aber was schnelle Boxer angeht, ist der BMW-Spezialist seit vielen Jahren gut im Geschäft. Mit seinem alten Hausmittel, höher verdichtenden Slipper-Kolben und von Mahle präparierten Zylinder mit größerer Bohrung, treibt er den Hubraum auf 994 cm3. So soll der in Bohrung und auch Hub veränderte Motor statt 6500 glatt 7000 Touren drehen und 15 PS mehr, also deren 65 leisten. Bis auf kleinere Korrekturen in der Bedüsung werden die serienmäßigen 32er Bing-Gleichdruckvergaser weiterverwendet. Preis für die Teile: 2200 Mark, Arbeitslohn von 510 Mark exklusive. Für einen Tausender mehr montiert Fallert auch noch eine Doppelzündung. Die soll nebst einer optimalen Verbrennung mit einer korrigierten Zündverstellung - 24 statt 32 Grad Vorzündung - den bekannt rauhen Motorlauf des Boxers zwischen 3000 und 4000 Touren glätten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das hochverdichtete Fallert-Triebwerk läuft über den gesamten Drehzahlbereich deutlich rauher als der Original-Motor. Ein Nachteil des Tunings sei gleich vorweggenommen: Als Kraftpaket kommt der alte Zweiventiler nicht mehr mit Normalbenzin aus, sondern muß mit bleifreiem Super gefüttert werden.Fahrwerksseitig läßt Tuner Fallert fast alles beim alten. Nur der Kritik an der zu schwach ausgelegten einen Scheibenbremse im Vorderrad entgegnet er mit einer Gußscheibe, die er bei Brembo speziell hat anfertigen lassen.Werden die Teile nicht einzeln geordert, sondern das komplette Motorrad aus Achern bezogen, kostet die so aufgepäppelte Basic 19 900 Mark - fast 500 Mark mehr also als eine moderne R 1100 GS.Dennoch lohnt ein Vergleich. Erstens ist die riesige Kluft, die zwischen der 50 PS schwachen R 80 GS Basic und 80 PS starken R 1100 GS herrscht, immerhin um die Hälfte reduziert. Zweitens könnte die zwar nicht leichte, aber doch immerhin um knapp 30 Kilogramm leichtere Basic mit ihren zierlichen Ausmaßen der wuchtigen R 1100 GS abseits asphaltierter Straßen die Stollen zeigen.Doch der Weg ins Grüne führt zunächst über den Leistungsprüfstand. Während sich die Basic mit 64 PS ziemlich exakt an die Vorgabe hält, steht die R 1100 GS mit 88 PS mal wieder viel besser im Futter, als die Bajuwaren angeben. Kein Grund zur Trauer für alte Boxer-Freunde. Denn der alte Zweiventiler schöpft seine Kraft aus der Tiefe des Drehzahlkellers. Und da sieht die Welt ganz rosig aus. Zwischen 2500 und 4500 Umdrehungen verringert sich der Leistungsunterschied zum modernen Vierventiler auf bis zu drei PS. Kein Wunder also, daß die Fallert-Basic beim Beschleunigen im letzten Gang mit ihren geringeren Massen und ihrer kürzeren Gesamtübersetzung der R 1100 GS die antiquierte Rückleuchte zeigt. Bis 120 km/h liegt sie bei den Durchzugswerten vorn. In der Praxis ist dies von großer Bedeutung. Schließlich hat die Basic keinerlei Mühe, auf kurvenreichen Landstraßen an der R 1100 GS dranzubleiben. Und das ohne viel Schaltarbeit. Die bleibt dem Fahrer der schwereren GS überlassen, will er der Basic, wenn überhaupt, davonziehen.Das Mehr an Leistung kann die R 1100 GS erst auf Autobahnetappen ausspielen. Mit knapp 200 km/h ist sie fast 20 km/h schneller als die getunte Basic. Und während dem R 1100 GS-Fahrer die kleine Cockpitverkleidung den gröbsten Wind von den Schultern nimmt, hängt der Basic-Fahrer an dem breiten Enduro-Lenker wie das Fähnlein im Winde. Das kostet Kraft und viel Sprit. Bei Tempo 160 etwa fließen über zehn Liter auf hundert Kilometer durch die beiden Bing-Vergaser. Zweieinhalb Liter mehr als bei der Einspritzanlage des Vierventilers. Aber auch bei verhaltenem Tempo und reinem Landstraßenbetrieb behält der alte Boxer die Nase weit vorn, was seinen Durst betrifft. Und der ist bei aller Liebe zu einfacher Motorentechnik nicht mehr zeitgemäß.Besser arrangiert man sich da schon mit dem Fahrwerk der Basic. Die alte Marzzocchi-Gabel schluckt tapfer noch so schlechte Fahrbahnbeläge weg und müht sich redlich, es dem gut