Yamaha Vmax (Archivversion)

Max der Letzte

In 18 Verkaufsjahren mutierte die Vmax zum Kultbike. Jetzt werden die letzten Neufahrzeuge verkauft. Schnell zugreifen oder auf den Gebrauchtmarkt setzen?

Der Anfang war eher mühsam. Wer der Yamaha Vmax 1985 in Deutschland vorrausgesagt hätte, sie würde Mitte der 90er den Status eines kultigen Supermonster-Bikes einnehmen, den hätten alle Experten nur milde belächelt. Die Yamaha-Niederlassung jedenfalls, damals noch unter Mitsui firmierend, unternahm gegen den sich immer lebhafter entwickelnden Parallel-Import volle zehn Jahre gar nichts. Erst auf Druck der verärgerten Händler reifte der Entschluss, das immer noch lukrative Geschäft selbst in die Hand zu nehmen. Allerdings war die Aussicht auf ein Versiegen der Grauimporte im Jahr 1996 nicht allzu rosig. Musste doch der offizielle Importeur mit Rücksicht auf die freiwillige Selbstbeschränkung rund ein Drittel der spektakulären Muskelmasse von 140 PS in Japan lassen. Erst 1999, nach Wegfall der Restriktionen, konnte die Neusser Niederlassung mit voller Leistungsentfaltung angreifen, allerdings auch knapp 2000 Euro teurer als die graue Konkurrenz. So viel zur Herkunft des hiesigen Bestandes, der sich immerhin auf mehr als 6000 Exemplare beläuft, entweder aus nordamerikanischen Kontingenten oder direkt aus Japan eingeführt.Weniger offene Fragen hinterlässt das imposante V4-Triebwerk. Ursprünglich im eher phlegmatischen Tourerdickschiff Yamaha XVZ 12 verbaut, gilt es als überzeugend kuliviert. Vmax-Interessierte sollten wissen, ob sie das Bad-Boy-Image in der Drosselversion oder offen goutieren wollen. Denn ohne den Booster – ein Stellmotor gibt ab 6000/min zwischen den gegenüberliegenden Ansaugkanälen einen größeren Querschnitt frei – sind die zusätzlichen PS nicht zu mobilisieren. Die von Yamaha importierte 2EN-Version besitzt diesen V-Boost nicht, erst die 2LT-Version kann mit Anklemmen eines Kabels und Entfernen der Drosselklappenanschläge den vollen Schub freisetzen. Gebrauchtkäufer, die ohne finanziellen Aufwand den Genuss des vollen Qualms wollen, müssen also bei der 2LT-Version zugreifen.Während motorseitig dank großer mechanischer Zuverlässigkeit alles im grünen Bereich ist, gab es bis 1995 schon mal zerstörte Regler, defekte Lichtmaschinen-Wicklungen und ausfallende Zündsteuergeräte. Ab 1996 sorgten verstärkte Lichtmaschinen und ein hitzeresistenter Gleichrichter für elektrischen Frieden.Nichts machen wollte das Werk am Fahrwerk der Vmax. Dessen Schwächen sind Legende, allerdings ist ein Patentrezept schwierig, weil bei allen Jahrgängen diverse Serienstreuungen auftreten können. Die teilweise großzügigen Fertigungstoleranzen bei Lenkkopf- und Schwingenlagerung, mangelnde Radfluchten mit bis zu 15 Millimeter Abweichung mindern die Geradeauslauf-Qualitäten entscheidend. Firmen wie Emil Schwarz, Egli, Fischer, Kainzinger und einige mehr haben in der Szene einen guten Ruf und können für gutes Geld durchaus effektiv Abhilfe schaffen.Auf dem Showsektor freilich tun sich noch viel größere Betätigungsmöglichkeiten auf:: 17-Zoll-Felgen mit 200er-Schlappen, breitere, stabilere Schwinge sowie Telgabel, drei Räder (Gespanne oder Trikes), aufgebohrte Motoren und sogar Kompressoraufladung – alles ist vertreten, was Vmax-Reiten noch cooler macht.Für das günstigste Billet in die Fangemeinde freilich tut es zunächst einmal ein hundsordinäres 98-PS-Exemplar der 2LT-Version. Bei einer ausgiebigen Probefahrt vor allem das Fahrwerk einschätzen, und ob man dann zur Tourer- oder Machofraktion gehören will, mögen Alter und Kontostand bestimmen.
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Yamaha Vmax (Archivversion)

