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Geballte Infos zur Yamaha MT-09 Erstes Modell der Dreizylinder-Motorenreihe

Von aktuellen Erfolgen der Dreizylinder-Modelle anderer Marken bestärkt, besinnt sich Yamaha auf ein Stück seiner Tradition und legt ebenfalls eine Dreizylinder-Motorenbaureihe auf. Als erstes Modell wurde jetzt die Yamaha MT-09 präsentiert, ein leistungsstarkes, leichtes und preisgünstiges Naked Bike.

Eine wirkliche Überraschung sind der Dreizylinder und das Motorrad, in dem er debütiert, ja nicht mehr, seit Yamaha auf der Intermot im letzten Jahr einen Prototypenmotor im Drahtseil- und Plexiglasgestell präsentierte. Weil das Ausstellungsstück aber noch ein CNC-gefrästes statt eines gegossenen Gehäuses besaß, ganz wie die in Kleinstserie von Hand gebauten MotoGP-Motoren, vermochte niemand abzuschätzen, wann der Dreizylinder in Serie gehen würde.

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847 ccm, 188 Kilogramm, 115 PS

Wirklich überraschend ist daher, wie schnell es ging: Das Serienprodukt wird ab Oktober 2013 erhältlich sein, heißt Yamaha MT-09 und ist ein puristisches, unverkleidetes Motorrad mit einem 847er-Dreizylinder-Reihenmotor und 115 PS. Dieser hängt als mittragendes Element in einem Rahmen aus Aluminium-Gusselementen, dessen Hälften miteinander verschraubt sind. Ein Blick auf das Foto des nackten Rahmens offenbart die in Sachen Gewicht und Steifigkeit optimierte Konstruktion des Rahmens, und mit berechtigtem Stolz verkündet der Pressetext, dass es den Entwicklern gelungen sei, gegenüber der mit der MT-09 vergleichbaren FZ8 aus eigenem Haus zehn Kilogramm am Fahrwerk und zehn am Motor einzusparen. Und tatsächlich: Mit nur 188 Kilogramm fahrfertig vollgetankt verspricht die neue MT, ein flinker Feger zu werden. Mit ABS soll sie nur drei Kilogramm mehr wiegen.

Schon lange vor der Präsentation der Yamaha MT-09 hatte Yamaha den Dreizylinder als sogenannten Crossplane-Motor mit dem Kürzel CP3 angekündigt und damit einige Spekulationen und Diskussionen ausgelöst. Bei den Vierzylindern der MotoGP-Maschine M1 und der YZF-R1 steht der Begriff Crossplane für eine Kurbelwelle mit 90 Grad Hubzapfenversatz, die eine ungleichmäßige Zündfolge mit 270 Grad Zündversatz und deshalb einen besonderen Schlag und Klang des Motors erzeugt. Wie sich dieses Konzept auf einen Dreizylinder übertragen ließe, war die Frage. Erinnerungen wurden geweckt an frühe Laverda-Drillinge, die gleichsam mit einer abgesägten Vierzylinderwelle mit 180 Grad Hubzapfenversatz ebenfalls eine sehr spezielle Charakteristik inklusive kerniger Vibrationen entfalteten. Jetzt ist das Rätsel gelöst. Wie die Dreizylinder von Triumph und MV Agusta - übrigens auch die späteren 1000er von Laverda - besitzt der neue Yamaha-Motor eine 120-Grad-Kurbelwelle und zündet in gleichmäßigen Abständen. Das hat sich bewährt, klingt ebenfalls sehr anregend  und der weichere Motorlauf lässt sich durch eine Ausgleichswelle weiter kultivieren. Nur der Begriff Crossplane verliert an Aussagekraft und driftet ein gutes Stück in Richtung Marketing-Worthülse ab.

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Krümmeranlage dominiert Erscheinungsbild

Abgesehen von der Zylinderzahl folgt der CP3 dem hervorragenden japanischen Konstruktions- und Fertigungsstandard mit zwei obenliegenden, kettengetriebenen Nockenwellen, vier Ventilen pro Zylinder und so weiter. Anders als andere Motoren, die zunächst für den Einsatz in voll verkleideten Maschinen vorgesehen waren, aber ähnlich wie die MV-Triples kommt der Dreizylinder der Yamaha MT-09 mit einem Minimum an Kühlwasserschlauchwerk aus, darauf haben seine Konstrukteure geachtet. So wird sein Erscheinungsbild von der kunstvoll verschlungenen Krümmeranlage dominiert, die auch beim Blick von den Seiten stets ins Auge fällt. Sie besteht aus Edelstahlrohren, die zusätzlich mit einer Nanotechnikbeschichtung versehen sind.

