Yamaha GTS 1000 A (Archivversion)

Das war ein Techno-Knaller! Die Besonderheiten der GTS 1000 haben beim Debüt 1993 wohl kaum jemanden kalt gelassen. Allein die augenfällige Achsschenkellenkung! Sehgewohnheiten von damals orientierten sich an altbekannten Telegabeln, und auch heutzutage kann der Betrachter den Blick von dieser exotischen Konstruktion kaum abwenden. Die Augen wandern weiter zur avantgardistischen „Omega“-Rahmenkonstruktion aus Aluminium und Stahl, die das Motorrad noch immer futuristisch anmuten lässt. Der Motor: der abgewandelte Vierzylinder aus dem Brachial-Sportler FZR 1000, für Sporttouristen auf 100 PS gekappt, dafür auf mehr Durchzug getrimmt. Benzin wird elektronisch eingespritzt, die Rückstände verbrannten Kraftstoffs durch einen geregelten Kat geleitet. Inzwischen kaum noch bemerkenswert, war dies vor 15 Jahren sehr fortschrittlich. Insgesamt blieb es bei der GTS meistens bei neugierigen Blicken. Das belegen die Zahlen: Bis zum Baustopp 1996 verkauften sich von der 1000er nur rund 1200 Stück. In der Praxis konnte eben außer den hervorragenden Bremsen mit fein ansprechendem Antiblockiersystem die übrige Technik kaum die hohen Erwartungen erfüllen, die man ans sehr anspruchsvolle Hochpreis-Segment stellte. Und das Fahrwerk musste aufgrund einer unvorteilhaften Bereifung viel Kritik einstecken – der breite 130er vorn sorgt für heftige Unruhe, deshalb ist eine Umrüstung (mit frei verfügbarem Teilegutachten) auf eine 120er-Dimension unbedingt empfehlenswert. Bei GTS aus zweiter Hand ist das oftmals schon erledigt, und die extravagante Yamaha entpuppt sich dann als tolle Touringmaschine – superbequem und sehr zuverlässig noch dazu. Eben mehr als ein Fan-Objekt und aktuell zu einem Kurs zu ergattern, der Zugreifen statt nur Anschauen erlaubt.


Plus
Motor mit G-Kat und Durchzug satt
Bremsen einwandfrei, fein regelndes ABS
Zuladung großzügig, voll reisetauglich

Minus
Gewicht sehr hoch
130er-Vorderreifen bringt Unruhe ins Fahrwerk
Verbrauch bei flotter Autobahnfahrt deutlich über acht Liter


Marktsituation
Gebrauchte GTS sind auf dem Markt eher rar. Ein etwas höherer Suchaufwand führt Interessenten jedoch nach einiger Zeit ziemlich sicher zum Erfolg. Die wenigen Gebrauchten stehen erfreulicher-
weise meist beim Händler, bei Privatangeboten handelt es sich überwiegend um liebevoll gepflegte Maschinen mit Scheckheft. Ab 3000 Euro
ist der Technologieträger von einst als gute Gebrauchte zu ergattern, allerdings muss sich der Interessent auf Laufleistungen von min-destens 50000 Kilo­metern einstellen. Um 4000 Euro sollte die Maschine nicht mehr als 40000 Kilometer auf der Uhr haben und technisch absolut fit dastehen.


Daten (Baujahr 1998)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1003 cm³, 72 kW (98 PS) bei 9000/min, Gewicht 279 kg, Zuladung 221 kg, Tankinhalt/Reserve 20/3 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 226 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,6 l/100 km, Normal


Tests in MOTORRAD
6/1993 (VT), 16/1994 (VT), 20/1994 (LT), 12/1998 (T)

LT=Langstreckentest, T=Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.gts1000.net, www.gts1000page.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike877.htm

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