Gebrauchtkauf DatenkastenSteckbriefMOTOR: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-70-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, Hubraum 1198 cm³, Nennleistung 103 kW (140 PS) bei 8500/min, maximales Drehmoment 101 Nm bei 3000/min, Gleichdruckvergaser, 0 35 mm, kontaktlose Transistorzündung, keine Abgasreinigung, E-Starter, Fünfganggetriebe, KardanFAHRWERK: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 43 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlrohr, zwei Federbeine mit verstellbarer Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn mit Vierkolbensätteln, 0 282 mm, Scheibenbremse hinten, 0 282 mm, Federweg v/h 140/100 mm, Reifengröße vorn 110/90 V 18, hinten 150/90 V 15SITZHÖHE: 780 mmGEWICHT VOLLGETANKT: 285 kg ZULADUNG: 195 kgTANKINHALT/RESERVE: 15/ 3 Liter0-100 km/h solo 3,3 sekHÖCHSTGESCHWINDIGKEIT solo (mit Sozius): 232 (221) km/hVERBRAUCH: 6 bis 10 Liter/100 km NormalSERVICE-INTERVALLE: alle 6000 KilometerBAUZEIT (NEUPREISE): ab internationalem Debüt 1985 in Deutschland nur über Parallelimporteur angeboten; erst ab 1996 offiziell importiert.1996 (9525 Euro) bis heute (10760 Euro)GEBRAUCHTPREISE LAUT SCHWACKELISTE: 1996 (52700 Kilometer) 4150 Euro1997 (44300 Kilometer) 4450 Euro1998 (35900 Kilometer) 5250 Euro1999 (27500 Kilometer) 5900 Euro2000 (19100 Kilometer) 6750 Euro2001 (10700 Kilometer) 7675 EuroBESTAND: zirka 6000 StückWICHTIGE TECHNISCHE ÄNDERUNGEN: Bei der ab1996 offiziell importierten Vmax gab es zwei Modelle. Die Version 2 EN hatte keinen Booster und 72 kW, beim Modell 2LT war der Booster für die deklarierten 103 kW-Version zu aktivieren.Bei der parallel importierten Version gab es 1993 die Bremsen des FZR1000-Modells und eine stärkere Telegabel mit 43 statt 40 Millimeter Durchmesser.1996 wurden Lichtmaschine und Gleichrichter modifiziert.STÄRKEN:- bärenstarker Motor- bis 160 km/h bequeme Sitzposition- überraschend handlichSCHWÄCHEN:- Hochgeschwindigkeits-Pendeln- Fahrwerksschwächen- sehr kleiner TankTESTS IN MOTORRAD1:Test 9/1985Vergleichstest 13/1985Vergleichstest 22/1990Gebrauchtkauf 10/1995 Test 6/1996Vergleichstest 19/2001Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungsarmatur 127 EuroHandbremsarmatur 109 EuroLenker 82 EuroRückspiegel 39 EuroBlinker vorn 30 EuroBlinker hinten 30 EuroTachometer 144 EuroDrehzahlmesserkonsole 224 EuroTank 259 EuroScheinwerfer 95 EuroGabelstandrohr 212 EuroGabeltauchrohr 215 EuroSchutzblech vorn 221 EuroVorderrad 1156 EuroSchalldämpfer 869 EuroSeitenständer 49 EuroRahmen komplett 1749 EuroVerschleißteileBremsbeläge vorn (komplett) 39 EuroBremsbeläge hinten 34 EuroBremsscheibe vorn 266 EuroKupplungsreibscheiben 87 EuroLuftfilter 34 EuroÖlfilter 10 EuroBatterie 96 EuroFederbeine, Satz 512 EuroTachowelle 12 EuroGaszug 17 EuroGabeldichtringe 17 EuroVentildeckel-Dichtung 3 Euro Lenkkopflager 67 EuroRadlagersatz, hinten 97 EuroSitzbank 297Euro

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»Mit Gabelbrücke, Lenkkopf- und Schwingenlagerung von Schwarz, Fischer-17-Zoll-Felgen und Öhlins-Federelementen 90000 problemlose Kilometer «Gerhard Sauer, Neuburg

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? Sind Sie als Vmax-Pionier der ersten Stunde noch immer von dem Konzept fasziniert? Ja, vorbehaltlos, denn meine Welt sind nicht plastikverkleidete Maschinen mit dem Look bemalter Ostereier. Die Vmax vereint in einzigartiger Weise schiere Schubkraft, Laufkultur und technischen Purismus.? Sind Fahrwerksschwächen – Gabel, unrunde Lenkkopf-Bohrungen, unexakte Radflucht – noch immer Thema? Trotz geringfügiger Verbesserungen 1993 bleibt die Vmax ein launisches Weib, das richtig behandelt werden will.? Wer allerdings beim Gasgeben übertreibt, riskiert Pleuellagerschäden?Wer glaubt, er müsse bei 9000/min weiter am Quirl drehen, für den haben wir Carillo-Pleuel – oder einen Drehzahlbegrenzer.? Gibt es seriöse Gerüchte über eine Vmax-Nachfolgerin? Gerüchte sind geiler, wenn man nicht so genau weiß, ob sie wirklich stimmen.

