Yamaha-Quad Raptor 700 (Archivversion) VIER FOR FUN

Gut 15 Jahre ist’s her, da hatte der
Autor seine erste Begegnung der vierten Art. Frech überholte ein Quad-Fahrer den ambitionierten, doch in diesem Moment völlig verdutzten Motorradfahrer. Einen Wimpernschlag später balancierte der Vierradpilot das zu jener Zeit ungewöhnliche Gerät auf den beiden linken Rädern. Und drehte sich dabei lachend um.
Nun wird zurückgegrinst: Erste aktive Erfahrungen gab’s bei einer Yamaha-Präsentation in einem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet in Brandenburg mit dem Spaßgerät Raptor 700. Als Basis dient
der wassergekühlte Single der Enduro
XT 660 R. Bei gleicher Nennleistung von 48 PS drückt der um zwei Millimeter aufgebohrte, modifizierte Einspritzer vor allem im unteren Drehzahlbereich ein üppiges Drehmoment auf die hinteren Ballonreifen. Dagegen verringerte sich das maximale Drehmoment um drei auf 55 Nm. Eine Ausgleichswelle besänftigt wie beim Motorrad den Einzylinder-Schlag.
Gang rein, Kupplung raus, und den Quad-typischen »Daumentaster« als Gasgriffersatz dosiert betätigt. Daumen durchdrücken und los! Steht die 44 Millimeter messende Drosselklappe auf 90 Grad, also Vollgas, zieht der Raptor durch, ohne sich je zu verschlucken – selbst wenn ein zu
hoher Gang eingelegt ist. Es schiebt und drückt, vorwärts geht’s immer irgendwie. Oder seitwärts, im vollen Drift über die Vorderräder schiebend.
Die spezielle Fahrphysik sorgt für
rasche Erfolgserlebnisse. Auch Offroad-Neulinge pflügen nach wenigen vorsichtigen Kennenlern-Runden ziemlich spektakulär um den Kurs. Zum Driften einfach den Lenker voll einschlagen und Gas auf. Der Raptor mag am liebsten schnelle,
sandige Passagen mit leichten Wellen und nicht zu extremen Sprüngen. Eine vierrädrige Softenduro eben. Und wenn’s gar nicht mehr weiter geht: Rückwärtsgang rein. Angenehm ist die aufrechte Sitzposition hinter dem hohen Lenker. Erstaunlich effektiv und komfortabel filtern die Federelemente derbe Bodenwellen heraus.
Doch ruhig Blut, beim Fahren am Limit wandelt sich die Leichtigkeit schlagartig
in Heimtücke um. Der Point of no return
ist schnell erreicht. Wo ein Cross-Motorrad einen schrägen Absprung mit etwas Korrektur problemlos verzeiht, droht das Quad mit Absturz oder Bruchlandung. Damit es auch solch grobe Behandlung übersteht, sorgt ein Verbundrahmen für Stabilität; der Vorderrahmen aus Stahlrohren ist mit Alugussteilen verschraubt, die das Rückgrat bilden. Aus Alu sind auch die Dreieckslenker der Vorderradführung sowie die Schwinge mit integriertem Exzenter zum einfachen Spannen der Antriebskette. Die edel verarbeiteten Komponenten drücken das Leergewicht auf nur 180 Kilogramm.
Und der ungewohnte »Gasgriff« begrenzt die Fahrzeit anfangs auf 20 Minuten. Dann quittiert der untrainierte Daumen seinen Dienst. Gasgeben heißt das Fitnessprogramm. Sofern dies auf öffentlichen Straßen erfolgen soll, müssen zum Kaufpreis von 8840 Euro noch rund 1000 Euro für eine Straßenzulassung inklusiv Umbauteile investiert werden. Außerdem braucht es einen Pkw-Führerschein und einen Helm. Für kompromisslose Sportfreaks bietet Yamaha das überarbeitete Sportquad YFZ 450 an. Mit dem 9190 Euro teuren Offroad-Racer geht’s noch knackiger ums Eck – ganz ohne Rückwärtsgang. Nur nie das Lächeln vergessen... kas

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