Versicherungstarife (Archivversion) Sparst du mit Kette, Alter

Versicherungen gibt es, die belohnen den Motorradfahrer, wenn er sich selbst um die Sicherheit seines Motorrads kümmert. Indem er es zum Beispiel vor Langfingern schützt. Ob das als Anreiz ausreicht, die Versicherung zu wechseln?

Die Zweifel kommen oft zu spät. Im Januar, wenn die meisten Kfz-Ver­sicherer bei jährlicher Zahlungsweise die Prämien für die kommenden zwölf Monate abbuchen. Wer dann erst vom unguten Gefühl beschlichen wird, dass die Tarife anderer Anbieter niedriger ausfallen, muss sich mit einem Wechsel gedulden. Denn Stichtag für die formlose Kündigung von Kfz-Versicherungen ist der 30. November. Gedulden muss sich auch, wer wirklich sparen will. Schließlich machen einem die Versicherer den Vergleich ihrer Tarife nicht leicht. Und wer nur auf den Preis schaut, zahlt im Schadensfall vielleicht sogar drauf. Vor allem bei der Teilkasko gilt es, haarscharf aufs Kleingedruckte zu achten.
Wenig Power in Beamtinnenhand = niedrige Prämie
Der Gesamtverband der Deutschen Ver-sicherungswirtschaft (GDV) listet über 120 Gesellschaften, von denen jede ihre eigene Strategie verfolgt. Mit Lady- und Beamten-Tarifen, Bonussen für Garage, bestimmte Schlösser, Wegfahrsperre et cetera. Da blickt selbst so mancher Spezialist nicht durch. Hinter diesem Tarifwirrwarr steckt die Risikoeinschätzung der Versicherer.
Hauptkriterium bei der Prämiengestaltung ist jedoch die Motorleistung. Zwei­räder mit maximal 50 PS (37 kW) sind, weil die Versicherer von der Power auf die Unfallhäufigkeit schließen, günstiger als Motor­räder der Kategorien bis 78 PS (57 kW), bis 98 PS (72 kW) und darüber.
Gemäß dem Ort der Zulassung stuft die Versicherung den Fahrer zudem in eine Regionalklasse ein. Bei der Haftpflicht gibt es derer fünf. Acht sind es bei der Teil­kasko (siehe Karte Seite 118). Dann ist da noch die Schadenfreiheitsklasse, abgekürzt: SF. Je länger ein Pilot schadenfrei fährt, desto höher die Klasse und desto niedriger der Beitrag. Einsteiger beginnen in der SF ½. Von dort arbeiten sie sich in der Regel über die SF 0 und 1 bis zur SF 10 hoch. Auf jeden Schaden folgt allerdings umgehend eine Zurückstufung. Um wie viele Klassen, hängt von den Bedingungen der jeweiligen Versicherung ab, die man aufs Genaueste prüfen sollte.
Entscheidend für die Beitragshöhe sind auch scheinbare Nebensächlichkeiten: Leistet sich eine Versicherung zum Beispiel etliche Filialen mit vielen Mitarbeitern? Zahlt sie hohe Provisionen an ihre Ver­treter? »Die teuerste Versicherung muss nicht unbedingt die beste sein«, weiß der Heilbronner Rechtsanwalt Ralph Andreß.
Tarifrechner im Internet geben einen ersten Anhaltspunkt
Ein wenig Licht ins Dickicht der Versicherungsprämien bringen Tarifrechner im Internet. Zu empfehlen sind nafi.de oder fss-online.de. Gegen Gebühr berechnet FSS Tarife für Makler und Händler und stellt ihnen ausführliche Informationen zur Verfügung. Für Privatkunden ist der Service zwar lediglich in abgespeckter Version verfügbar, dafür aber kostenlos.
MOTORRAD arbeitete bei diesem Vergleich mit den FSS-Profis zusammen. Für sehr unterschiedliche Fahrer- und Maschinentypen wurden Anfang Oktober 2007 die zehn günstigsten Versicherer recherchiert. Nun sind aber nicht alle Anbieter in der FSS-Datenbank gelistet, weshalb die Reihenfolge in den Tabellen durchaus von einem nicht geführten Anbieter durchbrochen werden könnte. Ferner können die errechneten Beiträge nur der Orientierung dienen, da unsere Fallbeispiele zugunsten der Vergleichbarkeit auf individuelle Feinheiten verzichtet, wie etwa: wo das Motorrad steht, von wie vielen Personen es genutzt wird oder ob es hin und wieder im Soziusbetrieb unterwegs ist.
Zur Kontrolle, ob Verischerung XY auch für Ihre persönlichen Belange das günstigste Angebot parat hält, ist ein Blick auf die Webseite der Gesellschaft oder eine persönliche Kontaktaufnahme unerlässlich. Wobei dann auch auffällt, wie hart der Wettbewerb ausgetragen wird und was den Marketing-Leuten so alles einfällt.
