Verkaufsrangliste

Die Best(s)eller

Was macht einen Bestseller zum Bestseller? Möglichst viel Dampf, ein tolles Fahrwerk, ein niedriger Preis? Auch. Doch das letzte Wort hat der Käufer. MOTORRAD sammelte Fakten an der Basis.

Es gibt Bilder, die stimmen einfach. Kleines Beispiel: BMW schwimmt wie das Fettauge auf der Suppe. Und zwar wie ein ziemlich großes. Denn die Münchner gewinnen nicht nur immer mehr Marktanteile, sondern führen mit ihrem Vorzeigemotorrad R 1150 GS auch die Bestsellerliste ( Stand Januar bis Juni 2001) mit deutlichem Vorsprung an. Kein Wunder, schließlich ledert die GS im Vergleichstest ihre keinesfalls schwächelnden Konkurrentinnen ein ums andere Mal ab – und ist demzufolge aus den Schaufenstern der Händler schneller verschwunden, als sie aufgestellt werden kann.
Viele Punkte, viele Käufer also. Ein klarer Fall. Nicht ganz, denn der Blick auf Platz zwei der Verkaufsrenner macht – zumindest in dieser Hinsicht – stutzig. Suzuki GSF 1200 Bandit. Die landet in den Punktewertungen dieser Welt unter »ferner liefen«, fährt aber mit ihrem niedrigen Preis direkt in die Kundenherzen. Dasselbe gilt für ihre kleine 600er-Schwester, die immerhin auf Platz drei der Verkaufscharts liegt, sich aber im unmittelbaren Vergleich in schöner Regelmäßigkeit einigen ihrer Konkurrentinnen geschlagen geben muss. Alles im Lot dann wieder bei Rang vier. BMWs zweiter großer Wurf, die F 650 GS, braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken. Besser noch: Genau genommen hat sie gar keine. Ebenso wie die Suzuki SV 650, deren eigenständiges Konzept und begeisternder V-Zwei in diesen Mittelklasse-Breitengraden ihresgleichen suchen, während der Dauerbrenner CBR 600 F sich seit Jahren härtester Anfechtung erwehren muss und dies seit der jüngsten Überarbeitung nicht nur in der Zulassungsstatistik, sondern auch im technischen Vergleich wieder erfolgreich tut.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Suzukis GSX-R 1000, protzt gar noch mit exorbitanten Werten in Sachen Leistung und Gewicht. Ein Kaufgrund? Für die zahlreichen Fans der Yamaha XJR 1300 sicher nicht. Die scheinen sich weder um Superlative noch um technische Highlights zu scheren und gehen da mit den Käufern der Kawasaki ZR-7 konform, während die zahlreichen ZX-6R-Begeisterten zeigen, dass die 600er-Klasse nach wie vor sehr beliebt ist.
Im Überblick ergeben die Verkaufsrenner der Saison also ein sehr indifferentes Bild. Was macht nun den Bestseller aus? MOTORRAD ging auf Spurensuche und erkundigte sich bei denen, die es wissen müssen: den Fahrerinnen und Fahrern. Lud – nicht repräsentativ, aber stellvertretend – zum Erfahrungsaustausch nach Stuttgart. Und notierte neben den rein motorradspezifischen Kaufargumenten auch solche, die sich beim besten Willen nicht in Daten und Messwerte fassen lassen.
Die persönliche Beziehungen zum Händler zum Beispiel, oft über Jahre gewachsen. Norbert Koch kaufte seine R 1150 GS bei »seinem« Händler, Andy Stahl, Egon Schmidtberger und Horst Raddatz ihre Maschinen ebenso. Weil sie sich dort technisch gut betreut fühlen. Und noch wichtiger: weil der Service dort mitunter über normales Geschäftsgebahren hinausgeht. »Da kann ich noch abends um neun vorbeifahren,« schwärmt der Schwarzwälder Koch von BMW-Händler Schwizler in Dornstetten, während Suzuki-Händler Vater aus Bondorf weiter angereiste Kunden schon mal zum Übernachten zu sich nach Hause einlädt.
