Vorstellung Yamaha MT-01 Vision und Wirklichkeit

Selten werden Visionen und Träume wahr. Bei der neuen Yamaha MT-01 ist es geschehen, sie schaffte den Weg von der Studie zur Serie. Und lässt prompt neue Träume entstehen.

Foto: Yamaha
Schwarz und böse: 2005 kommt die MT-01
Schwarz und böse: 2005 kommt die MT-01
Was wissen wir sicher über die neue Yamaha MT-01? Zum jetzigen Zeitpunkt wenig, aber wenigstens das Wichtigste: Sie wird im September auf der
Intermot in München vorgestellt und soll ab dem Frühjahr 2005 mit ihrer Drehmomentgewalt Europas Straßen massieren. Dazu passend sieht sie ziemlich scharf
und martialisch aus. Schwelgt in schwarz-
silbernen Kontrasten, trägt ein mächtiges Luftfilter- und Tankgebirge, das sich über dem ohnehin hoch bauenden Motor auftürmt. Im tiefen Tal darunter liegt eine knapp geschnittene Sitzbank, an deren Flanken sich zwei dicke, konische Schalldämpfer nach hinten recken. Streetfighter-Look,
ein geschicktes Spiel mit Monumentalität und Eleganz, wie es bei Naked Bikes vom Schlag der Benelli TnT momentan sehr
angesagt ist, kennzeichnet die MT-01.
Damit ist das Serienmotorrad eine praktisch verlustfreie Umsetzung der MT-01-Studie (siehe Seite 22 unten), die im Spätherbst 1999 bereits Furore machte. Was sich tatsächlich geändert hat – die Aufnahmen der radial verschraubten, vorderen Bremszangen, der Verzicht auf das seitlich liegende Federbein –, nimmt dem Entwurf nichts von seinem gepflegt-brutalen Charme. Der Schwung der Auspuffkrümmer sieht sogar noch schöner aus als die gerade Rohrführung im ersten Entwurf. Und dass die hintere Bremsscheibe jetzt nicht mehr rechts neben dem Kettenrad sitzt, tut dem Konzept keinen Abbruch.
Zumal die Fahrdynamik-Idee, die hinter der Studie steckte, sogar noch stärker
betont wird: einen riesigen V2, wie er
bislang nur in Cruisern zu finden war, in
einem Fahrwerk zur Geltung zu bringen, das nicht nur fürs entspannte Gleiten,
sondern auch für richtige Kurvenaction gut ist. Dieser riesige V2 war 1999 noch der Motor der 1600er-Wild Star, wird aber im Serienmotorrad ein leistungsgesteigerter 1670er sein, der aus der Road Star Warrior stammt. Mit 97 Millimeter Bohrung und langen 113 Millimeter Hub leistet der schon 86 PS und drückt 140 Nm. Durch maßvolle Erhöhung der Nenndrehzahl von 4400 auf um die 5000 Umdrehungen
sollten in der MT-01 knapp 100 PS machbar sein. Möglicherweise liegt dann das Drehmomentmaximum durch die Steigerung der Drehzahl aber nicht mehr ganz so hoch. Wie auch immer, an Zugkraft wird es diesem Brummer sicherlich nicht mangeln. Und weil ja auch die bösen und großen
unter den Motorrädern meist sehr gut erzogen sind, sorgen U-Kats und ein Sekundärluftsystem für schadstoffarmen Schub.
Dass Yamaha den Fahrwerksbau überaus ernst genommen hat, kann man daran ersehen, dass die Upside-down-Gabel, die groß dimensionierten Gabelbrücken, die Bremszangen und die Radialbremspumpe so auch in einer YZF-R1 stecken könnten. Ebenso wäre die Hinterradschwinge, als Gussteil mit versteifenden Unterzügen ausgeführt, in einem Supersportler keine Fehlbesetzung. Wie man am Fahrbild der MT-01 auf Seite 20 gerade noch erkennen kann – da ragt unten vor der Schwinge
ein kleiner Knubbel ins Licht –, steht das Federbein leicht nach links versetzt hinter dem Triebwerk. Den Platz links vorne am Motor, der ursprünglich für die Federbeinaufnahme vorgesehen war, nimmt jetzt der Öltank der Trockensumpfschmierung ein.
Leichte Verwirrung stiftet Yamaha bei der Frage nach dem Zweipersonenbetrieb. Ein Soziusnotsitz – immerhin – ist ja schemenhaft zu erkennen. Wo der geschätzte Passagier aber seine Füße abstellen und wie er mit den Beinen an den Auspuffrohren vorbeikommen soll, wird anhand der Bilder nicht klar. So viel ist jedoch
glasklar: Für längere Touren zu zweit ist
die MT-01 nicht gedacht. Auch damit passt sie bestens zu modernen Naked Bikes.
Trotz der Nähe in manchen Stilelementen – Yamaha ist im Begriff, etwas wirklich Neues, Eigenständiges auf den Markt zu bringen. Solch einen Motor traute sich noch kein großer Hersteller in solch ein Fahrwerk zu setzen. Gut fürs weiterträumen. Man stelle sich eine wohl gerundete, weit herumgezogene Kurve vor, denke sich auf der MT-01 knackig schräg hängend mitten hinein. Und freue sich auf den
Moment, wenn einen der 1670er freundlich brummend, aber unnachgiebig vorwärts-auswärts drehmomentet.

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