Am rechten Lenkerende der Yamaha MT-09 lassen sich mit einem einfachen Knopfdruck drei unterschiedliche Motorcharakteristika wählen, nämlich Standard-, A- und B-Modus. Im A-Modus soll der Drilling direkt auf Gasgriffbefehle ansprechen und vermutlich dank einer Extraportion Benzin auch mehr Drehmoment entwickeln, der B-Modus lässt ihn milder ans Werk gehen, wie dies bei Regenfahrten oder auf schlechten Straßen wünschenswert ist.

Am Fahrwerk fällt vor allem das ungewöhnliche Hebelsystem der Hinterradfederung mit dem fast liegenden Federbein auf. Es wirkt wie die direkt angelenkten Cantilever-Federelemente früherer Zeiten. Die Gabel bietet einen sehr langen Federweg von 137 Millimetern; sie ist wie das Federbein in Vorspannung und Zugdämpfung einstellbar. Wie es bei den hochwertigen Yamahas mittlerweile guter Standard ist, bekommt auch die Yamaha MT-09 die typischen einteiligen und radial verschraubten Vierkolben-Bremszangen, die hier in Kombination mit zwei 298-Millimeter-Scheiben die Bremsarbeit verrichten. Da Yamaha statt auffälliger ABS-Sensorkränze lieber diskrete, radial montierte Signalgeber und -aufnehmer verbaut, lässt sich nicht genau sagen, ob die hier gezeigte Maschine im Farbton „Blazing Orange“ ABS besitzt oder nicht. Wichtig ist, dass es auf Wunsch verfügbar ist.

Video: Wir haben schon mal den Motor der MT-09 gestartet .

Yamaha will neue Wege einschlagen - glücklicherweise!

Mit ABS soll die Yamaha MT-09 7.995 Euro kosten, ohne 7.495 Euro. Hinzu kommen jeweils noch Liefernebenkosten. Das ist wohltuend günstig und entspricht nicht der Hochpreispolitik, der die bisherigen MT-Modelle folgten. Schließlich übertrifft selbst die einzylindrige MT-03 mit einem Listenpreis von 7650 Euro die MT-09 ohne ABS mal eben um 155 Euro. Dieser Preis wird künftig noch schwerer durchzusetzen sein.

Lässt man die Technik, die Erscheinung, die Ausstattung und den Preis der Yamaha MT-09 auf sich wirken, so wird offenbar, dass Yamaha einen neuen Weg einschlagen will. Auf den anhaltenden Rückgang der Motorradmärkte, verschärft durch den zeitweiligen Hochstand des Yen, reagierte das Management jahrelang mit einer Drosselung der Entwicklungstätigkeit und weiteren Sparmaßnahmen. Diese Strategie hat bisher nur in einer sich selbst bedingenden und beschleunigenden Spiralbewegung abwärts geführt. Die FZ8, deren Motor vom 1000er der FZ1, also vom letzten R1-Fünfventiler, abgeleitet ist und deshalb unnötig schwer geriet, ist ein Beispiel für die mitunter nicht sehr glücklichen konstruktiven Kompromisse, zu denen eine solche Strategie zwingt. Die Yamaha MT-09 macht es cleverer. Sie wurde von Grund auf und punktgenau auf die derzeitigen Trends und Marktbedingungen hin entwickelt. So gesehen ist es kein Wunder, dass der MT-09-Dreizylinder zehn Kilogramm leichter wurde als der FZ8-Vierzylinder. Aber es ist gut.

Foto: Yamaha
Variable Wandstärken und ein ausgeklügeltes Netz von Verstärkungsrippen optimieren den Gussrahmen in Sachen Gewicht und Steifigkeit. Der Rahmen ist längs in zwei Hälften geteilt, die am Lenkkopf und bei der Schwingenaufnahme miteinander verschraubt sind.
Variable Wandstärken und ein ausgeklügeltes Netz von Verstärkungsrippen optimieren den Gussrahmen in Sachen Gewicht und Steifigkeit. Der Rahmen ist längs in zwei Hälften geteilt, die am Lenkkopf und bei der Schwingenaufnahme miteinander verschraubt sind.

Technische Daten

Dreizylinder-Reihenmotor, 847 cm³, 85 kW (115 PS) bei 10500/min, 86 Nm bei 8500/min, Leichtmetall-Brückenrahmen, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, Leichtmetall-Zweiarmschwinge mit Hebelsystem, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Ø 298/245 mm, Sitzhöhe 815 mm, Tankinhalt 14 Liter, Gewicht vollgetankt 188 kg (mit ABS 191 kg), Preis 7495 Euro (mit ABS 7995 Euro) plus Nebenkosten.

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