Vorstellung BMW R 1150 RT und K 1200 RS (Archivversion)

Überraschungsmoment

Bei der Münchener Messe Intermot mussten sie draußen bleiben, erst zum Saisonstart schockt BMW mit den renovierten Verkaufshits K 1200 RS und R 1150 RT.

Jetzt probt ganz Bayern den Beckenbauer. Ja, is’ denn heut scho’ Weihnachten? Doch anders als Kaiser Franz, der handymäßig und auch sonst zu den extrem weihnachtsaktiven Männern zählt, wahrten die BMW-Oberen einen Sicherheitsabstand zum Fest der Liebe und versandten ihre Überraschungspäckchen in der eher freudlosen Zeit zwischen Silvester und Fasching. Exakt am 12. Januar schlug in der Redaktion MOTORRAD eine Sendung ein, die selbst Insider frühestens zum Spätsommer erwartet hatten und die deshalb umso freudiger erregte: erste Fotos und Informationen zur modellgepflegten K 1200 RS und zur gründlich umgekrempelten R 1150 RT.Nachdem die GS schon seit 1999 ganz enorm vom 1150er-Motor und dessen Sechsganggetriebe profitiert und die Roadster auf der Intermot mit eben diesem Motor vorgestellt wurde, war zwar zu erwarten gewesen, dass auch der traditionsreiche Tourenboxer in diesen Genuss käme. Irgendwann halt. Schließlich ist es nicht damit getan, einfach das größere Triebwerk ins alte Fahrwerk zu hängen. Das Getriebe baut länger, die Schwinge fällt entsprechend kürzer aus – und das verlangt einen modifizierten Rahmen. Wie dem auch sei, jetzt ist’s passiert, die segensreichen Auswirkungen des über einen sehr breiten Bereich höheren Drehmoments (siehe Grafik Seite 16) sowie des drehzahlsenkenden, weil als Overdrive ausgelegten sechsten Gangs halten auch im Reisedampfer Einzug. Dass gleichzeitig die Maximalleistung um fünf PS steigt, kann angesichts der aerodynamischen Qualitäten der RT niemanden stören. Wenn’s pressiert, schiebt sie jetzt noch einen Hauch flotter über die Bahn, laut Hersteller mit 200 statt 196 km/h.Viel wichtiger ist bei einem Tourer aber der Durchzug. Absolut betrachtet dürfte er sich zwar nicht so deutlich verbessern wie bei der GS, denn die – obendrein länger übersetzte – RT schleppt mit 279 rund 30 Kilogramm mehr herum als ihre Stollen-Schwester. Aber relativ gesehen wird auch hier ein Zeitgewinn herausspringen. Zum Drehmoment-Zuwachs trägt übrigens weniger der um 45 auf nunmehr 1130 cm3 vergrößerte Hubraum bei als die veränderte Auspuffanlage (?????). Im sechsten Gang, der pro tausend Kurbelwellenumdrehungen für immerhin xx Stundenkilometer gut ist, sollte allerdings niemand Wunder erwarten. Diese Getriebestufe bleibt wie bei der GS dem kultivierten Bummeln oder aber Schnellstraßen vorbehalten, wo die niedrigen Drehzahlen für einen ganz erstaunlichen Komfortgewinn und deutlich geringeren Verbrauch sorgen sollen.Dass hoher Fahrerkomfort auch für einen guten Kilometerschnitt bürgt, können bereits RT 1100-Eigner besingen. Damit dieses Lied demnächst noch fröhlicher klingt, bekommen die Käufer der Nachfolgerin nicht nur eine nun hydraulisch betätigte Kupplung mit dreifach verstellbarem Griff, sondern auch einen in Kontur und Polsterung verfeinerten Sitz mit auf den Weg. Dank dieser Sitzbank steigt die unverändert dreistufig wählbare Sitzhöhe von maximal 820 auf 845 Millimeter, somit dürfte fortan sogar der Unterschenkel-Beugewinkel zum relaxten Touren passen. Kleinere Zeitgenossen seien an dieser Stelle beruhigt: Die alte Bank mit minimal 780 Millimeter Sitzhöhe bleibt als Zubehörteil im Programm.Beschützt wird die wohl gebettete Besatzung von einer zwar weiterhin ausladenden, im Auftritt aber deutlich dynamischeren Verkleidung. Selbst hochrangige BMW-Mitarbeiter gaben hinter vorgehaltener Hand schon länger zu, dass der alte RT-Vorbau ein wenig an Kleinwagen erinnere. Und nannten als Hauptverdächigen den schmucklosen Scheinwerfer. Was das angeht, weist die neue RT ganz klar in die Moderne, denn erstens trägt sie nun einen hübsch geformten Klarglas-Leuchter. Was ja mittlerweile en vogue, also selbstverständlich ist. Zweitens jedoch beherbergt sie hinter der flotten Scheibe gleich zwei integrierte Nebelscheinwerfer. Was es so noch nie gab, wahre und echte Motorrad-Touristen aber schon seit Generationen umtreibt – die auf Sturzbügel geschraubten Zusatzlampen so mancher Zweiventil-BMW künden davon. Dort erfüllt die Lightshow mindestens einen ähnlichen Zweck wie permanent mitgeführte Alukoffer bei Reiseenduros: Schaut her, wenn ich wollte, könnte ich bis ans Ende der Welt. Sogar bis ans Ende der Eifel oder anderer Nebellöcher. Jetzt sind die MOTORRAD-Tester ganz gespannt, was die doch recht hoch platzierten Scheinwerfer der RT bei starkem Regen oder Nebel bringen.Zweifelsfrei nützlich war stets die verstellbare Windschutzscheibe. Und sie wird es bleiben – auch im facegelifteten Oberteil der RT-Verkleidung. Womit bei der Gesamtdarstellung dieser BMW jener Punkt erreicht ist, an dem Kaiser Franz hinsichtlich seiner Handys stets betont, die Grundgebühr sei au’ scho’ drin. Serienmäßige Beigaben also. Im vorliegenden Fall wären zu nennen: geregelter Kat wie bei jeder BMW, Koffer samt Träger, Fahrer-Informations-Display, Steckdose, Hauptständer... Oder anders herum: Heizgriffe, Kassettenradio, Zylinderschutz, Diebstahl-Warnung, noch ein paar Kleingkeiten und – ab demnächst – Navigationssystem kosten Aufpreis. Allerdings beträgt die BMW-Grundgebühr fürs RT-Fahren stolze ..... Mark, ... mehr als bisher.Diesen Mehrpreis als moderat zu bezeichnen fällt insofern leicht, als die neue RT bereits mit dem ebenfalls seit der Intermot, aber zunächst nur für die K 1200 LT angekündigten BMW Integral ABS aufwartet. Und zwar in jener voll-integralen Ausführung, bei der sowohl Fuß- als auch Handhebel alle drei Scheibenbremsen aktivieren. Das Ganze zudem – und erstmals im Motorradbau – in Kombination mit Bremskraftverstärker und lastabhängiger Bremskraftverteilung. Letzteres ist bei Tourern besonders interessant, weil das Hinterrad unter voller Beladung viel stärker mitbremsen kann als unter einem Solo-Piloten. Zum neuen ABS wurden am Vorderrad gleich noch verbesserte Brembo-Bremsen spendiert, mit größerem Scheibendurchmesser und neuen Zangen sowie Belägen. Sie rotieren in leichteren Fünfspeichen-Alurädern, beim hinteren wurde – auch im Hinblick auf aktuelle und leistungsfähigere Reifentypen – die Dimension von 4,50 x 18 Zoll auf 5,00 x 17 Zoll geändert. Ansonsten blieb das Fahrwerk unangetastet. Trotzdem darf insgesamt von einer neuen RT gesprochen werden.Mit dem Beiwort überarbeitet muss sich hingegen das tourensportliche Flaggschiff von BMW, die K 1200 RS, bescheiden. Sie baut sowohl beim Fahrwerk als auch beim Motor auf die bekannten Komponenten, profitiert aber ebenfalls schon jetzt vom Integral ABS. Im Unterschied zur R 1150 RT kommt die moderne Stoppeinrichtung allerdings hier teil-integral zum Einsatz, und das meint, dass beim Tritt auf den Fußhebel nur die Hinterradbremse aktiv wird. Der Handhebel ist dagegen mit allen drei Scheiben verbunden. Diese Form soll den eher sportlichen BMW-Modellen dienen, was erstens Sinn macht, weil engagierte Piloten wirklich nicht zu den Fußbremsern zählen. Und zweitens, weil sie in flotten Kurven gerne mit dem Bremspedal den Kurs korrigieren.Auch die K-Verkleidung trägt ein neues Oberteil, allerdings mit weniger augenfälligem Facelift als bei der RT: Die Fläche der weiterhin zweistufig verstellbaren Windschutzscheibe wuchs um 20 Prozent und ragt etwas höher empor, die Ölkühler verschwanden hinter einer BMW-Niere, und die Ausleger der Blinker wanderten nach unten. Hinter der neuen Plastikhaut tat sich wenig, aber weil BMW die Fahrer-Fußrasten um drei Zentimeter tiefer legte und den bislang optionalen Komfortlenker nunmehr serienmäßig verbaut, rückt die RS noch mehr in Richtung Touren. Ob’s dazu gleich einen Tempomat als Extra braucht? Schau’n mer mal.
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Die wichtigsten Änderungen im Detail (Archivversion)