Da lockt etwa der Direktversicherer Direct Line mit 15 Prozent Rabatt auf die Kaskoversicherung, wenn der Kunde sein Motorrad mit einem bestimmten Bremsscheibenschloss inklusive Alarm ausrüstet. Derselbe Anbieter wirbt bei der Teilkasko mit einem »Spar«-Tarif, der, verglichen mit dem »Klassik«-Tarif aus gleichem Hause, tatsächlich verlockend günstig ausfällt. Nur sieht der Spar-Tarif leider keine Entschädigung beim »Totaldiebstahl« des Motorrads vor. Verischert sind: »Brand und Explosion, Teildiebstahl, Glasbruch, Schäden durch Sturm, Hagel, Blitzschlag und Überschwemmung, Kollision mit Tieren aller Art und Marderbiss an der Verkabelung.«
Die Frage aller Fragen: Lohnt ein Wechsel überhaupt?
Für einen Versicherungswechsel sind neben dem Preis vor allem Leistung und Service entscheidend. Daher gilt: Es hat noch nie geschadet, sich im Bekanntenkreis umzuhören, welche Erfahrungen dort gemacht wurden. Hat der Versicherer schnell und unbürokratisch reagiert? Wie ist es um die Zahlungsmoral bestellt? Es wurden schon Zivilklagen gegen Unfallteilnehmer eingereicht, weil deren Versicherung zu spät oder gar nicht bezahlte.
Grundsätzlich sollte man – sofern man mit seiner Versicherung bislang zufrieden war – einen Wechsel und den damit verbundenen Aufwand nur bei merklichen Preisunterschieden in Erwägung ziehen. Legt das Ergebnis aus den Tarifverglei-­chen diesen Schritt nahe, rät Rechtsanwalt Ralph Andreß, sich »als nächstes die An-träge zuschicken zu lassen und diese genau zu prüfen«. Bei der Haftpflichtversicherung ist das noch nicht ganz so wichtig. Hier zählt in erster Linie die Versicherungssumme. Der Heilbronner Experte empfiehlt, die Maximalsumme abzuschließen. »Meist sind es nur ein paar Euro Unterschied zur Mindestdeckungssumme, doch die reicht bei Personenschäden nicht immer aus, da sollte man auf Nummer sicher gehen.«
Bei einer Kaskoversicherung sind die Fallstricke ungleich höher. Im Antrag wird unter anderem nach Alter, Jahresfahrleistung und Fremdfahrern gefragt. Stellt sich nach einem Unfall heraus, dass soge-nannte Vergünstigungskriterien nicht einge­­-hal­ten wurden, zum Beispiel die Jah­res­fahrleistung den angegeben Wert über­steigt, kann es zu einer Vertragsstrafe kommen. »Es ist besser, die Werte groß­zügig anzugeben«, sagt Andreß.
Außerdem sollte man darauf achten, unter welchen Umständen die Versicherung vom Halter Regress verlangen kann. Etwa, wenn nachgewiesen wird, dass bei einem Diebstahl Zweit- und Drittschlüssel im Umlauf gewesen sind. Wichtig ist auch der Tatbestand der Unterschlagung, wenn beispielsweise das Motorrad von einer Probefahrt nicht mehr zurückkommt.
Dass es nicht immer einfach ist, gerade für teure Motorräder Kaskoschutz zu bekommen, zeigt das Beispiel von MOTORRAD-Leser Reinhold Pottkämper. Der Bochumer versucht seit mehreren Wochen, eine Ducati Desmosedici zu versichern – bislang ohne Erfolg. »Den Versicherungen scheint das Risiko bei einem über 60000 Euro teuren Motorrad wohl zu hoch«, resümiert Pottkämper. Dabei wäre er mit Teilkasko zufrieden. Das halten die meisten Motorradfahrer so. Weniger als vier Prozent entscheiden sich für Komplettschutz.

Änderung des VVG tritt zum Jahreswechsel in Kraft
»Von der Änderung des Versicherungs-Vertrags-Gesetzes (VVG) zum Jahreswechsel profitiert der Verbraucher ein bisschen«, erklärt Ralph Andreß. Hatten falsche Angaben bei Abschluss einer Vollkaskoversicherung bis dato Folge, dass der Schutz vollständig erlischt, ist die Versicherung nach neuer Regelung zur Zahlung eines Betrags, wenn auch nicht des Maximalbetrags, verpflichtet. Voraussetzung: Es wurden nicht vorsätzlich falsche Angaben gemacht. Außerdem steht neuerdings mit Unterschrift unter einen Kaskovertrag fest, welche Leistungen man in Anspruch nehmen kann. Bislang konnten die sich mit Zustellung der Police immer noch ändern. Die Änderung des VVG tritt am 1. Januar 2008 in Kraft, gilt allerdings rückwirkend für alle bis dahin abgeschlossenen Verträge.Also auch für die Abschlüsse, die bis zum Stichtag für den Versicherungswechsel zustande gekommen sind.

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