Vergleichstest Mittelklasse-Enduros (Archivversion)

Kleine Stromer

BMW hat es vorgemacht, nun zieht Suzuki nach. Moderner Maschinenbau im gemäßigten Enduro-Gewand – sehen Aprilia Pegaso und Honda Transalp jetzt alt aus?

Was hat er gebettelt, was hat er gebohrt. Lange, aber letztlich nicht vergebens. Enduros wollte er, ein entsprechender Antrieb sei bereits am Lager. Etwas für die Reise und auch für alle Tage. Die pragmatisch veranlagte deutsche Klientel würde förmlich danach lechzen. Und zum Schluss hat er – wie so oft – gewonnen.Bert Poensgen, Verkaufsleiter des deutschen Suzuki-Importeurs in Bensheim, bekam seine V-Strom. Zunächst als 1000er mit dem weiterentwickelten, formidablen TL-Aggregat. Und nun die 650er. Mit einem 90-Grad-V2, der sich praktisch seit Erscheinen der ersten SV-650-Generation einen legendären Ruf erworben hat, dem er heute noch gerecht wird.Da kann nichts mehr schief gehen, so die einhellige Meinung der Pragmatiker-Fraktion. »Doch, durchaus«, hielten Zweirad-Ästheten entgegen, weil ihnen der Schüttelfrost vom ersten Tête-à-tête mit der 1000er noch in den Knochen steckte. Und beide sollten Recht behalten.Die V-Strom 650 hat mit ihrer großen Schwester nicht nur den Familiennamen gemein, sondern ist ihr auch wie aus dem Gesicht geschnitten. Das – so meinen viele – ist die schlechte Nachricht. Doch ist sie in der Summe ihrer Eigenschaften das bessere Motorrad. Das ist die gute. Der kleinen V-Strom gelingt es sogar, den Rest der hier vorgestellten professionellen Herumtreiber in fast allen Disziplinen lässig vorzuführen. Eine Tatsache, die – je nach Perspektive – einzusortieren ist. Ein Segen für alle, die schon lange mit den mittelgroßen, mittelstarken Reiseenduros liebäugeln, aber abgesehen von der BMW F 650 GS seit Jahren vergeblich auf Neuheiten warteten. Druckmittel für Aprilia, BMW und Honda, etwas zu tun.Was hat die V-Strom, was die anderen nicht haben? Sie hat – bis auf das fehlende ABS, bei dem BMW nach wie vor seine Monopolstellung behauptet – von allem mehr. Allerdings: Lässt man das barocke Plastikkleid mal außer Acht, nimmt dieses »Mehr« niemals so opulente Formen an, dass Puristen sich empört abwenden, Alltagsfahrer abgestoßen oder Einsteiger verschreckt würden. Im Gegenteil: Auf Suzukis Reiseenduro können sich die meisten Zeitgenossen wohl fühlen. Und dabei ohne irgendwelche Klimmzüge eine Dynamik genießen, die von den Mitbewerbern nicht geboten wird.Den größten Anteil daran hat – natürlich – der Motor. Ein Blick auf die Leistungs- und Drehmomentkurven der allesamt 650 Kubikzentimeter großen Antriebe offenbart, wovon die Rede ist. Der für sich genommen quicklebendige BMW-Single hält bis knapp jenseits der 5000er-Marke mit dem Suzuki-V2 mit, darüber geht ihm die Puste aus. Der betagte Honda-Twin startet vehement, um dann ebenso rapide nachzulassen und nach dem Einbruch bei 4000 Umdrehungen asthmatisch dem Schaltzeitpunkt entgegenzukeuchen. Der Rotax-Motor der Aprilia zeigt über den gesamten Drehzahlbereich, dass er aus dem vergangenen Jahrtausend stammt und als Vorruheständler nun zwar ab und an um die Häuser zieht, aber ganz genau weiß, wann es ihm zu bunt wird. Nämlich sehr früh.Das gilt für den Vergleich mit der BMW und der Honda, aber erst recht im Wettstreit mit dem Suzuki-V2. Den haben sich die Ingenieure für den V-Strom-Einsatz nämlich erneut vorgenommen. Ein klein wenig Spitzenleistung gekappt – das konnte man sich angesichts der schwachbrüstigen Konkurrenz durchaus leisten – und in der Mitte noch etwas mehr Druck dazugegeben. So hat der Zweizylinder untenrum selbst den flotten BMW-Single locker im Griff, und jenseits der 5000er-Marke gibt es ohnehin kein Halten mehr. Da zieht er spielerisch davon, legt gleichmäßig sowie mit Nachdruck eine um die andere Kohle nach, spielt schlicht in einer höheren Liga. Das Schönste