Vorstellung BMW S 1000 RR Neues vom BMW-Supersportler

Foto: BMW
(+++ MIT VIDEO +++) BMW hat den Schleier über der S 1000 RR gelüftet. Die auf den ersten Blick größte Überraschung bietet die asymmetrische Frontansicht des Supersportlers, der nicht nur die andere Seite einer eher biederen Marke zeigt, sondern selbst auch zwei Gesichter hat. Ein leicht kupierter Rundscheinwerfer rechts, links eine Leuchteinheit, die aussieht wie ein Insektenauge. Schmale, kiemenförmige Öffnungen rechts an der Verkleidung, gegenüber ein großer Schacht, durch den die heiße Kühlerabluft entweicht – die S 1000 RR trägt ihre beiden unterschiedlichen Seiten selbstbewusst zur Schau, erhebt die Asymmetrie zum Stilprinzip. Das hatte sich angedeutet, hätte aber unter der Klebetarnung des fotografisch abgeschossenen Prototypen genauso gut eine raffinierte Täuschung sein können.
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Foto: BMW
Neben dem zwar modernen, aber konventionellen Fahrwerk mit steilem Lenkkopf und langer Schwinge liegt nun auch die Technik des Antriebs offen und zeigt trotz aller Orientierung an japanischen Vorbildern einige charakteristische Details. Schon von MOTORRAD genannt wurden die zierlichen Schlepphebel, die zu einem extrem leichten Ventiltrieb beitragen, also für die Drehfreudigkeit und Drehzahlfestigkeit des Motors eminent wichtig sind. Beim Antrieb der dicken, aber sehr dünnwandigen und damit leichten und steifen Nockenwellen wählt BMW einen anderen Weg als bei den Vierzylinder-Reihenmotoren der K-1300-Reihe. Statt nur die Auslassnockenwelle über Kette anzutreiben und von dort die Einlasswelle über ein Zahnrad mitzuschleppen, werden beim S-1000-Motor beide Nockenwellen über eine Zahnkette angetrieben. Ein Zahnradvorgelege am rechten Kurbelwellenstumpf reduziert die Drehzahl auf die Hälfte.
Und was drückt er nun der 999er-Bayern-Vierzylinder? MOTORRAD hat in der Ausgabe 05/2009 fast richtig vermutet; dort standen 192 PS, tatsächlich sind es 193, die bei einer Nenndrehzahl von 13000/min erreicht werden sollen. Aprilia RSV4 und MV Agusta F4 1078 inbegriffen ist dies die höchste Leistung und Nenndrehzahl aller großen Supersportler. Weil hohe Spitzenleistungen bei astronomischen Drehzahlen tendenziell durch einen schwer zu beherrschenden Leistungsverlauf erkauft werden, haben die BMW-Ingenieure allerlei Tricks angewandt, um den Motor fahrbar zu machen. So verfügt er wie schon die Triebwerke der Yamaha-R1 und Aprilia RSV4 über variable Ansaugtrichter. Im unteren Drehzahlbereich saugt der extrem kurzhubige Vierzylinder, dessen Ansaugluft durch einen Kanal im Vorderteil des Rahmens strömt, sein Gemisch durch drehmomentfördernd lange Trichter, dreht der Motor höher, werden die Verlängerungen abgehoben, dann sorgen die verbliebenen kurzen Trichter für optimale Füllung. Unterstützt wird diese Anpassungsarbeit durch zwei Interferenklappen in den Auspuffkrümmern und eine Klappe im Schalldämpfer.

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Damit nicht genug. Die S 1000 RR ist das erste Sportmotorrad, das vier verschiedene Fahrmodi (Rain, Sport, Race und Slick) mit einer Traktionskontrolle namens DTC sowie mit ABS zusammenarbeiten lässt, sofern ihr Besitzer etwa 1200 Euro Aufpreis dafür zahlt - ein BMW-Sprecher bezeichnete diese Angabe als "relativ genauen Zirka-Preis". Alle Komponenten sind – so der BMW-Pressetext – „ganzheitlich aufeinander abgestimmt“. Nur ein Beispiel für die vielen Kombinationen, die sich daraus ergeben: In den Fahrmodi „Race“ und „Slick“ greift die Abhebe-Erkennung des Hinterrads nicht ins Bremsmanöver ein, die ansonsten via ABS ein Aufsteigen des Hinterrads unterbindet. Ob das Hinterrad steigt oder nicht, wird nicht wie bei bisherigen BMW-Modellen anhand diverser Informationen geschlossen, sondern von einem „aufwendigen Sensorcluster“ bestimmt, das auch Schräglagen zu erkennen vermag. Ob dazu ein Gyrosensor gehört, wie er im Spitzenrennsport üblich ist, darüber gibt es noch keine Auskünfte.

Bemerkenswert ist das Gewicht des ABS; statt wie in der Honda Fireblade und CBR 600 RR über zehn Kilogramm zu wiegen, drückt es nur mit 2,6 Kilogramm auf die Waage. Mit vollem Tank und voller ABS-/DTC-Ausstattung kommt die S 1000 RR auf 206,5 Kilogramm. Bei einem Grundpreis von 15150 Euro plus Nebenkosten wird eine solchermaßen ausgestattete Maschine wohl auf 16600 Euro (inklusive Nebenkosten) kommen.

Video: BMW S 1000 RR - von der Entwicklung bis zur Rennstrecke

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