Vorstellung Streetfighter-Umbauten<br>Bike Side-Honda X-Eleven und <br>Dito Suzuki GSX 1300 R Hayabusa

Waschen, föhnen, fegen

Eine Honda X-Eleven und eine Suzuki Hayabusa fuhren zum Frisör. Und wurden zum Streetfighter umgestylt. Die Story zum Schnitt.

Ein neuer Haarschnitt kann – wenn er gelungen ist – wie ein neues Leben sein. Er puscht das Selbstwertgefühl in höchsten Sphären, verschafft einem ein erfolgreiches Auftreten. Ähnliches gilt fürs Motorraddesign. Die Gemeinsamkeiten zwischen auf neudeutsch Hair- und Bikestylisten: Beide kreieren eine neue, individuelle Optik, beide wollen aus Memmen echte Männer machen und verbannen die Langeweile aus den Gesichtern. Sorgen für einen neuen Kick.
Beginnen wir mit dem einfacheren Schnitt. Typ bürotauglich. Für Rechtsanwälte, Manager und Notare haargenau das Richtige: die Honda X-Eleven von Bike Side aus Durmersheim bei Karlsruhe. Fahrwerk und Motor und ließen die Figaros nahezu unangetastet, widmeten sich hauptsächlich der äußeren Erscheinung. Liebevoll legt sich die Farbe Silbermetallic über die Anbauteile, integriert harmonisch den Aluminiumrahmen und die polierten Felgen der Elfhunderter. Der schnöde Rundscheinwerfer musste einer Frontverkleidung im Fuchsblick-Look weichen, die Original-Endschalldämpfer ersetzen leichte Karbon-Tröten von Devil. Der kleine, gekröpfte und im Verhältnis zum massigen Motorrad zierlich wirkende Lenker wurde zugunsten eines breiten Superbike-Alulenkers mit aufgesetzter Gabelbrücke in die Gerümpelkammer verbannt. Abdeckungen und Blenden aus Karbon zieren das Heck, den Wasserkühler sowie das Hinterrad und tragen maßgeblich zum schnittigeren Design bei. Auffällig, aber gefällig.
Ganz im Gegensatz zum Suzuki-Hayabusa-Umbau aus Dito’s Bike Shop in Otterbach bei Kaiserslautern. Sehen und gesehen werden lautet hier die Devise. Der Schnitt lässt keine Frage offen, wirkt aggressiv, anarchistisch, aufmüpfig. Passend zur geballten Power des Hayabusa-Motors. 13 Kilogramm als die Serie wiegt die 1300er mit neuem Schnitt: kleinere Verkleidung und Batterie, neu gestyltes Rahmenheck, andere Gabelbrücken, Mini-Scheinwerfer, diverse geänderte Kleinteile. Auch in diesem Fall blieben Fahrwerk und Motor weitgehend unverändert. Dafür ließen die Meisterfigaros bei der lackierung der Fantasie freien Lauf, ebenso bei der Veränderung der Ergonomie: Auf dem Heck Marke Eigenbau findet der Fahrer sein Plätzchen und greift breitarmig sowie nach vorn gebeugt nach einem Superbikelenker – ideal, wenn man Rasierklingen unter den Armen trägt. Oder jahrzehntelanges Bodybuilding erfolgreich absolviert hat. Ein perfekt geschnittenes Bike für alle, die nicht nur im Studio mit den Gewichten, sondern auch auf der Straße mit der Maschine kämpfen wollen.
Denn sie ist ein wenig bockig, die Dito-Hayabusa. Lenkt sich widerspenstig ein, will mit Körpereinsatz durch Kurven gehievt werden. Alles erfordert ein klein wenig mehr Arbeit als nötig. Zudem wird der Lenkeinschlag durch die zu breit gestalteten Lufteinlässe des Ram-Air-Systems begrenzt. Der Grund fürs schlechte Handling: die Sitzpostion: Nahezu das gesamte Gewicht des Oberkörpers stützt sich mehr über den Lenker als über die Sitzbank ab. Und der ist auch noch so ungünstig gekröpft, dass die Arme nach kürzester Zeit verkrampfen. Der Fahrer kann sich nicht des Gefühls erwehren, auf einem Stier zu reiten und sich an dessen Hörnern festzuhalten.
Aber nach einer Eingewöhnungsphase – schließlich braucht es auch ein paar Stündchen, bis einem die neue Frisur selbstverständlich erscheint – kann man sich damit arrangieren. Sicher, jede Serien-Hayabusa jagt leichter ums Eck, doch spätestens am nächsten Treffpunkt hebt man sich wieder wohltuend von diesen ab. Zieht neugierige oder neidische Blicke auf sich.
Manchmal freilich auch hämische. Denn das, was vom Mythos Speed noch übrig ist, versteckt sich hinter einem Outfit mit dem Cw-Wert einer Bernhardiner-gerechten Hundehütte. Die 300-km/h-Grenze erscheint wie einst die Berliner Mauer: unüberwindlich. Schon ab 200 km/h wird es ungemütlich, zerrt der Wind am Helm, knetet den Oberkörper wie ein türkischer Masseur im Fieberwahn. 260 km/h sind nur mit sehr kräftigen Nackenmuskeln möglich – Stichwort Krafttraining. Überraschenderweise läuft die GSX 1300 R trotz der Unruhe, die der Wind über den segelstangenförmigen Lenker einbringt, nahezu stabil geradeaus. Quittiert die Kastration der Verkleidung jenseits der 260 jedoch, je nach getragener Jacke oder Körpergröße, mit Fahrwerksunruhen.
Von leichten Fahrwerksunruhen ab 200 km/h weiß der Honda-Pilot ebenfalls zu berichten. Auch bei der X-Eleven werden die Unruhen über den Superbikelenker in Verbindung mit dem Fahrtwind verursacht. Allerdings ist dies fast das Einzige, worüber es zu klagen gilt. Wenn man sich mit der leicht angechoppten Sitzpositon anfreunden kann. Denn die Fußrasten sind X-Elven-typisch hoch und einen Tick zu weit vorn positioniert und sorgen in Verbindung mit dem Lenker für eine sehr aufrechte Haltung. Eine geänderte Fußrastenanlage ist beim Bike-Side-Frisiersalon in Vorbereitung. Übrigens sind die Umbauteile für die Elfhunderter nicht nur passgenau und durchdacht, sondern fügen sich auch harmonisch in das Gesamtbild.
Leichtfüßig durchzirkelt die Honda alle Arten von Kurvenradien, widerstandslos folgt sie den Impulsen des Fahrers. Die kleine Lampenmaske schneidet aus dem Fahrtwind eine Tunnel für den Oberkörper, das Licht allerdings verteilt sich reflexförmig in V-Form über die Fahrbahn und kommt an die Ausbeute des Originalscheinwerfers nicht ganz heran. Ähnliches ist über die kleinen Glubschaugen der Dito-Hayabusa zu vermelden. Trotzdem – die TÜV-Prüfer sahen genügend Licht im Dunkel, erteilten ohne haarsträubende Aktionen ihren Segen, zumindest dem neuen X-Eleven-Schnitt. Figaro und Diplom-Ingenieur Klaus Dony von Bike Side liefert alle Umbauteile mit EG-ABE oder TÜV-Gutachten aus. Bei Kollege Dirk Klöpfer von Dito’s Bikestyle hingegen muss das Fahrzeug, sollte es ähnlich wie das Testexemplar ausgestattet sein, per Einzelabnahme über die TÜV-Hürde springen.
Zu guter Letzt sei noch der entscheidende Unterschied zwischen Hair- und Bikestylen erwähnt: der Preis. 3376 Mark sind es bei der Honda, 6856 Mark verlangt der freundliche Hayabusa-Frisör für waschen, föhnen, fegen. Tönung kostet extra. Dafür hält beim Motorrad der neue Schnitt in der Regel länger. Doch ansonsten ist es wie im richtigen Leben: Wer schön sein will, muss leiden – oder zahlen.
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Technische Daten Bike Side Honda X-Eleven

MotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 42 mm, Motormanagement, geregelter Katalysator, E-Starter.Bohrung x Hub 79 x 58 mmHubraum 1137 cm³Nennleistung (ECE) 100 kW (136 PS) bei 9000/minMax. Drehmoment 113 Nm (11,5 kpm) bei 7000/minKraftübertragungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkBrückenrahmen aus Aluprofilen, geschraubtes Rahmenheck, Motor mittragend, Telegabel, Standrohrdurchmesser 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluprofilen, Zentralfederbein direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Dreikolbensättel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Ø 310 mm, Scheibenbremse hinten, Dreikolbensattel, Ø 256 mm, Integralbremssystem.Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17FahrwerksdatenLenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 102 mm, Radstand 1500 mm, Federweg v/h 120/120 mmMaße und GewichteSitzhöhe* 800 mm, Gewicht vollgetankt* 252 kg, Zuladung 190 kg, Tankinhalt/Reserve 22/4 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben Schwarz, BlauGrundpreis inkl. MwSt. 19 640 Markgeänderte TeileCockpitverkleidung, Soziusabdeckung, Bugspoiler, Mini-Kotflügel, Carbon-Hinterradabdeckung, Carbon-Kühlerverkleidung, Heck-Innenverkleidung, Superbikelenker-KitUmbaukosten 3376 Mark ohne LackierungInfos: Honda Center Goldstein, 76571 Gaggenau, Telefon 07225/964980 oder Firma Bike Side, 76448 Durmersheim, Telefon 07245/108823, www.bikeside.de * MOTORRAD-Messungen

Technische Daten Dito’s Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

MotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 46 mm, Motormanagement, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, E-Starter.Bohrung x Hub 81 x 63 mmHubraum 1299 cm³Nennleistung (DIN) 129 kW (175 PS) bei 9800/minMax. Drehmoment 138 Nm (14,1 kpm) bei 7000/minKraftübertragungHydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkBrückenrahmen aus Aluprofilen, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Sechskolbensättel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Ø 320 mm, Scheibenbremse hinten Zweikolbensattel, Ø 240 mm.Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17FahrwerksdatenLenkkopfwinkel 65,8 Grad, Nachlauf 97 mm, Radstand 1485 mm, Federweg v/h 120/140 mmMaße und GewichteSitzhöhe* 785 mm, Gewicht vollgetankt* 238 kg, Zuladung 192 kg, Tankinhalt/Reserve 22 Liter.Garantie zwei Jahre ohne KilometerbegrenzungFarben Rot/Silber, Blau/Silber, Schwarz/SilberLeistungsvarianten 72 kW (98 PS)Grundpreis inkl. MwSt. 24 320 MarkNebenkosten 270 MarkTeileEndschalldämpfer G&G, Verkleidung mit H4-Doppelscheinwerfer, Heckumbau-Kit inklusive Rahmen, Bugspoiler, RAM-Air Tankabdeckungen, Sitz-Lederschalen, Superbike-Lenkerumbau, GabelbrückenUmbaukosten 6856 Mark ohne LackierungInfosDito’s Bikestyle, 67731 Otterbach, Telefon 06301/5946 oderwww.ditos-bikestyle.de * MOTORRAD-Messungen

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