Yamaha TDM 850: Gebrauchtberatung (Archivversion)

ModellgeschichteDie 1991 präsentierte TDM 850 bot einen gewagten Stil-Mix: Die hohe und aufrechte Sitzposition sowie der Motorschutz hätten von einer Enduro stammen können, der ebenso vibrationsarme wie durchzugsstarke Motor bewies, abgesehen von seinem hohen Spritverbrauch, echte Tourerqualitäten, und das stabile Fahrwerk mit seinen guten Bremsen erinnerte stark an ein Sportmotorrad. Der erste große Schnitt erfolgte im Jahr 1996: Fortan entfiel der artfremde Motorschutz und durch den Einsatz der Kurbelwelle des TRX 850-Motors mit ihren 270 Grad Hubzapfenversatz auch das gute Schwingungsverhalten des Vorgängermodells. Erhalten blieben den Käufern dagegen das ruppige Getriebe und die heftigen Lastwechselreaktionen. Beides trieb Yamaha der TDM erst mit der zweiten großen Modellpflege im Jahr 1999 aus – aufgrund der dadurch deutlich erhöhten Fahrfreude war die Leistungserhöhung auf 82 PS eher zweitrangig.Die aktuelle hubraumstärkere TDM 900 (ab 2002) hat sich noch weiter in Richtung Sporttourer entwickelt und mit dem Urmodell sowohl vom Aussehen als auch vom Charakter kaum noch etwas zu tun: das Design und die Bremsen noch aggressiver, der Motor mit 86 PS noch stärker, das Cockpit noch moderner.MarktsituationDie TDM 850 dominierte zwar nie das Straßenbild, dennoch weist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Bestand von immerhin 12800 Stück aus. Davon entfallen rund 5200 Exemplare auf den Typ 3VD, 4000 auf den Typ 4TX mit 80 PS und 3600 auf den gleichen Typ mit 82 PS. Gerade die älteren Modelle erweisen sich als vergleichsweise wertstabil: So wird eine zehn Jahre alte TDM in der Schwacke-Liste noch mit 2750 Euro notiert – bei einer Laufleistung von rund 83000 Kilometern. Der Einstiegspreis für das stark verbesserte Modell ab 1999 liegt bei 5000 Euro, eine TDM 900 (ab 2002) ist kaum unter 7500 Euro zu haben.BesichtigungVom Motor sind keine technischen Macken bekannt, auch den 50000-Kilometer-Langstreckentest in MOTORRAD 1/1993 überstand die TDM folgerichtig mit Bravour. Da das Auspuffgeräusch des Zweizylinders generell sehr verhalten ist, gehört die Montage einer Nachrüst-Auspuffanlage zu den beliebtesten Umbauten der Besitzer. Wie ein Auspufftest in MOTORRAD 14/1996 zeigte, erreicht jedoch keine Nachrüstanlage die Spitzenleistung sowie die homogene Leistungsentfaltung des Originals. Wichtig also, dass beim Verkauf die Originalanlage mit ausgehändigt wird. Derbe Schaltgeräusche waren bis zum Modelljahr 1999 serienmäßig und sind daher kein Grund zur Besorgnis bei der Probefahrt. Sehr starke Lastwech-selreaktionen hingegen lassen verschlissene Ruckdämpfer im Hinterrad befürchten. Bei höheren Laufleistun-gen (ab 50000 Kilometern) kann das Zentralfederbein in der Dämpfung nachlassen. Das Motorrad schwingt nach Bodenwellen verstärkt im Soziusbetrieb stark nach, ein neues Federbein bringt dann Fahrstabilität zurück. OptimierungDie meisten Möglichkeiten zur Verbesserung gibt’s noch am Urtyp der TDM 850, der 3VD. Den hohen Spritverbrauch dieses Modells kann man deutlich (bis über einen Liter pro 100 Kilometer) reduzieren, indem die Düsennadeln der Gasschieber in die tiefste Position gehängt werden, die Nadeln müssen also möglichst weit aus den Schiebern ragen. Dazu muss allerdings erst einmal etliches abgeschraubt werden, nämlich die Seitenteile und das Oberteil der Verkleidung, Tank und Luftfilter. Und Vorsicht: Streng genommen erlischt durch diesen Eingriff die Betriebserlaubnis. Der Knopf des schlecht erreichbaren Chokes kann an den Lenker verlegt werden – der Zug ist lang genug dafür, und als Halter kann das leicht modifizierte Teil einer XTZ 750 dienen. Oft dröhnt das Oberteil der Verkleidung, hier hilft es meist, die Streben des Verkleidungshalters mit dünnen Moosgummistreifen zu bekleben. Die Gabeldichtringe halten deutlich länger, wenn sie sich nicht ständig mit verschmutzten Standrohren anlegen müssen – Faltenbälge (zum Beispiel von Götz, Telefon 07476/933150, 21 Euro) sehen zwar nicht sehr schön aus, schützen aber dauerhaft. Härtere Federn verhindern das tiefe Eintauchen der Telegabel (zum Beispiel von Wirth, Telefon 04189/811020, rund 80 Euro). Die Kettenpflege wird entweder durch den nachträglichen Anbau eines Hauptständers erleichtert (zum Beispiel von JF Motorsport, Telefon 06002/910391, 109 Euro) oder die Pflege-Häufigkeit durch die Montage des Dauerschmiersystems Scottoiler reduziert (erhältlich zum Beispiel bei Louis, Telefon 040/73419360, rund 130 Euro).Bei den Reifen genießen die Paarungen Bridgestone BT 54, Metzeler ME Z2 und Metzeler ME Z4 einen besonders guten Ruf. Alle Reifenfreigaben (für die TDM-Typen 3VD und 4TX sind mittlerweile 13 Stück verfügbar) können im Internet unter www.yamaha-motor.de beim Unterpunkt »Gutachten« direkt heruntergeladen werden.Tests in MOTORRAD*9/1991 (T); 18/1992 (VT); 1/1993 (LT 50000 km); 3/1996 (GK); 11/1996 (T); 13/1996 (VT); 9/1997 (VT); 15/1998 (VT); 8/1999 (VT); 21/2000 (VT); 4/2002 (Top-Test TDM 900)LiteraturReparaturanleitung Yamaha TDM 850, Bucheli Verlag, 120 Seiten, ISBN 371681928X, 22,80 Euro

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