Wankel AG bekundet Interesse am Zschopauer Motorradhersteller Wende bei MZ?

Der Motorenhersteller Wankel AG ist offensichtlich an einer Übernahme des angeschlagenen Motorradbauers MZ interessiert. Die “Freie Presse“ meldet, dass Mario Häberer, Vorstandsvorsitzender der Wankel AG, und der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk bereits erste Gespräche geführt haben. Dies wurde von MZ-Mitarbeitern gegenüber MOTORRADonline bestätigt, zugleich wurde jedoch betont, man stehe mit einer Vielzahl von Investoren in Kontakt und es gebe nach wie vor keinerlei konkrete Zusagen.

Nach dem Aufkauf der Wankel-Konkursmasse gründete Häberer 2002 die Wankel AG. Dort werden in kleinen Stückzahlen Kreiskolbenmotoren, hauptsächlich zum Einsatz in Leichtflugzeugen, Sportbooten und Karts gefertigt. Das Interesse der Wankel AG an der Motorradmanufaktur scheint nachvollziehbar, schließlich war MZ in den sechziger Jahren der weltweit erste Hersteller, der ein Motorrad mit Wankelmotor präsentierte. Häberle sieht Chancen für die Etablierung eines Sportmotorrads mit Wankelmotor. Allerdings kann die Wankel AG die geforderten fünf Millionen Euro für Marke und Werk von MZ nicht aufbringen. Häberer hofft auf Darlehen zu Sonderkonditionen, eine staatliche Bürgschaft und die Gründung einer Beteiligungsgesellschaft. Die Meldung einer möglichen Rettung der Motorrad und Zweiradwerk GmbH aus Zschopau wird in MZ-Foren bereits heiß diskutiert. Nüchtern betrachtet entpuppt sich die vermeintliche Sensation jedoch als reine Spekulation. Der Ministerpräsident des Freistaates Stanislaw Tillich hat den Erhalt von MZ zur Chefsache erklärt und eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Investorensuche befasst. Bei MZ ist man mit der Arbeit dieser Gruppe sehr zufrieden, man stehe fast täglich in Gesprächen mit Interessenten. Es mangelt also nicht an Interessenten, sondern vielmehr an potentiellen Investoren, die über genügend finanzielle Mittel verfügen, um MZ langfristig eine Perspektive bieten zu können. Schließlich ist nach jahrelangen Verlusten davon auszugehen, dass bei MZ erst kräftig investiert werden muss, bevor das Unternehmen wieder schwarze zahlen schreiben kann. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob die Wankel AG bei MZ zum Zug kommt.

Das Traditionsunternehmen MZ wurde nach der Wende durch massive Landeszuschüsse am Leben gehalten, seit 1996 ist es im Besitz des asiatischen Mischwarenkonzerns Hong Leong. Teil der Strategie der neuen Geschaftsleitung war, mit kleinvolumigen Maschinen vor allem in Schwellenländern hohe Stückzahlen zu erzielen. Der Motorradhersteller konnte jedoch nie die Gewinnzone erreichen, schließlich zog Hong Leong die Konsequenzen und verkündete die Werksschließung bis Jahresende.
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