daran ist, dass es sich hier nicht um graue Prüfstandstheorie handelt. Dieser Vorsprung durch Leistung und Lebendigkeit, der sich in nackten Zahlen mit 69 PS bei 9000/min manifestiert, ist jederzeit erfahr- und spürbar. Egal, ob gemütliches Touren oder sportlicher Sonntagsausflug: Es gibt praktisch keine Situation, auf die dieser V2 nicht die passende Antwort hat.Unterm Strich verschafft er sich in Verbindung mit tadellosen Manieren in Sachen Ansprech- und Startverhalten, hinsichtlich Getriebe, Kupplung und Abgasreinigung (G-Kat und SLS) im Kapitel Antrieb einen satten Vorsprung. F 650 GS und Transalp – das Testexemplar verfügte entgegen früheren Erfahrungen über ein nur sehr unwillig zu bedienendes Getriebe – bleiben trotz durchaus gefälligen Gebarens eine Klasse darunter, und der Pegaso-Single verliert mit Schwächen in beinahe allen Bereichen selbst auf das Mittelfeld gehörig Boden.Doch es kommt noch dicker, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der vermeintliche Pummel V-Strom zeigt den etablierten Stromern auch hinsichtlich des Fahrwerks, wo der Bartel den Most holt. Die Neutralität, mit der die Suzuki trotz der breitesten Reifen im Feld Kurven mit beliebigem Radius umrundet und sich dabei von groben Unebenheiten nicht aus der Ruhe bringen lässt, vermag ebenso zu begeistern wie die spielerische Handlichkeit, mit der sie sich von einer Schräglage in die andere werfen lässt. Dazu trägt neben dem breiten Lenker die gelungene Abstimmung der Federelemente ihren Teil bei. Ausreichend straff und dennoch komfortabel, fühlt sich die V-Strom auf Straßen sämtlicher Kategorien zu Hause. Auch die zusätzliche Last eines Beifahrers kann sie nicht beeindrucken. Zumal sich in solchen Fällen das Niveau des Hecks ruck, zuck per Handrad den geänderten Bedürfnissen anpassen lässt. Letzteres gilt ebenso für die BMW, die unter voller Beladung dennoch eher an die Grenzen ihrer Federelemente stößt, im Solobetrieb aber sehr wohl auf hohem Niveau agiert. In puncto Handlichkeit und Lenkpräzision reicht sie nicht an die V-Strom heran.Das schafft selbst die Honda Transalp mit ihrer trennscheibenartigen Bereifung (vorn 90er-, hinten 120er-Breite) nicht ganz. Insbesondere ihre 41er-Gabel mit den traditionellen Faltenbälgen ist es, die dem Fahrer mehr Aufmerksamkeit abverlangt, als eigentlich nötig wäre. Bei kräftigen Bremsmanövern setzt sie der dynamischen Radlastverlagerung zu wenig Progression entgegen, die Front taucht jedes Mal tief ein und dämpft zudem die Ausfederbewegung zu wenig. Dieses ständige Auf und Ab am Kurveneingang macht die Linienwahl nicht einfacher. Einmal in Schräglage auf Kurs gebracht, benimmt sich die Transalp hingegen vorbildlich. Was man von Aprilias Pegaso eigentlich in keiner Fahrsituation behaupten kann, weil sich bei ihr zu einer weichen Gabel ein Federbein gesellt, das den Anforderungen nicht gewachsen ist. Mit aufgeregtem Pumpen quittiert es bereits mittelmäßige Asphaltqualität, und auch die angejahrten Pirelli MT 90 – wie bei der F 650 im Format 100/90 vorn und 130/80 hinten – sorgen kaum dafür, die Fuhre zu beruhigen.Ebenfalls wenig überzeugend ist die Bremsanlage. Die einsame 300-Millimeter-Scheibe mit Doppelkolbenzange im Vorderrad steuert nicht mehr als gerade nötig zum Verzögerungsprozess bei und will dazu mit viel Handkraft überredet werden. Für zwei, drei kräftige Bremsmanöver gelingt das gerade noch, bevor ausgeprägtes Fading einsetzt, und allein die Vorstellung von einer beherzten Passabfahrt mutiert zum Horrorszenario.Dass es mit identisch dimensionierten Bauteilen deutlich besser geht, zeigt die F 650 GS. Obwohl wie die Pegaso nur mit einer 300er-Scheibe im Vorderrad ausgestattet, erreicht sie sowohl bei der Verzögerung als auch Dosierung fast das Niveau der Doppelscheibenanlagen von Honda und Suzuki und bietet außerdem, allerdings