Aber nicht nur dem Händler seines Vertrauens, sondern auch der Marke hält man die Treue. Frank Nehler marschierte nach zwölfjähriger Motorradabstinenz direkt zum nächsten Kawasaki-Händler und studierte die dortige Auslage. Ergebnis: Nehler ist stolzer ZR-7-Besitzer, weil »Kawasaki immer meine Marke und die ZR-7 genau das Richtige war«. Andere Hersteller ließ er links liegen. Andy Stahl fährt »seit 23 Jahren ausschließlich Suzuki«, und zwar in zig verschiedene Modelle. Bernardette König (Azubi im dritten Lehrjahr) trieb ihre Verbundenheit zu Honda sogar berufsmäßig in die Werkstatt von Herbert Stauch, Horst Raddatz will im gesegeten Alter von 67 Jahren Suzuki auch in Zukunft treu bleiben, und Norbert Koch sieht seit seiner ersten BMW vor zehn Jahren nur noch weißblau.
Überhaupt, die Sache mit dem Sehen. Oder besser Aussehen. Design ist immer eine zentrale Frage. Sähe die XJR 1300 nicht aus, wie sie aussieht, käme sie für die Gebrüder Huber nie in Frage. Hätte die neue 1200er-Bandit nicht so eine aparte Verkleidung bekommen, besäße Andy Stahl immer noch sein 96er-Modell. Und bei Sandra Keck bedeutete das erste Zusammentreffen mit der BMW F 650 GS gar Liebe auf den ersten Blick.
Doch bei allem Überschwang der Gefühle bleiben sachliche Erwägungen keineswegs außen vor. Paradebeispiel dafür: Nick Glaser und seine SV 650 S. Preis und Leistung waren seine Kriterien, die wuselige Suzuki die Antwort. Weil deren V2 selbst auf die Herausforderungen der Fireblade seines Vaters immer eine Antwort hat, ohne nach drei Jahren Umschulung den Geldbeutel zu stark zu strapazieren. Andy Stahl genießt seine Bandit, weil sie seiner Sozia ganz bequem die Vorteile gemeinsamer Zweiradwochenenden nahe bringt, ohne ihm die dafür unabdingbare Dynamik vorzuenthalten. Und Sandra Keck mutet ihrer großen Liebe mittlerweile auch mal steinigere Schotterpassagen zu, ohne den Spaß auf asphaltiertem Geläuf zu verlieren.
Viele gute Gründe also für jedes der zehn meistverkauften Motorräder in Deutschland. Aber kein Geheimrezept. Weil Ansprüche und persönliche Vorlieben zu unterschiedlich sind. Daraus jedoch lässt sich durchaus ein Wegweiser zum Bestseller ableiten, der sich beim Überblick über die Top-Ten bestätigt: Motorräder, die möglichst viele Ansprüche befriedigen, haben gute Chancen. Denn auch wenn CBR 600 F oder Kawasaki ZX-6R gemeinhin unter den Supersportlern firmieren, sind sie eindeutig gemäßigte Vertreterinnen ihrer Gattung, die auch abseits abgesperrter Pisten eine gute Figur machen. Und dass Suzuki Bandit 1200, Kawasaki ZR-7 und Yamaha XJR 1300 alle zur Kategorie der Naked Bikes zählen, ist ebenfalls kein Zufall, weil gerade dieser Motorradgattung eine Vielzahl von Talenten zugestanden wird. Gleiches gilt für die »Enduros« von BMW, die mit gestandenen Erdferkeln nichts mehr zu tun haben, auf der Straße jedoch bei den unterschiedlichsten Einsatzzwecken überzeugen. Bleibt einzig die GSX-R 1000 als echte Spezialistin, die den Traum vom »own the racetrack« eins zu eins auf die Landstraße befördert. Aber eben, ohne die Kapriziösität der echten Renner gleich mitzuliefern. Und das ist – offensichtlich – auch eine Form von Vielseitigkeit, die den Besteller auf den Bestseller bringt.



