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Veterama: Europas größter Oldtimer-Teilemarkt Ersatzteile für Klassik-Motorräder und Oldtimer

Auf zur Veterama, Europas größtem Oldtimer-Teilemarkt! Mein Kumpel Wilhelm braucht noch diverse Teile, damit er seine Yamaha RD 400 endlich fertig restaurieren kann. Und ich einen alten Hasen, der mir als Veterama-Grünschnabel die richtige Strategie zeigt, um auf diesem Riesengelände nicht verloren zu gehen.

Erste Lektion meines Veterama-Lotsen: früh da sein. Wilhelm hat recht, schon kurz nach acht Uhr drängelt sich eine große, aber völlig entspannte Menschenmenge vor dem Eingangstor des Oldtimermarktes. Kaum sind wir auf diesem riesigen, unübersichtlichen Gelände, zeigt mir der Veterama-Profi, wo es lang geht. Nämlich gleich nach links, zum Areal mit den Motorradteilen. Wilhelm läuft zu meiner Überraschung ganz nach hinten durch bis zur Bugatti-Straße. So rollen wir das Gelände von hinten auf, immer zwischen Benz- und Drais-Straße pendelnd. Und haben wenigstens am Vormittag halbwegs freie Bahn, die 260000 Quadratmeter Freigelände wollen eben systematisch durchkämmt werden.

Schnell voran kommen wir trotzdem nicht. Staunend bremsen mich abwechselnd kaum noch erkennbare Rosthaufen, dann wieder Preziosen im Concours-Zustand. Und irgendwie scheint es hier viele Menschen zu geben, die in all dem Wust zielsicher genau das finden, was sie suchen. Es gibt wirklich alles, von mehr oder weniger kompletten Fahrzeugen in allen Erhaltungszuständen bis hin zu kleinsten Einzelteilen, ebenfalls von rostig bis flammneu. Nur Wilhelm hadert noch. Viel Vorkriegsware, wenig Youngtimer, keine Yamaha-Teile. Exoten-Eigner scheinen eher fündig zu werden. Dass die luftgekühlte RD 400, letzte Serie, eigentlich auch dazu zählt, hilft uns im Moment nicht. Nirgendwo sehen wir so Nebensächlichkeiten wie den kompletten Kabelbaum, die Zündanlage und weitere dringend benötigte Kleinteile. Doch Wilhelm weiß, wo er suchen muss, schließlich zieht es ihn schon seit 25 Jahren hierher zur Veterama nach Mannheim. Europas größten Oldtimer-Teilemarkt gibt es seit 1975. Er wächst beständig, rund 50000 Besucher treffen an diesem Wochenende auf etwa 4000 Anbieter. Autos und Motorräder werden teilweise getrennt präsentiert, vielfach auch gemischt.

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Foto: Streblow
Das Angebot schwankt zwischen Museumszustand und Scheunenfund.
Das Angebot schwankt zwischen Museumszustand und Scheunenfund.

Die Suche hat Erfolg

Na also: Wilhelm steuert einen Stand an, mit Yamaha-Teilen! Ein kurzes Gespräch, lange Gesichter. Weiter. Sein aufmerksamer Blick erspäht eine halb versteckte, rot-weiße RD 400, Baujahr 1979, mit Gussrädern. Nicht schön, aber vollständig, und sogar zulassungsfertig mit TÜV. Nach zwei Tritten dringt gedämpftes Zweitaktblubbern aus den originalen Auspufftüten, kurzes Verhandeln, ein Handschlag, gekauft! Kabelbaum, Zündung samt Drumherum, alles da, und sogar mit erfolgreicher Funktionsprüfung. Der Verkäufer zuckt kurz, als Wilhelm ihm unvorsichtigerweise erzählt, dass die RD gedanklich bereits zerlegt ist. Wir dürfen sie trotzdem stehen lassen, um sie am Ende unseres nun auch innerlich viel entspannteren Rundgangs abzuholen.

Inzwischen haben etliche Teile den Besitzer gewechselt, und es lassen sich die unterschiedlichsten Methoden bewundern, die neu erworbenen Schätze abzutransportieren. Ein graubärtiger Herr bietet mit einem Lastendreirad auf Basis einer umgebauten Vespa Ciao seine Dienste an, andere mühen sich zu Fuß ab, der Nächste zieht einen Handwagen oder bindet sich einen solchen hinten ans Fahrrad. Vorbei an leicht verlebten Rickman-Enduros, piekfein restaurierten Dreißigerjahre-Oldtimern mit exotischen Namen wie Durandal (aus Frankreich) oder einfach ausgekippten Teilehaufen erreichen wir den Bereich hinter dem Reitstadion.

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Dort tummeln sich die kleinen, privaten Händler, hier schwelt die Ghetto-Tonne vor sich hin, liegt Stroh auf dem aufgeweichten Boden, damit nicht alles im Schlamm versinkt. Die Bandbreite verblüfft auch in diesem Teil des Marktes. Hier eine feine Yamaha XS 400, leider die ungeliebte dohc-Variante. Dort ein restauriertes Schmuckstück aus den Zwanzigern, das ungedämpft vor sich hintuckert. Daneben eine alte Zweiventiler-GS, umgebaut auf Basic und rot lackiert. Und da eine frühe Sportster, mit Koffern und dickem Sattel. Tacho und Drehzahlmesser hängen am Lenker, das gab es früher auch schon. Aus den Sechzigerjahren soll die Harley sein, total original, nichts daran gemacht. Die Tachonadel steht bei 80, doch der Wegstreckenzähler soll funktionieren. Wäre sie restauriert, dann gäbe es sie günstiger, meint der Verkäufer. Das ist anscheinend der aktuelle Trend. Erstaunlich, wie viele „Scheunenfunde“ es doch noch gibt. Wenig überraschend hingegen, dass die Ladenhüter von früher auch heute eher zäh Liebhaber finden.

Später Nachmittag, es wird immer voller, die Füße schmerzen. Zeit, unsere Beute aus dem Depot zu holen. Zum Glück ist der lange Weg zum Parkplatz nun bequem zurückzulegen. Am Kabelbaum hängt ja noch ein fahrtüchtiges Motorrad.

Die BMW R 32
Foto: Streblow
...dort Berge von Kleinteilen.
...dort Berge von Kleinteilen.

Infos

Veterama 2013

Europas größter Teilemarkt findet zweimal im Jahr statt: Die Frühlings-Veterama geht 2013 erstmals im Motodrom von Hockenheim über die Bühne, und zwar schon vom 15. bis 17. März. Der Herbst-Termin steigt vom 11. bis 13.Oktober dann wieder in Mannheim. Tageskarten kosten jeweils 12 Euro, das Insider-Ticket für drei Tage gibt es für 25 Euro, es gilt ab Freitag, 12 Uhr. Ticketvorbestellungen und Infos unter www.veterama.de

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