nur gegen Aufpreis (510 Euro), ein tadellos funktionierendes Antiblockiersystem. Ein Angebot, zu dem sich weder Honda trotz leichter Modellpflege für den Transalp-Jahrgang 2004 (optional 30 Millimeter tiefere Sitzbank für 82,50 Euro, Warnblinkanlage und verbesserter Korrosionsschutz) noch Suzuki in dieser einsteigerfreundlichen Klasse durchringen konnten. Apropos Sitzhöhe: Man lasse sich von den durchaus stattlichen Ausmaßen der V-Strom nicht täuschen. Durch die ausgeprägte Ausformung des Fahrerplatzes beträgt die Sitzhöhe lediglich 815 Millimeter und damit nur fünf Millimeter mehr als bei den deutlich zierlicher wirkenden Einzylindern (für die GS gibt es auf Wunsch ebenfalls eine 20 Millimeter niedrigere Bank), während bei der Transalp im Serientrimm 835 Millimeter zu erklimmen sind. Einmal im Sattel, überzeugen alle mit einer langstreckentauglichen Ergonomie, die bei den kompakteren Singles jedoch deutlich enduromäßiger und damit vorderradorientierter ausfällt als bei den reiseorientierten Twins.Angesichts dieser Ausrichtung ist es nur logisch, dass Suzuki seiner jüngsten Kreation einen dreifach justierbaren, ausladenden Windschild mit auf den Weg gab, welcher selbst auf schnellen Autobahnetappen effektiv vor den anstürmenden Kräften schützt. Die Logik indes, die hinter dem Verstellmechanismus steckt – nicht weniger als zehn Schrauben müssen gelöst und wieder angezogen werden –, erschließt sich selbst schlauen Köpfen nicht auf Anhieb. Schließlich braucht es je nach Fahrergröße und Sitzhaltung mehrere Versuche, bis der beste Kompromiss aus Windschutz und Turbulenzen gefunden ist. Derartige Spielereien entfallen bei den anderen Kandidatinnen. Immerhin entlasten die Verkleidungen von Transalp und Pegaso den Oberkörper des Fahrers trotz der niedrigeren Scheiben noch effektiv, während der Plastikschild der BMW deutlich zierlicher ausfällt und längere Autobahnetappen ziemlich ungemütlich macht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der rückwärtige Verkehr wegen der vibrierenden Spiegel kaum zu beobachten ist.Genau andersherum verhält es sich, wenn statt breiter Asphaltbänder schmale Schotterwege unter die Räder genommen werden. Hier fühlt man sich auf den zierlichen Einzylindern mit ihren weniger ausladenden Verkleidungen und der aktiveren Sitzposition besser aufgehoben, genießt die größere Bewegungsfreiheit, die sogar im Stehen genommene Passagen erlaubt, und die bessere Übersicht nach vorn. Ausgeprägteren Geländeeinlagen jedoch setzen die Bereifung sowie die nicht eben üppige Bodenfreiheit frühe Grenzen, so dass Geländesportler sich ohnehin in einer anderen Ecke umsehen.So bleibt es denn dabei: Den Namen Enduro tragen alle vier nur zum Schein. Sie sind für den ausgeprägten Landstraßenspaß gemacht und sollen außerdem die eine oder andere Fernreise gut verdauen. Und da kann der neuen Suzuki V-Strom 650 so schnell keine das Wasser reichen. Die hier vorgestellten Konkurrentinnen nicht – und selbst die hubraumstärkere Fraktion dürfte es schwer haben. Weil dieser Motor eigentlich nie den Wunsch nach mehr Leistung aufkommen lässt, sondern vom gemütlichen Touren bis zum engagierten Angasen alles beherrscht. Und das ist – auch angesichts des konkurrenzfähigen Mittelklasse-Preises – trotz der pragmatischen Ausstrahlung mindestens so viel, wie man erwarten darf. Aprilia, BMW und Honda sei angeraten, in sich zu gehen und Ant-worten zu finden. Zumindest Honda hätte mit etwas Engagement eine gehabt, die neben reiner Funktionalität sogar noch die Aura des Abenteuers verströmt. Meint Kollege Rolf Henniges, ein glühender Verehrer der Africa Twin (siehe nächste Seite). Doch die wird für das Modelljahr 2004 eingestellt.
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Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion) - ApriliaPegaso 650 i.e.

MotorWassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, fünf Ventile, radial angeordnet, Tassenstößel, ein Kipphebel, Trockensumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 46 mm, ungeregelter Katalysator, E-Starter.Bohrung x Hub 100 x 83 mmHubraum 652 cm3Nennleistung 36 kW (49 PS) bei 6300/minMax. Drehmoment 54 Nm (5,5 kpm) bei 4500/minSchadstoffwerte (Homologation) CO 1,50 g/km, HC 0,18 g/km, NOx 0,24 g/kmKraftübertragungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkEinschleifenrahmen aus Stahlrohr mit verschraubten Aluprofilen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 45 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Doppelkolbensattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolbensattel.Reifen 100/90-19; 130/80 R 17Bereifung im Test Pirelli MT 90FahrwerksdatenLenkkopfwinkel 61,3 Grad, Nachlauf 115 mm, Radstand 1475 mm, Federweg v/h 170/165 mm.Maße und GewichteSitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 203 kg, Zuladung* 180 kg, Tankinhalt/Reserve 21/4,5 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben1 Anthrazit, Silber-RotLeistungsvariante 25 kW (34 PS)Preis inkl. Nebenkosten 6089 Euro

Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion) - BMW F 650 GS

MotorWassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Tassenstößel, Trockensumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 46 mm, Motormanagement, geregelter Katalysator, E-Starter.Bohrung x Hub 100 x 83 mmHubraum 652 cm3Nennleistung 37 kW (50 PS) bei 6500/minMax. Drehmoment 60 Nm (6,1 kpm) bei 5000/minSchadstoffwerte (Homologation) CO 1,25 g/km, HC 0,12 g/km, NOx 0,07 g/kmKraftübertragungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkBrückenrahmen aus Stahlprofilen, Motor mittragend, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Doppelkolbensattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolbensattel.Reifen 100/90 S 19; 130/80 SR 17Bereifung im Test Michelin T 66FahrwerksdatenLenkkopfwinkel 60,8 Grad, Nachlauf 113 mm, Radstand 1479 mm, Federweg v/h 170/165 mm.Maße und GewichteSitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 201 kg, Zuladung* 179 kg, Tankinhalt/Reserve 17,3/4,5 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben Schwarz, Gelb, Blau- ,SilbermetallicLeistungsvariante 25 kW (34 PS)Preis 7100 EuroPreis Testmotorrad** 7793 EuroNebenkosten 262 Euro

Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion) - Honda Transalp 650

MotorWassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-52-Grad-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, je eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, drei Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Gleichdruckvergaser, Ø 34 mm, Transistor-Doppelzündung, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, E-Starter.Bohrung x Hub 79 x 66 mmHubraum 647 cm3Nennleistung 39 kW (53 PS) bei 7500/minMax. Drehmoment 55 Nm (5,6 kpm) bei 5500/minSchadstoffwerte (Homologation) CO 3,31 g/km, HC 0,80 g/km, NOx 0,12 g/kmKraftübertragungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkEinschleifenrahmen aus Stahlrohr, geteilte Unterzüge, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 256 mm, Doppelkolbensättel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolbensattel.Reifen 90/90 S 21; 120/90 S 17Bereifung im Test Bridgestone Trail Wing TW 47 G/48 GFahrwerksdatenLenkkopfwinkel 62 Grad, Nachlauf 108 mm, Radstand 1505 mm, Federweg v/h 200/172 mm.Maße und GewichteSitzhöhe* 835 mm, Gewicht vollgetankt* 216 kg, Zuladung* 176 kg, Tankinhalt/Reserve 19/3,5 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben Silber, Schwarz, BlauLeistungsvariante 25 kW (34 PS)Preis 7490 EuroNebenkosten 180 Euro

Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion) - Suzuki V-Strom 650

MotorWassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 39 mm, Motormanagement, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, E-Starter.Bohrung x Hub 81 x 62,6 mmHubraum 645 cm3Nennleistung 49 kW (67 PS) bei 8800/minMax. Drehmoment 60 Nm (6,1 kpm) bei 6400/minSchadstoffwerte (Homologation) CO 2,99 g/km, HC 0,56 g/km, NOx 0,11 g/kmKraftübertragungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkBrückenrahmen aus Aluguss, Motor mittragend, geschraubtes Rahmenheck aus Aluprofilen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 43 mm, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Aluprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Ø 310 mm, Doppelkolbensättel, Scheibenbremse hinten, Ø 260 mm, Einkolbensattel.Reifen 110/80 R 19; 150/70 R 17Bereifung im Test Bridgestone Trail Wing TW 101 J, TW 152 FFahrwerksdatenLenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 110 mm, Radstand 1540 mm, Federweg v/h 150/150 mm.Maße und GewichteSitzhöhe* 815 mm, Gewicht vollgetankt* 214 kg, Zuladung* 206 kg, Tankinhalt 22 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben Schwarz, Silber, Blau Preis 7480 EuroNebenkosten 130 Euro

Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion) - Das gibt’s auch noch

Zu wenig Abenteuer, zu wenig Wüstensand oder Gebirgsgeröll? Zumindest von Aprilia und BMW werden Einzylinder-Fans mit Offroad-Varianten der Standardmodelle bedient. So bietet Aprilia seit kurzem die Pegaso als Tuscany-Tibet-Raid-Version an. Neben der schrillen Lackierung wird die »Tibet« mit höherer Scheibe, Alu-Topcase und mehr Bodenfreiheit geliefert, weil Gabel (25 Millimeter) und Federbein (20 Millimeter) länger sind. Der Federweg erhöht sich hingegen nur vorne, und zwar um fünf Millimeter, der Preis um 500 Euro.Eine ähnliche Politik verfolgt BMW mit der »Dakar«. Allerdings besitzt diese mit 210 Millimetern vorne und hinten gegenüber der zivilen GS (170/165 mm) auch längere Federwege. Dazu kommt eine größere Sitzhöhe (900 zu 810 Millimeter) und eine Verkleidungsscheibe. Und ein 21- statt des 19-Zoll-Vorderrads sowie grobstolligere Reifen. Aber eben auch einen um 500 Euro höheren Preis.Eher auf die Belange der Straßenfahrer getrimmt ist Kawasakis KLE 500. Der Exot, bereits seit Achtzehnhundertwindsturm im Programm, hat immer noch diesen Parallel-Twin mit nominell 48 PS (eine 34-PS-Version wird ebenfalls angeboten), der schon im vergangenen Jahrtausend nicht mehr ganz frisch war. Aber mit 5435 Euro hat die KLE auch einen Kampfpreis, der aufhorchen lässt.

1. PlatzSuzuki V-Strom 650 (Archivversion)

Hut ab, das ist ein Einstand nach Maß. Überzeugender hat noch selten ein Motorrad einen Vergleichstest gewonnen. Und das aus gutem Grund, denn die kleine V-Strom ist für fast alle Eventua-litäten gerüstet, die einem unter die Räder kommen können. Toller Motor, tolles Fahrwerk – was will man mehr? Vielleicht ein etwas gefälligeres Aussehen, etwas mehr Abenteuer-Aura. Doch das lässt sich nicht objektiv beurteilen. Daher bleibt es beim verdienten Sieg auf der ganzen Linie.

2. PlatzBMW F 650 GS (Archivversion)

Er schlägt sich wacker, der BMW-Single, kann es in der Summe seiner Eigenschaften sogar mit der zweizylindrigen Honda Transalp aufnehmen. Gegen die neue V-Strom aber ist trotz des temperamentvollen Motors, trotz der Möglichkeit, Heizgriffe und ABS zu ordern, kein Kraut gewachsen. Zudem liegt – solchermaßen ausgestattet – der Preis knapp 500 Euro über der Suzuki. Und das ist in dieser Klasse, in der auch gespartes Geld ein entscheidendes Kaufargument ist, ein Haufen Holz.