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4. Platz: BMW F 650 GS - »Genau darauf habe ich gewartet“

»Gesehen, bestellt, bezahlt. Probefahrt überflüssig«, beschreibt die 30-jährige Bankkauffrau Sandra Keck ihre erste Begegnung mit der F 650 GS. Weil sie schon immer eine Enduro wollte, der Markt aber nichts Passendes zu bieten hatte. Und nun bietet die kleine BMW alles. Zumindest Sandra, denn deren Erwartungen wurden auf bisher 7700 Kilometern voll und ganz erfüllt. »Die F 650 ist handlich, durchzugsstark und hat eine niedrige Sitzposition. Damit traue ich mich sogar mal auf eine Schotterweg.« Regenfahrten hingegen müssen nicht sein. »Der Wetterschutz ist eine Katastrophe. Wegen des hohen Kotflügels spritzt das Wasser von unten bis unter den Helm.« Das will Sandra noch umrüsten. Und dann ist die F 650 »ganz und gar mein Traummotorrad.“

3. Platz: Suzuki GSF 600/S Bandit - »Ich wollte jetzt was Handliches“

Suzukis kleine Bandit gilt als Paradebeispiel der Kategorie »viel Motorrad für wenig Geld«. Für Horst Raddatz war der Preis jedoch nebensächlich. Nach rund 50 Jahren auf dem Motorrad (»Ich habe schon alles gefahren«) wollte er nach verschiedenen Big Bikes ein handliches Motorrad. Und er wollte es bei »seinem« Händler kaufen. Zur Debatte standen folglich SV 650 – »aber dafür bin ich zu groß« – und Bandit. Die taugt ihm nun nach bisher 2200 gefahren Kilometer zum gemeinsamen Urlaub mit seinem Sohn (SV 650) ebenso wie zu den wöchentlichen Clubausfahrten der »Mofafreunde Nagold«. »Ich bin vollauf begeistert«, lobt der Rentner mit dem künstlichen Hüftgelenk vor allem die Sitzposition seines neuen Gefährts. »Und an das viele Schalten gewöhnt man sich.« Ernsthafte Kritikpunkte: keine. Und fügt hinzu: »Das könnte durchaus mein letztes Motorrad sein. Aber wenn ich noch einmal zuschlage, dann wird es die große Bandit, denn der Marke will ich treu bleiben.« Auch 67 Jahre schützen nicht vor Drehmoment.

2. Platz: Suzuki GSF 1200/S Bandit - »Auf die Dauer hilft nur Power“

Für jede Gelegenheit das passende Motorrad – in Andy Stahls Garage stehen drei Suzuki zur Wahl. Wenn er zur 1200er-Bandit greift, geht’s mit Sack und Pack und Sozia auf Pässetour. Die Partnerin fühlt sich auf der großen Suzuki nämlich richtig wohl. Der Polizist hingegen hätte das Fahrwerk – auch wenn es zu zweit richtig Spaß macht – schon gern etwas straffer. »Und etwas mehr Bodenfreiheit wäre ebenfalls nicht schlecht, aber sonst bin ich sehr zufrieden. Der Motor geht super, und handlich ist die Bandit auch.« Trotzdem kam Andy um einige Modifikationen nicht herum. »Die MRA-Spoilerscheibe verbessert den Windschutz, der Five-Stars-Träger den Gepäcktransport. Die polierten Felgen und lackierten Spiegel tun der Optik gut. Und die originalen Macadam von Bridgestone habe ich gleich gegen BT 010 getauscht. Damit fährt die Bandit super und hat top Grip.« Dass sie weder die Schnellste noch die Sportlichste ist, kann Andy auf seinen jährlichen 12000 Kilometern verschmerzen. Soll es auf der Autobahn richtig fliegen, nimmt er einfach seine Hayabusa. Und wenn er es auf der Landstraße richtig brennen lassen will, seine GSX-R 1000.

5. Platz: Suzuki SV 650/S - »Der Motor ist ein Hammer“

Ein V2 musste es sein, daran gab es für Nick Glaser nichts zu rütteln. »Und dann ging es um Preis und Leistung.« Ergebnis: SV 650 S. »Der Motor ist ein Hammer. Und auch sonst hat mich die SV nicht enttäuscht. Weil sie alles kann. Taugt für die große Tour ebenso wie für den Weg zur Arbeit. Ich werde sie die nächsten Jahre behalten.« Nicht ganz überzeugend: »Die Kupplung ist schlecht zu dosieren, die Gabel mit zwei Personen zu weich. Und ich werde einen Superbikelenker anbauen.«