Motor:Hubraum um 45 auf 1130 cm3 aufgestockt, Verdichtung von 10,7:1 auf 11,3:1 erhöht, Umstellung auf Bosch-Motronic MA 2.4, Auspuffanlage mit xxLiter großem VorschalldämpferGetriebe:Einbau des aus der R 1100 S und R 1150 GS bekannten Sechsganggetriebes, sechster Gang als drehzahlsenkender Overdrive ausgelegt, durch niedrigere Drehzahl der Primärwelle bessere Schaltbarkeit als beim FünfganggetriebeBremse:BMW Integral ABS mit Bremskraftverstärker und lastabhängiger Bremskraftregelung in voll-integraler AusführungFahrwerk:Leichtere Aluräder, hinten mit 17 statt 18 Zoll DurchmesserAusstattung:Klarglas-Scheinwerfer mit zwei integrierten Nebelscheinwerfern, ergonomisch verbesserter Fahrersitz, optional Navigationssystem

Die wichtigsten Änderungen im Detail (Archivversion)

Bremse:BMW Integral ABS in teil-integraler Ausführung, von 305 auf 320 Millimeter vergrößerte vordere Bremsscheiben, verbesserte Bremszangen und -belägeAusstattung:Breiteres und höheres Windschild mit insgesamt um 20 Prozent vergrößerter Fläche, schlankere Verkleidungsform bei gleichbleibend gutem Wetterschutz auch für Hände und Unterarme des Fahrers, Komfortlenker, Fahrer-Fußrasten um 30 und Beifahrer-Fußrasten um 20 Millimeter tiefergelegt, optional Tempomat erhältlich

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