Vorstellung Madaus Twintrax Power Plus (Archivversion) Opus Magnum

Zwei Harley-Motoren in einem Wahnsinns-Chassis. Ein Einzelstück. Ein Meisterwerk. Zwölf Jahre Arbeit – die Realisation eines Traums.

Ein Motorrad kann gar nicht genug Motor haben. Sagt Designer Christoph Madaus und blickt seine Schöpfung andächtig an. Man blickt ehrfürchtig mit. Weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Was der Mann in den letzten zwölf Jahren aufgebaut hat, verschlägt einem die Sprache. Zunächst diese geballte Technik. Zwei luftgekühlte 45-Grad-V2 in Reih und Glied – 2680 cm3 Hubraum, 2,06 Meter Radstand, 400 Kilogramm vollgetankt. Dann dieser extreme Aufwand im Detail. Eine mechanische Kreatur wie aus einem Science-Fiction-Thriller. Die sogar funktioniert, fährt. Wahrscheinlich jedoch eher auf Ausstellungen oder Shows ihre Bestimmung findet. Oder einfach in der Werkstatt ihres Schöpfers bleibt. Wer ist dieser Mann?
Christoph Madaus, 47, ist waschechter Kölner. Als Designer beschäftigt er sich hauptsächlich mit Innenarchitektur. Sein Stil ist reduzierend, beeindruckt durch Schlichtheit bei gleichzeitiger Eleganz. Und durch absolute Perfektion. Der Mann ist außerdem ein totaler Motorrad-Freak und Vielfahrer. Eines Abends steht er in seiner Werkstatt und hat die Idee, ein Motorrad von Grund auf selbst zu konstruieren. Das war im Februar 1995. Der studierte Maschinenbauer kauft zwei Harley-Motoren und legt los. »Hätte mir damals jemand gesagt, dass dieses Projekt zwölf Jahre dauern würde, ich hätte wahrscheinlich davon abgesehen«, sagt er heute. Arbeitsstunden hat er nie gezählt. Wenn der Designer allerdings davon spricht, welchen Aufwand die Realisierung bedeutete, bekommt man eine leichte Ahnung, dass hier jemand ein Lebenswerk quasi nebenbei geschaffen hat.
Daran gewöhnt, mit edelsten Materialien zu arbeiten und selbst unwichtigen Details durch höchste Präzision und ausgefeilte Bearbeitungstechnik eine Aura funktionaler Eleganz mit auf den Weg zu geben, beschreitet Madaus bei der Twintrax oft neue Wege. So sind die hydraulischen Kupplungs- und Bremsarmaturen in den Lenkerstummel integriert. Und natürlich aus dem Vollen gefräst. Aluminiumteile wurden in einem aufwendigen Verfahren Hardcoat-beschichtet. Aus welchem Winkel man die Twintrax auch betrachtet – man findet überall unorthodoxe Lösungen, die von ausgeprägter Liebe zum Detail zeugen. Allein um die Kotflügel anzufertigen, absolvierte Madaus beispielsweise einen Handwerkkurs im Bördeln, Sicken und Dengeln von Blech. Sämtliche Verkleidungsteile wie die Abdeckung des Transmissionsantriebs, des Tanks oder auch des Scheinwerfers formte der Designer vorab mit Clay, einer Modelliermasse, die an Knete erinnert. Fürs Schweißen des Rahmen aus Präzisionsstahl engagierte er einen zertifizierten Kernreaktorschweißer. Bauteile wie Schwinge, Räder oder auch das Innenleben der Schalldämpfer konstruierte der Maschinenbauer per Computer und ließ sie bei namhaften Unternehmen herstellen.
Viele Anfertigungen – so zum Beispiel das obskure Krümmergedärm aus 44er-Rohren – waren nicht geplant, sondern ergaben sich im Lauf der Konstruktionszeit. In zwölf langen Jahren. Im Mai 2007 drückt Christoph Madaus zum ersten Mal auf den Starterknopf. Vier Liter Öl kreiseln durch die Adern der Maschine. Frische ME 880 Marathon-Bereifung klebt auf den Fischer-Scheibenrädern. Die alten Reifen waren unbenutzt und knüppelhart, Verfallsdatum abgelaufen, hergestellt 1994. Zwei Gel-Batterien versorgen den Anlasser, drehen nur wenige Sekunden. Anschließend stieben die Vögel aus den Wipfeln des Kölner Stadtwalds. Der Sound aus den beiden Supertrapp EAR-Töpfen ist kernig, durch die eigenwillige Zündfolge der vier Zylinder einzigartig. Genau wie die extrem lang gestreckte Sitzposition, denn der Abstand zwischen Sattel und Lenkerstummel beträgt rund einen Meter. Oder die dragstermäßige Anordnung der Fußrasten. Oder das Gefühl, 45 Millimeter dicke Griffe zu umfassen.
»Eigentlich fehlt nur noch das Kennzeichen«, sinniert Christoph Madaus. Skeptisch wirft man dann einen Blick auf die Twintrax, deren Lenkeinschlag »wesentlich größer ist als bei einer Ducati«. Denkt jedoch im selben Moment: Ein Mann, der ein solches Werk geschaffen, diese unendlich lange Zeit investiert hat, der wird auch die letzte Hürde überspringen. Die TÜV-Hürde.

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