10. Platz: Kawasaki ZK-6R - »Eigentlich wollte ich ein größeres Moped“

Mit einer Yamaha FZR 600 fuhr Jochen Härdter beim Kawasaki-Händler vor und kurzentschlossen mit einer ZX-6R wieder davon. Obwohl er eigentlich hubraummäßig aufstocken wollte. »Ich bin die Sechser probegefahren und habe sie gleich gekauft.« Weil gerade in dieser heiß umkämpften Klasse die Zeit nicht stehen bleibt, wie der Elektriker feststellen musste. »Leistung, Fahrwerk, Bremse, Aussehen, Licht«, staunte der 23-Jährige, »sind um Welten besser als bei der Yamaha.« Nach 7000 Kilometern hat er den Kauf nicht bereut, genießt die »für ein Sportmotorrad sehr entspannte Sitzposition« nach Feierabend und bei Touren in den Alpen – und ärgert sich mitunter über den zu hohen Benzinverbrauch, der je nach Fahrweise zwischen fünf und beträchtlichen neun Litern schwankt. Das war’s dann schon an Kritik. Mit kleinen Verbesserungen wie Griffheizung, Scottoiler sowie Hinterradabdeckung, dazu noch eine schwarze Spoilerscheibe und eine Shark-Anlage für die Optik, kommt Härdter zu dem Schluss:. »Traummotorräder gibt es viele. Aber eigentlich fahre ich meines gerade.“

9. Platz: Kawasaki ZR-7/S - »Kawasaki war immer meine Marke“

Dass Frank Nehler Lust am Gestalten hat, sieht man seiner ZR-7 an. Doppelscheinwerfer, Superbikelenker, Karbonschalldämpfer und -Hinterradabdeckung, Miniblinker: Da blieb vieles nicht, wie es war. Bezüglich »seiner« Motorradmarke blieb jedoch auch nach zwölf Jahren Pause alles beim Alten. Kawasaki. »Allein der Sound ist unverkennbar.« Doch nicht nur von den phonetischen Darbietungen ist der 37-jährige Mediengestalter begeistert, sondern auch sonst sehr zufrieden. »Ich bin bisher 12000 Kilometer gefahren. Die ZR-7 ist superhandlich, zuverlässig, hat genug Leistung und eine angenehme Leistungsentfaltung. Auch die Sitzposition ist saugut.« Kein Wunder, dass Freundin Elke ebenfalls von einer Yamaha Virago auf ZR-7 umgestiegen ist. Trotz viel Lob hat Frank auch technisch etwas aufgerüstet. »Die Gabel war mir zu soft, da habe ich Technoflex-Gabelfedern eingebaut. Und die Bremsleitungen sind nun stahlummantelt.« Weiterer Verbesserungsvorschlag: eine hochwertige Rahmenlackierung. An Franks grüner Überzeugung können die kleinen Mängel feilich nichts ändern.

8. Platz: Yamaha XJR 1300 - »Den ganzen Tag im Fünften“

Bei den Gebrüdern Huber herrscht Einigkeit. Zumindest, wenn es ums Motorrad geht. Nach einer Probefahrt mit der XJR 1300 von Manfred stand für Siegbert fest: Eine zweite muss in die Garage. Obwohl da schon eine CBR 1000 F stand. Und immer noch steht. Doch so viel Drehmoment und so ein Aussehen, da können die beiden nicht widerstehen. Neumodischer Krams mit Alurahmen und Plastikschalen ist einfach nicht ihr Ding. Außerdem bevorzugen die Brüder eine aufrechte Sitzposition. »So kann man mit dem Motorrad alles machen«, sagt Manfred. Bei aller Einigkeit tun sich auch Unterschiede auf. Nach bisher 19000 Kilometern segelte Manfred bisweilen doch zu hart im Wind, montierte die Halbschale der Ducati Monster. »Bringt aber nicht viel. Und die Federbeine sind zu hart.« Siegbert hingegen rüstete auf einen breiten Superbikelenker um – und kämpft nun jenseits von 200 km/h mit labilem Geradeauslauf. Ganz unterschiedlich ist auch der Verbrauch. Manfred kommt mit guten sechs Litern aus, Siegbert bläst schon mal über acht Liter durch die Vergaser. »Ein bisschen viel«, findet er, während der große Bruder bei einem Motorrad dieser Klasse das ABS und ein ordentliches Gepäcksystem vermisst. »Da hat BMW eindeutig Vorteile.« Eine alternative sind die Weißblauen aber nicht. »Die XJR ist mein Traummotorrad.«

