Yamaha Crosser Der Umkehr-Schluss

Hat da jemand den Ingenieuren den Kopf verdreht? Yamaha bringt einen 450er-Cross-Motor mit gewendetem Zylinderkopf: Einlass nach vorn, Auslass nach hinten gerichtet.

Alles schon mal dagewesen – das gilt ja für beinahe jede neue Erfindung, die heutzutage als technische Sensation verkauft wird. So auch für den neuen Yamaha-Crosser YZ 450 F: Ein ganz ähnliches Konzept gab es zuletzt vor einigen Jahren, als der Fahrradspezialist Cannondale 2001 eine Hightech-Offroad-Maschine mit umgedrehtem Zylinderkopf vorstellte. Dass diese bereits kurze Zeit später wieder vom Markt verschwand, lag weniger an der innovativen Konstruktion selbst, als an einer nicht völlig ausgereiften praktischen Umsetzung und an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der US-Firma. Prinzipiell ist nämlich die Idee, den Kopf einfach umzudre-hen, verlockend. MOTORRAD entwarf bereits 1997 in der Studie Enduro 2000 ein solches Triebwerk (siehe MOTORRAD 14/1997). Man kann den Einlasskanal dadurch schön gerade nach oben führen, was für die Zylinderfüllung und somit für die Leistung förderlich ist. Der Krümmer muss sich nicht um den Motor herum nach hinten schlängeln. Und der nach hinten gekippte Zylinder bietet Vorteile in Bezug auf die Massenzentralisierung. Im gleichen Atemzug stellt Yamaha den 450er-Motor – wie schon beim Supersportler R1 geschehen – von fünf auf vier Ventile um. Und außerdem wurde dem Crosser nun eine platz-sparende Einspritzung spendiert. Ein weiteres Detail, das aus dem Straßenbereich übernommen wurde, ist der Offset des Zylinders gegenüber der Kurbelwellenachse. Dies mindert die Reibung zwischen Kolben und Zylinderwandung, weil das Pleuel im Moment des höchsten Verbrennungsdrucks weniger schräg angestellt ist, was die senkrecht zur Zylinderachse verlaufende Kraftkomponente verringert. Auf das sogenannte Packaging, also die Anordnung der einzelnen Komponenten, wirkt sich die Kehrtwende des Kopfs in gravierender, überwiegend vorteilhafter Weise aus. Die Airbox mit Luftfilter findet sich nun hinterm Lenkkopf, wo sie weniger Staub und Dreck schlucken muss als in der Nähe des Hinterrads. Der Tank kann weiter nach hinten und tiefer rutschen, auch das ist in punkto Massenverteilung erfreulich. Dem gleichen Zweck dient es, dass das Federbein nach vorn gekippt werden kann, weil ja die Airbox unterm Sitz entfällt. Keine Rose ohne Dornen, Nachteile hat das Konzept auch. Zum Beispiel ist es schwierig, die erfor-derliche Krümmerlänge unterzubringen. Die Japaner lösen das Problem durch eine kurios erscheinende Schleife unterm Sitz. Fahrwerk und Federung der YZ bleiben hingegen ziemlich konventionell, was ja auch keine schlechte Nachricht ist.
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Ein Blick zurück

Es sollte der ganz große Coup werden: Der US-Fahrradhersteller Cannondale konstruierte vor kapp zehn Jahren eine damals revolutionäre Enduro mit umgedrehtem Zylinder-kopf, Alu-Chassis und Einspritzung. Leider geriet die Firma in finanzielle Turbulenzen, so dass nur wenige Maschinen gebaut wurden. Foto: fact

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