abgestimmten Federbein von White Power gleichzutun, ohne ein allzu teigiges Gefühl zu vermitteln. Je kurvenreicher die Straßen werden, um so besser kommt die Basic in Fahrt. Ihr niedriger Schwerpunkt, ihre kompakten Ausmaße und ihre schmale Bereifung tragen dazu bei, daß die Basic besonders handlich und agil wirkt. Im direkten Vergleich erscheint die R 1100 GS wie ein dicker Dampfer zu einem kleinen Fischkutter. Allerdings hat der Koloß die Ruhe weg. Zielsicher schneidet er eine saubere Linie in den Asphalt, reagiert auf äußere Einflüsse wie Bodenwellen, Querfugen und Schlaglöcher gelassen und neutral. Bei immer forscher werdender Gangart hingegen muß der Basic-Fahrer damit leben, daß das Fahrwerk bisweilen zu rühren beginnt. Dafür kann er sich bei der Fallert-Basic auf seine Stopper verlassen. Ein kräftiger, aber schwer zu dosierender Zug am Handhebel, und die Vorderradbremse zeigt endlich ordentliche Wirkung. Und auch mehrere kurzaufeinanderfolgende Gewaltbremsungen bergab brachten zwar die Bremsbeläge zum rauchen, doch weder ließ die Bremsleistung nach, noch wanderte der Druckpunkt am Handhebel.Doch nun nach Boxer-Lust ins Gelände. Will heißen: grobe Schotterwege, steile Bergauf- und Bergabfahrten, spuren- und wurzelreiche Waldwege, bisweilen auch Wanderpfade als Trialpassagen. Kurzum all das, was sich Reisenden zwischen Tremalzo-Paß und Assietta-Kammstraße in den Weg stellt und mit Enduros dieser Gewichtsklasse durchaus noch meistern läßt.Auf den ersten Blick flößt die R 1100 GS Respekt ein: Das massige Erscheinungsbild, der breite Tank, der unübersichtliche Vorbau, die hohe Sitzposition und nicht zuletzt der hohe Schwerpunkt erfordern Routine für einen sicheren Geländeritt.Wer über ausreichend Off Road-Erfahrung verfügt, wird erstaunlich schnell und ohne große Schwierigkeiten selbst Passagen mit tiefen Furchen und steinige n Stufen meistern, sofern die 247 Kilogramm schwere Fuhre in Bewegung bleibt. Der weich einsetzende Vierventiler hängt bereits ab Leerlaufdrehzahl sauber am Gas. Die Federelemente gehen ordentlich mit, schwingen zwar bei jeder Bodenwelle kräftig nach, schlagen aber nicht durch. Gerät der Dampfer allerdings ins Stocken, geht die Plackerei los. Den mehr straßentauglichen Reifen mangelt es an Grip, das hohe Gewicht will einen schier erdrücken und, wo es nur geht, in die Horizontale befördern. Auch bergab machen einem die vielen Pfunde zu schaffen. Bald fünf Zentner wollen auf losem Geröll unter Kontrolle gehalten werden. Wehe dem, der nicht das nötige Feungefühl beim Dosieren der Hand- und Fußbremse hat.Die Basic wirkt bereits im Stand vertrauenserweckender. Kein störender Vorbau, der die Sicht direkt vors Vorderrad versperrt, und auch die Sitzposition von 850 Millimetern geht durchaus noch in Ordnung, weil die Maschine so kompakt und schmal ist, daß man zum Abstützen noch sicher mit einem Fuß den Boden erreicht.Gas auf, und die Basic schießt davon, daß der lose Schotter nur so wegspritzt. Sanft und schnell gleitet der Boxer über den losen Untergrund, das Vorderrad hält sauber die Spur. Keine akrobatischen Einlagen sind nötig, um die Fallert-BMW sicher auf Kurs zu halten. Mit jedem Gasstoß hebt sich die Gabel sanft aus den Federn. Auf diese Weise läßt sich das Vorderrad fast spielerisch entlasten, über tiefe Querrinnen heben und von einer steinigen Stufenkante auf die andere setzen, ohne daß der Boxer gleich in jedes Loch kracht. Die Basic hat wahrlich keine Mühe, jeden noch so steilen und steinigen Fahrweg zu meistern. Das White Power-Federbein hält das Hinterrad satt am Boden, um die Kraft des Boxers in ordentlichen Vortrieb umzusetzen. Bräuchte man nur noch grobstolligere Reifen. Mit gezieltem Gasstoß und driftendem Hinterrad prescht die Basic ums Eck. Jetzt noch das gestreckte Bein am Boden.... . Nur allzu leicht vergißt man, daß die Basic ein breitbauender Boxer ist.

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