7. Platz: Suzuki GSX-R 1000 - »Die Umstellung war schon gewaltig“

Egon Schmidtberger ist einiges gewöhnt. Leistung zum Beispiel. Davon hat eine GSX-R 1100 wahrlich genug. Trotzdem: Egon wollte mehr. Liebäugelte mit Yamahas R1, fand Suzukis GSX-R 1000. »Weil die Sitzposition für mich genau richitg war. Und weil mir das Aussehen super gefällt.« Über die im öffentlichen Straßenverkehr schärftste Kombination aus Leistung und Gewicht staunte der Robotertechniker bei den ersten Ausfahrten nicht schlecht. »Wenn du aus der Kurve raus richtig ans Gas gehst, macht die GSX-R 1000 Männchen. Das hat die Alte nie getan.« Nach mittlerweile 4500 Kilometern ist das pures Vergnügen. Wie das Motorrad insgesamt. »Ich bin voll zufrieden. Toller Motor, tolles Fahrwerk, super Reifen. Die GSX-R 1000 ist mein Traumbike!« Ohne Wenn und Aber? »Na ja, eine Kleinigkeit wäre da noch. Die Abriegelung kurz vor 300 km/h. Die kommt im Urlaub weg. Die Felgen habe ich schon poliert, einen Scottoiler angebaut. Und einen anderen Auspuff will ich auch noch dranmachen.« Die freiwillige Selbstbeschränkung ist einfach nichts für GSX-R-Piloten. Für Egon schon gar nicht.

6. Platz: Honda CBR 600 F/FS - »Einfach schauen, wo die Straße langgeht“

Kleine Zufälle verändern das Leben. Bernadette, Azubi beim Honda-Händler, fuhr CB 450 S. Bis ihr der Chef ans Moped ging, einen simplen Splint aus dem Bremssattel des kleinen Zweizylinders entfernte. Den Kunden freute die prompte Ersatzteillieferung, Bernadette bekam als Dank für drei Tage eine CBR 600 F. Der Anfang einer Leidenschaft. Weil der Alleskönner so schön unkompliziert ist. »Das ging alles so einfach. Das Fahrwerk ist komfortabel, die Bremsen super. Und mittlerweile weiß ich: Bei 6000/min geht der Spaß erst richtig los.« Bernadette machte Nägel mit Köpfen. »Mit meiner CBR bin ich 3000 Kilometer gefahren und eigentlich rundum zufrieden. Einziger Kritikpunkt: der hohe Spritverbrauch.« Der könnte allerdings noch steigen. Denn der Respekt vor der Leistung ist immer noch nicht ganz verschwunden. Und so hat Bernadette bei ihrer neuen Liebe noch allerhand zu entdecken.

Kawasaki-Händler

»Die ZX-6R verkaufe ich oft an Kunden, die gerade ihre 34-PS-Zeit hinter sich gebracht haben. Und die sind leistungsmäßig mit einer 600er bestens bedient.« Der Wunsch nach mehr Hubraum, so Alex Schwarz vom Motorradshop Kübler in Nagold, sei daher höchstens bei älteren Kunden ein Thema. Genau wie bei der ZR-7, die »gerade für Fahranfänger nach ihrer Fahrschulzeit und Wiedereinsteiger ein Thema ist. Die wollen ein einfach zu bedienendes Motorrad. Der Anteil der nackten und der verkleideten Variante beträgt jeweils rund 50 Prozent.« Dass bei dieser Klientel der Preis eine entscheidende Rolle spielt, versteht sich von selbst. Und auch, dass mit zunehmender Erfahrung der Wunsch nach mehr aufkommt. »Viele rüsten dann Koffer, Windschild oder Sturzbügel nach.“

Yamaha-Händler

»Bei den Käufern der XJR spielt das Design eine ganz entscheidende Rolle«, ist sich Willy Beck aus Freudenstadt sicher. Und der muss es wissen, denn er hat neben Yamaha auch Suzuki und damit die 1200er-Bandit im Angebot. »Die kommt für XJR-Interessenten häufig nicht in Frage. Viele sind Wiedereinsteiger und wollen ein klassisches Naked Bike.« Was alle verbindet, ist der Wunsch nach »Durchzug satt«. Nicht zuletzt, weil die große Yamaha viel im Soziusbetrieb bewegt wird. Dass »nackt im Wind« auch seine Nachteile hat, wird erst später registriert. Die Nachfrage nach einer Zubehörverkleidung ist entsprechend groß. »Aber da gibt der Markt nichts Ordentliches her. Und rund die Hälfte der Kunden rüstet einen Kofferträger nach.«

