Vorstellung Ducati Desmosedici RR (Archivversion) Die hohe Kunst

Motorradtechnik in ihrer exklusivsten Form: Mit der Desmosedici RR stellt Ducati den ersten GP1-Renner mit Straßenzulassung auf die Räder.

Das ist die Krönung unseres Grand-Prix-Traums: Rennsport-Technik für die Straße.« Ducati-Boss Federico Minoli macht keinen Hehl aus seiner Begeisterung für das neue Flaggschiff des Hauses: die Desmosedici RR, Replika von Ducatis erfolgreicher Rennmaschine, enthüllt beim italienischen Grand Prix in Mugello. Der erste käufliche Vierzylinder des Hauses, vereint das gesamte Können der Ducati-Ingenieure. Das hat seinen Preis: 55000 Euro kostet die RR, von der nur drei bis vier Stück pro Tag gefertigt werden. Ein wenig Geduld müssen die Käufer außerdem mitbringen; die ersten Exemplare kommen im Juli 2007 auf den Markt.
Als Gegenleistung bietet Ducati ein echtes Traummotorrad, ausgestattet mit echter Renntechnik. Auch optisch gleicht die
Replika dem MotoGP-Renner. Spiegel, Scheinwerfer und Blinker wurden von Formel-1-Designer Alan Jenkins, der bereits das GP-Motorrad gestaltete, harmonisch integriert. Abmessungen und
Linien entsprechen dem Original, der Motor fungiert als tragendes Element. Er ist an den Zylinderköpfen mit dem roten Gitterrohr-rahmen aus Stahl verschraubt, und nimmt auch die Lagerung
der mächtigen Alu-Schwinge auf. Wie der Renner hinterlässt die
Replika den Eindruck geballter Kraft im filigranen Kleid.
Unter der Kohlefaser-Verkleidung drängt sich feinste Technik. Öhlins liefert eine Gasdruck-Gabel mit Ausgleichsbehältern nach Art der GP-Teile, Brembo steuert aus dem Vollen gefräste Bremssättel und sechs Millimeter starke Bremsscheiben bei, Bridge-
stone entwickelt derzeit noch einen speziellen Reifen für die RR. Wie eine Skulptur verschraubt sich die Auspuffanlage und mündet in zwei Schalldämpfer unter dem Heck. Und dann natürlich das Herzstück, der Motor. Die Eckdaten des 90-Grad-V-4 stammen vom Rennaggregat: 989 cm3, vier Ventile pro Zylinder, zwei über Zahnräder angetriebene Nockenwellen pro Zylinderreihe, desmodromische Ventilsteuerung, Einspritzung und Sechsgang-Kassettengetriebe. Das Verhältnis von Bohrung und Hub soll ebenfalls dem des Moto GP-Renners entsprechen, öffentlich preisgeben mag Ducati diese Daten jedoch nicht. MOTORRAD-Informationen zufolge handelt es sich um einen extremen Kurzhuber mit 88 Millimeter Bohrung und 40,7 Millimeter Hub.
Basierend auf diesen Eckdaten, entwickelte Ducati für die
Replika einen völlig neuen Motor, denn im Straßenbetrieb gelten ganz andere Regeln für Geräusch, Abgas und Haltbarkeit als im Rennsport. Pleuel und Ventile bestehen aus Titan, Zylinderkopf- und Kupplungsdeckel aus Magnesium, das Gehäuse und die
Zylinderköpfe werden im Sandguss-Verfahren aus Alu-Legierung hergestellt. Dank der edlen Materialien wiegt der Vierzylinder nur 65 Kilogramm, fünf weniger als übliche Zweizylinder des Hauses. Gut 200 PS bei 13500/min gibt Ducati als Leistung an – allerdings nur, wenn der mitgelieferte Renn-Schalldämpfer mit 102 dB (A) montiert ist. »Mit dem homologierten Straßenschalldämpfer dürfte die RR auf etwa 195 PS kommen«, sagt Produktions- und Rennsportchef Claudio Domenicali. Über die eingesetzte Elektronik – »wir sind da noch am Ausprobieren« – schweigen sich die Ducati-Leute ebenso aus wie über das Gewicht der RR.
Doch warum muss das Motorrad nun so teuer sein? Wäre nicht eine echte Serienproduktion möglich gewesen? »Nein«, sagt Ducati-Boss Federico Minoli entschieden. »Die Formen und
Maschinen für eine Vierzylinder-Produktion in Serie hätten uns Millionen gekostet. Das können wir uns nicht leisten.« So bleibt die Desmosedici RR ein höchst exklusives Vergnügen für Leute mit viel Geld – von denen es aber offenbar eine ganze Menge gibt: 300 Vorbestellungen gingen bei Ducati bereits ein.

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