Wüdo-BMW 1170 Drago (Archivversion) Morgens Dragonal...

...abends Elmex. Dazwischen Frühlingsgefühle pur und der Atem frischen Fahrtwinds. Die Wüdo 1170 Drago schützt zuverlässig und anhaltend vor Langeweile.

Tatort Hausstrecke. Hundertmal schon gefahren, diese verdammte Kehre. Zuerst welliger, orangenhäutiger Asphalt, auf dem das Fahrwerk beim Anbremsen mächtig einstecken muss, anschließend ein fieser Knick im Scheitelpunkt. Zwei Radien in einem. 100 km/h zeigt der Tacho. Implosionsartig saugen die Stopper der Drago Speed auf. Die Federelemente arbeiten, als wären Straßenoberfläche und Reifengummi magnetischer Nord- und Südpol. Sachte einlenken, runter in Schräglage. Extrem präzise folgt die Drago der Blickführung des Fahrers, fügt sich widerstandslos jedem klitzekleinen Lenkbefehl. Jetzt zieht sich die Kehre zu. Erneutes scharfes Abwinkeln, die Fußraste kratzt, trotzdem vollstes Vertrauen. Kurvenausgang, den Gaszug vorsichtig spannen und einfach genießen.Hemmungslos schiebt die Drago an, legt bei 5000/min gegenüber einer ebenfalls doppelzündigen BMW R 1150 R Rockster eifrig nach. Stolze elf PS mehr, also deren 96, drückt die Drago im Vergleich zur Rockster bei 7900/min. Und ist darüber hinaus sogar bereit, trotz roten Bereichs bis 8300/min zu drehen, während bei der Rockster der Begrenzer dem Treiben ein Ende setzt.Der Dortmunder Spezialist Wüdo (Telefon 02301/91880) hat für die Mehrleistung viel Aufwand betrieben. Im Motor der 1170 Drago, einer getunten R 1150 R, rotieren eine speziell gewuchtete Kurbelwelle plus Pleuel der R 1200 C. Dadurch vergrößert sich der Hub um 1,5 Millimeter auf 73 Millimeter – der Gesamthubraum wächst damit auf 1170 cm3. Den gleichen Wert wie bei der R 1200 C, die Hersteller BMW marketingtechnisch jedoch als 1200er anpreist. Die Hubraumerweiterung ist allerdings nicht allein für den Leistungszuwachs verantwortlich.Die Zylinderköpfe wurden zugunsten höherer Strömungsgeschwindigkeit und ergo besserem Füllungsgrad der Brennräume bearbeitet. Leichtere und modifizierte Kolben erhöhen die Verdichtung auf 11,9:1. Weiterhin kommen Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten, eine Doppelzündung und ein angepasstes Kennfeld zum Einsatz. 105 optimistische PS gibt Wüdo an. 96 versammeln sich auf dem MOTORRAD-Prüfstand.Egal. Der Motor hängt sehr sauber am Gas und marschiert mit urgewaltiger Kraft durch die Drehzahlsphären. Irgendwo zwischen 5000 und 8000/min fühlt er sich am wohlsten. Und katapultiert die Drago förmlich vorwärts. Ein Ereignis, das man in dieser Form von einer braven BMW gar nicht erwartet. Die letzten Puzzlestücke zum perfekten Fahrgefühl sind zum einen die montierten Bridgestone BT 010. Sie harmonieren fantastisch mit dem Fahrwerk, führen die 246 Kilogramm choreographisch exakt im Einklang mit den Lenkimpulsen und ermöglichen jegliche Schräglage. Zum anderen wehren die optimal abgestimmten Wilbers-Federelemente nahezu jegliche Angriffe ab und führen beide Räder mit bedingungslosem Gehorsam am Boden. So viel Spaß hat seinen Preis. Das Motortuning erleichtert das Konto um rund 3900 Euro. Darüber hinaus muss der Sprit von Shell sein. Nur das teure, 100-oktanige V-Power soll lästiges Klopfen im Volllastbereich unterbinden. Marginalien im Vergleich zu der Gewissheit, zu allen Jahreszeiten Frühlingsgefühle zu genießen.

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