Vorstellung Indian Chief The Chief is Back

Victory/Polaris versucht, die Marke Indian in der Tradition der legendären Modelle Chief und Scout wieder zu beleben. Dieser neue Motor kommt den Vorbildern schon sehr nahe.

Foto: Indian

"Wir wollen ihn so seitenventilig aussehen lassen wie möglich", sagte Gary Gray dem MOTORRAD-Redakteur auf der EICMA 2011, lange vor der Präsentation des neuen Indian-Motors. Gary ist Ingenieur bei Victory/Polaris, beteiligt an der Entwicklung des neuen Indian-V2, und er erklärte vor eineinhalb Jahren sehr lebhaft, wie wichtig es für den Neustart von Indian sei, die Tradition der historischen Modelle Chief und Scout aufzunehmen und weiterzuführen. "Der Motor, den wir übernommen haben, stammt von einem S & S- und damit letztlich von einem Harley-Motor ab. Sieht gut aus, ist aber nicht Indian."

Heute ist klar: Der Neue "ist Indian". Er weist tatsächlich optisch große Ähnlichkeit mit den alten, charakteristisch verrippten V2 und ihrer ungewöhnlichen Auspuffführung auf, ist aber kein Seitenventiler. In jedem der beiden Zylinderköpfe hängen zwei Ventile; sie werden über drei untenliegende Nockenwellen, lange Stoßstangen und Kipphebel mit Hydrostößeln betätigt. Kontrolle und Einstellung des Ventilspiels erübrigen sich also schon einmal.

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Foto: fact

Wie es sich für ein bulliges Cruiser-Triebwerk gehört und der technischen Entwicklung in den meisten anderen Segmenten des Motorenbaus herrlich archaisch zuwiderläuft, ist der V2 mit 49 Grad Zylinderwinkel ein Langhuber. 113 Millimeter legen die Kolben zwischen oberem und unterem Totpunkt zurück, 2,9 Millimeter mehr als bei einem Harley-Big-Twin.

Die Bohrung beträgt beim Thunder Stroke 111 - wie der neue Indian-Motor genannt wird - 101 Millimeter, die normalen Harley-Motoren haben 98,4, die größten Tuning-Aggregate der werkseigenen Harley-Customizing-Abteilung CVO 101,6 Millimeter. Das macht in Summe 111 cubic -inches, also 1811 cm³ Hubraum für den -Indian-Motor, 1801 cm³ für Harley-CVO und 1690 cm³ für Harley-Standard. Im Drehmoment liegt der „Thunder Stroke 111“ bei 160 Nm; das übertrifft bei Harley nur der CVO-Bulle der Road Glide Custom mit 162 Nm.

Die Leistung gibt Indian noch nicht an. Gerüchte behaupten, der Thunder Stroke läge etwa auf dem Niveau eines Victory-Vierventilers. Das wären um die 90 PS, und diese Aussage erscheint angesichts der Indian-Konfiguration mit nur zwei Ventilen und Stoßstangen erst einmal optimistisch. Andererseits weiß man, dass sorgfältig von Hand gefertigte CVO-Triebwerke von Harley mit ähnlicher Konfiguration durchaus auch über 90 PS drücken können.

Zunächst soll es nur ein edel ausgestattetes Indian-Modell geben, das noch im Lauf dieses Jahres der Presse vorgestellt und 2014 zu kaufen sein wird. Dann wäre die Chief endgültig zurück.

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