Vorstellung Triumph T 695 (Archivversion)

Das dritte Gebot

Triumph zieht nach: Bei Testfahrten wurde die brandneue T 695 erwischt, die Hondas VFR und Ducatis ST 2 Konkurrenz machen soll.

Fehlender Mut ist Triumph-Chef John Bloor unbekannt. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, hier ist er: die neue Triumph T 695, die offiziell auf der INTERMOT in München vorgestellt wird.Daß in Hinkley gute Motorräder gebaut werden, daran hegt niemand mehr Zweifel. Trotzdem zeugt die Positionierung der T 695, deren endgültige Bezeichnung noch nicht feststeht, von Selbstvertrauen. Schließlich tummeln sich im Segment der Sporttourer bie 1000 Kubik zwei Gegner, die ihre Qualitäten bereits bewiesen haben: Hondas Dauerbrenner VFR, jüngst runderneuert, und Ducatis ST 2, die auf Anhieb überzeugte.Doch bei Triumph ist man vom Erfolg der 695 überzeugt, denn die Dritte im Bunde verfügt über ein technische Rüstzeug, das dem der Gegner mindestens ebenbürtig ist. Die Fakten: Um den 956 Kubikzentimeter großen Dreizylinder der Daytona, der zugunsten einer fülligeren Drehmomentkurve mit einer zahmeren Nockenwelle versehen wurde, schmiegt sich bei der T 695 nun ein Brückenrahmen aus Aluminium-Profilen, der jenen fernöstlicher Produkte zum Verwechseln ähnlich sieht. Das bisherige geschwungene Rohrwerk fiel dem Rotstift zum Opfer. In Rente geschickt wird bei der T 695 auch der ovale Endtopf, den ein Rundrohr aus Aluminium ersetzt. Von der Daytona übernommen wird dafür neben den exzellenten Nissin-Bremsen auch die Einarmschwinge, während sich im Gegensatz zu der sportlichen Schwester bei der Telegabel lediglich die Federvorspannung verändern läßt. Der Sporttourer rollt auf Reifen der Dimension 120/70 und 180/55.Der eigentliche Clou aber steckt unter der Verkleidung: Der Dreizylinder schickt seine Abgase nun durch einen geregelten Katalysator ins Freie. Eine Technik, die laut Triumph-Marketingleiter Martin Driehaus sukzessive auch bei den übrigen Modellen mit Einspritzung Verwendung finden wird. In der offenen Version soll der Motor 110 PS leisten.Ein feines Detail bietet die Triumph auch, wenn touristische Qualitäten gefragt sind. Um das als Zubehör lieferbare Koffersystem standesgemäß anbringen zu können, läßt sich der sportlich hochgereckte Alu-Endtopf für die große Fahrt tieferlegen. Der Preis für die in Rot und Schwarz lieferbare T 695 steht noch nicht fest. Die Wunschvorstellung des deutschen Importeurs liegt »unter 20 000 Mark«, günstiger als die Daytona (21 325 Mark) wird sie aber in jedem Fall. Damit steht das dritte Sporttourer-Angebot nicht nur konzeptionell, sondern auch preislich ganz nahe bei den Konkurrentinnen.
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Triumph T 695 (P) (Archivversion) - Die Konkurrenten

Die Evolution treibt auch im Motorradbau mitunter seltsame Blüten. Beispiel Honda VFR: Als Sportler gestartet, mutierte sie zu einer eigenen Gattung, dem Sporttourer. Hier war sie jahrelang unangefochten, eroberte eine große und treue Fangemeinde. Mit der Ducati ST 2 erwuchs ihr nun eine ernsthafte Gegnerin (Vergleichstest MOTORRAD 7/1998).Beide vertrauen beim Motorenlayout zwar auf das V-Konzept und Einspritztechnik, damit hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Zwei- (Ducati) oder Vierzylinder (Honda), so lautet die Glaubensfrage. Das Hubraumdefizit der Honda (782 zu 944 Kubikzentimeter) fällt dabei, bezogen auf die Fahrleistungen, nicht ins Gewicht. Im Gegenteil: Sowohl in der Endgeschwindigkeit (238 zu 222 km/h) als auch in der Beschleunigung (0 - 100 in 3,4 zu 3,5 Sekunden) und im Durchzug (60 auf 100 km/h in 5,1 bzw. 5,8 Sekunden) distanziert sie die Ducati. Doch Fahrleistungen sind nicht alles. Wichtig bei Sporttourern: Das Fahrwerk und die Ergonomie des Arbeitsplatzes müssen passen. Auch hier entpuppt sich die Honda als Alleskönner, gleichermaßen handlich, spurstabil und bequem, während die Ducati ebenfalls komfortabel, aber eine Spur härter und sturer ist. Dafür besticht die Italienerin mit einem unbeirrbaren Geradeauslauf.Ein Patt herrscht beim Preis: 19 990 Mark kostet die Ducati, 19 890 die Honda (jeweils zuzüglich Nebenkosten). Da läge Triumph Deutschland mit »unter 20 000 Mark« genau richtig. So wie in Sachen Abgasreinigung. Triumph und Honda haben einen geregelten Katalysator,die Ducati hinkt diesbezüglich hinterher.

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