Honda-Händler

»Die CBR-600-Kunden sind keine verhinderten Big Biker. Im Gegenteil, viele haben Respekt vor noch mehr Leistung, wollen vor allem ein einfach zu fahrendes Motorrad.« Honda-Händler Herbert Stauch kennt seine Klientel sehr genau. CBR-Kunden sind in der Regel »ab 30 aufwärts und sehr vielschichtig. Und diese Vielschichtigkeit wird von dem Dauerbrenner Jahr um Jahr bestens bedient. »Einige kaufen sich seit Jahren immer wieder das aktuelle Modell, andere steigen sogar von größeren Motorrädern um. Außerdem ist die 600er gerade auch für Frauen interessant.« Klagen hingegen hört er so gut wie nie. Selbst der hohe Benzinverbrauch sei so gut wie nie ein Thema. »Das spielt bei der Varadero und VTR eine viel größere Rolle als bei der CBR.“

Suzuki-Händler

»Das Käuferprofil der Bandit-Kunden? Es gibt kein typisches.« Für Rainer Vater aus Bondorf sind die beiden Suzuki-Allrounder typische »Sowohl-als-auch-Motorräder«. Alte und Junge, Frauen und Männer – alle fahren Bandit. »Weil wir preislich deutlich günstiger liegen als die Mitbewerber.« Bei der großen GSX-R sieht der Fall ganz anders aus. »Da spielt das Geld praktisch keine Rolle.« Weil die Kunden in der Regel »sprachlos« von der Probefahrt zurückkehren. Und die SV 650? »Ist so erfolgreich, weil sie eigentlich keine Konkurrenz hat. Der tolle V2, ein eigenständiges Rahmenkonzept, die einfache Handhabung. Das passt für Anfänger und Fortgeschrittene, weil die Leute ganz schnell merken, dass sie mehr eigentlich nicht brauchen.“

1. Platz: BMW R 1150 GS - »Die R 1150 GS war ein logischer Schritt“

»Wenn du heutzutage so einen PS-Hammer fährst, dann kannst du den Lappen gleich weggeben!« Norbert Koch, Fahrlehrer, sorgt sich um seinen Führerschein. Und fährt mittlerweile die zweite GS nach zwei K 1100 LT. Und wilden Jahren auf diversen Big Bikes von Kawasaki. Freilich war die Angst um den Führerschein nicht ausschlaggebend. Mit der ersten GS schon sehr zufrieden, wurde die 1150er im Vergleich zur Vorgängerin nahezu in allen Punkten nochmals verbessert. »Auf der Autobahn senkt der Overdrive die Drehzahl, und auf der Landstraße tut’s fast immer der Fünfte. Dazu ist der Windschutz für meine 1,78 Meter völlig ausreichend, und auch die Sitzposition in der tiefsten Sitzbankstellung ist für mich sehr angenehm. Genau wie der geringe Verbrauch zwischen 5,4 und 6,8 Litern. Außerdem bietet BMW für die GS viele sinnvolle Detaillösungen vom Koffersystem über Heizgriffe und ABS an. Dazu nur alle 10000 Kilometer zum Service und ein hoher Wiederverkaufswert – was will man mehr? Ach ja, einen so tollen Händler, wie ich ihn habe. Auch wenn ich bei den bisher gefahrenen 4000 Kilometern mit meiner GS keinerlei Probleme hatte.“

BMW-Händler

Werner Schwizler aus Dornstetten im Schwarzwald verkauft seit 1986 Motorräder aus München. Seine Renner in diesem Jahr: R 1150 GS gefolgt von der F 650 GS. Seine Erfahrungen: »Viele Käufer der großen GS sind Umsteiger aus dem Superbikelager. Die sehen in den Alpen, was mit der 1150er alles geht, machen eine Probefahrt – und sind begeistert. Wohl auch, weil sie mit zunehmendem Alter, so zwischen 30 und 50, den Komfort zu schätzen wissen. Die F 650 hingegen spricht Einsteiger, gerade auch Frauen, an. Die kommen mit der niedrigen Sitzhöhe gut zurecht. ABS und G-Kat sind bei beiden Modellen wichtige Kaufargumente. Zusätzlich gefragt vor allem bei der 1150 GS: das Gepäcksystem. Über den Preis brauche ich in der Regel nicht lange zu diskutieren.«

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