Yamaha MT-01, Modell 2007 (Archivversion) mehr biss

Das Beste vorweg: Die Yamaha MT-01 bleibt sich 2007 treu. Ein fetter V2-Motor samt antiquierten Stoßstangen im
Aluminium-Fahrwerk mit Upside-down-Gabel. Einzig, nicht artig. Der Power-Roadster lebt von Kontrasten, ist sportlich, allerdings 260 Kilogramm schwer. Doch einmal Platz genommen und den Big-Twin gestartet, wirkt
die Welt wie verwandelt. Dann fühlt sich die MT-01 voll in ihrem Element, schnalzt ungeheuer mächtig von der Kupplung. Puh, das Walross unter den Motorrädern.
Der 1670 cm3 messende V2 drückt bereits bei 3750 Umdrehungen bullige 150 Newtonmeter Drehmoment auf die 190er-Heckwalze. Stichwort Kupplung: Die wird wie gehabt hydraulisch betätigt. Sie kommt erst auf den letzten Millimetern Hebelweg und braucht für japanische Ware recht hohe Handkraft. Heuer erhielten Kupplung und Vorderbremse direkt an die Armaturen angegossene Hydraulikbehälter aus Metall. Das mag edel aussehen, aber die separaten »Plastikdosen« des alten Modells kamen im Falle eines Falles günstiger.
Statt Vierkolbensätteln verzögern nun
die Sechskolbensättel des 2007er-Supersportlers R1. Diese sind radial verschraubt und wirken fast filigran. In der Wirkung indes sind sie groß. Ordentlich dosierbar beißen zwei unterschiedlich große Belagpaare pro Sattel auf die 320er-Scheiben – das größere von vier Bremskolben betätigt, das kleinere von zweien. Alles identisch wie an der ak-
tuellen R1. Bereits die alten Bremsen waren kräftig, nun gibt’s noch härteren Tobak. Fast schon zu heftig fällt die Bremskraft aus,
vor allem bei nasser Fahrbahn. Ein ABS wäre nicht schlecht. Zum Glück wirkt die hohe Last auf dem Vorderrad als eine Art mechanischer Sturzverhinderer: Selbst bei kurzzeitig stehendem Rad schiebt die Fuhre einfach komplett drüber hinweg.
Auch sonst geht die MT-01 eigene Wege. Tritt so kräftig an, dass man immer wieder überrascht ist, wenn der Zweizylinder ziemlich früh bei 5500/min abriegelt. Dafür ist er
mechanisch und akustisch ein Erlebnis erster Güte: Hinter den armdicken Edelstahl-Krümmern sitzt eine Klappe im Auspuff. Sie optimiert den Sound der beiden wie Kanonenrohre hoch gelegten Endtöpfe. Zum Wummern gesellt sich das sanfte Pulsieren der 97er-
Kolben auf ihrer 113 Millimeter langen Reise zwischen den Totpunkten.
Die 90 PS des Langhubers sind ideal für kurvige Landstraßen. Dort erfordert die MT-01 ehrliche Einlenkarbeit am Lenker, sie ist nicht übermäßig handlich. Aber spätestens am Motorrad-Treff, wenn der schwarz lackierte
V-Twin herrlich vor sich hinknistert, ist der sportive Auftritt ein ganz großer. Gemessen an diversen Harleys erscheinen da 13459 Euro fürs Muscle-Bike MT-01 nicht mal so teuer. Mehr Biss hat sie sowieso. tsr

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