3. PlatzHonda Transalp 650 (Archivversion)

Sie verströmt nach wie vor den Charme grundsoliden Motorradbaus, die Transalp. Aber ebenso den der gepflegten Kaffeehausatmosphäre. Das wird besonders im Vergleich mit dem kraftvollen Auftritt der V-Strom deutlich. Wer zuverlässig und ohne großes Engagement von A nach B kommen will, wem landschaftliche Schönheit wichtiger ist als die Idealline, der ist mit der Honda gut bedient. Wer mehr erleben will, sollte zur Suzuki greifen, die praktisch fürs gleiche Geld zu haben ist.

4. PlatzAprilia Pegaso 650 i.e. (Archivversion)

Die Pegaso ist ein altes Motorrad – und so fährt sie sich auch. Lethargischer Motor, labiles Fahrwerk: Es gibt eigentlich keinen Grund, mit der Aprilia zu liebäugeln. Außer dem Preis, der deutlich unter dem der Konkurrentinnen liegt. Und dem Aussehen, denn das ist durchaus gefällig. Wer also vorrangig in der Stadt, beim Einkaufen oder zum Café unterwegs ist, für den gehört die Pegaso in die engere Wahl. Wer Spaß auf der Landstraße sucht, sollte sich ander-weitig orientieren.

Aprilia Pegaso 650 i.e. (VT) (Archivversion)

MOTORRAD-Redakteur Rolf Henniges zum
Verschwinden der Honda Africa Twin.
Eine schrille, bunte Zweizylinder-Enduro setzte 1988 neue Maßstäbe. Mit einem Motor, der unzerstörbar erschien, einer in diesem Segment bis dato unerreichten Fahrstabilität und vielfältigem Einsatzgebiet. Egal, ob Kiesgrube, Kasachstan oder Kneipe, die Africa Twin machte überall eine gute Figur. Zuerst mit 650 cm3 Hubraum, ab 1990 mit 750 cm3. 72091 Exemplare setzte Honda in Europa ab, 20823 davon allein in Deutschland. Im kommenden Jahr wird die Produktion der Twin eingestellt. Warum?Honda rechtfertigt diesen Schritt mit sinkenden Absatzzahlen. Tatsäch-lich sind starke Verkaufseinbrüche zu verzeichnen. Und zwar jeweils zu den Zeitpunkten, an denen BMW seine dickschiffigen GS präsentierte, nämlich 1993 und 1999. Was also ist, wenn es nur eine bestimmte Anzahl von Freaks gibt, die sich für diese Art enduresken Mix interessieren? Die in den Achtzigern mit der XT 600 die Welt eroberten, dann auf die Africa Twin umstiegen und schließlich von BMW mit seinen GS abgeworben wurden? Weil Honda sich im Tiefschlaf wälzte und sich auf den Lorbeeren ausruhte.Kann alles sein. Fakt ist, dass der Ruf der Fans einem verzweifelten Schrei gleicht. Und immer neue Gerüchte nährt. Es werde eine Neue kommen, so heißt es an den Lagerfeuern der Twin-Freunde. Dicker Tank, lange Federwege, 800 cm3, 80 PS, Einspritzung. Ein Wunschtraum, den KTM mit der 950 Adventure längst in die Wirklichkeit umgesetzt, den Honda aber schlicht ignoriert hat. Man habe doch die modellgepflegten Transalp und Varadero, verlautbart es aus Offenbach, die würden alles abdecken. Liebe Honda-Verantwortlichen, tun sie eben nicht. Ihr habt euch von BMW und KTM die Butter vom Fern-reisebrot nehmen lassen. Denn die oben genannten Tugenden, das stets präsente Gefühl, man könne mit dem Untersatz jederzeit nach Kapstadt aufbrechen, hätten mit einem von den Fans schon lang geforderten effizienten Modell-Update gestärkt werden müssen. Die Marktlücke ist unverändert da. KTMs Adventure muss ihre Zuverlässigkeit erst beweisen, die GS ist ein schwerer Brocken, die Transalp zu schlapp, die Varadero ein plastilines Sofa. Die Erfolgsgeschichte der Twin hätte weiter geschrieben werden können. Es ist eine Frechheit, ein Motorrad zehn Jahre nahezu unverändert anzubieten und es dann mit der Rechtfertigung sinkender Absatzzahlen ersatzlos zu streichen.

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