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Fahrwerk Bevor wild und kostenintensiv umgebaut wird, sollte jeder Vmax-Fahrer besser mit einem Experten seines Vertrauens genau analysieren, welche Fahrwerksschwächen ihn stören und wie sie finanziell relativ günstig zu beheben sind. Primär ist wichtig, dass Lenkkopf- und Schwingenlagerung spielfrei arbeiten und beide Räder fluchten. Spezialist Emil Schwarz baut für rund 360 Euro hochwertige Lager ein und justiert für zusätzliche 50 Euro mit spielfreien Dichtungen für den Schwingenbolzen die Radflucht hundertprozentig. Noch mehr Ruhe bringt seine Spezialgabelbrücke vorn um den Preis von 500 Euro für oben und unten. Trotz der bei Grauimporten ab 1993 montierten stärkeren 43 Millimeter-Telegabel wählen viele Vmaxer für eine stabilere Vorderrradführung progressivere, zum Teil auch längere Gabelfedern (Öhlins, White Power, Wilbers, Wirth ab 75 Euro aufwärts). Statt der Originalfederbeine mit zu lascher Druckstufendämpfung bietet Vmax-Spezialist Fischer Federbeine ( Bilstein, Koni, Öhlins, White Power, Wilbers) ab etwa 260 Euro. Speziell Egli hat Koni-Federbeine mit einstellbaren Dämpferventilen für rund 390 Euro im Angebot.Wer eine breitere Hinterradfelge nicht nur nach dem brachialen Look, sondern auch nach optimalem Handling aussucht, greift auf eine 5.00 oder 5.50-18- Felge (im Tausch ab 1420 Euro bei Egli) zurück, um mit Pirelli MTR 23/24 oder Metzeler Z 4 maximalen Grip und Seitenführung zu erhalten. Der kostengünstige Trick bei dieser Lösung: Das 18-Zoll-Vorderrad kann original belassen werden.Die laschen serienbremsen lassen sich mit einer Brembo-Racing-Vierkolbenzange und - Bremsscheiben sowie Spiegler-Stahlflex-Leitungen (komplett ab 2300 Euro) optimieren.ZubehörDer nur 15 Liter fassende Tank im Heck langt Tourenfahrern bei der bekannt durstigen Vmax nicht. Von F. März und Egli gibt es Zusatztanks ab zirka 1000 Euro, die statt der Tankattrappe montiert werden. BRM bietet einen 20 Liter fassenden Kunststofftank für das Heck für rund 500 Euro an.Das neue Digital-Multifunktionsgerät Motoscope (siehe Foto), das unter anderem mit Anschlüssen auch Öldruck und -Temperatur anzeigt, ist beim Berliner Yamaha-HändlerMotorradtechnik Reisberg ab 404 Euro zu beziehen.

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Importeur DeutschlandYamaha MotorTelefon 02131/20130www.yamaha-motor.deImporteur ÖsterreichTelefon 0043 (0)1/8651503www.yamaha-motor-europe.comImporteur SchweizTelefon 0041/9266111 www.yamaha.chFahrwerkBilsteinTelefon 02333/7910www.bilstein.deBremboTelefon 0531/210210www.stein-dinse.comTelefon 02504/73440www.brunegmbh.deÖhlinsTelefon 08669/8660www.zupin.deSchwarzTelefon 07181/995290SpieglerTelefon 0761/611010www.spiegler.deWhite PowerTelefon 05924/78360www.so-production.deWilbers ProductsTelefon 05921/727110www.wilbers.deWirthTelefon 04189/811020www.wirth.deUmbauten/TunerBRMTelefon 07161/39300www.basler-etd.deEgli-MotorradtechnikTelefon 0041/56667/2360www.egli-racing.chImporteur DeutschlandTelefon 02371/25292www.egli.deFischerTelefon 02236/1262www.motorradfelgen.comKainzingerTelefon 06205/287753www.kainzinger-shop.deMEK Motorrad EhrenTelefon 02151/700333www.mek.bizMotorradtechnik ReisbergTelefon 030/75702773www.reisberg.deZweirad-Technik F.MärzTelefon 06551/4404www.V-Max-F-Maerz.de Gespanne und TrikesRTM-FahrzeugtechnikTelefon 08333/3939SauerTelefon 04644//893www.sauer-sidecar.deWalterTelefon 05683/7271www.walter-motorrad-gespann-technik.deSonstigesCorbinTelefon 06371/18637www.corbin.deDeget RacingTelefon 02235/77111www.deget.comGeorg DegetTelefon 02233/68484www.deget.deErsatzteile per InternetNatuschke und LangeTelefon 04221/65070www. yamaha-parts.dewww.vmaxxers.netYamaha-Vmax-Fahrergemeinschaft von mehr als 700 Mitgliedernwww.dievmax.dePrivate Homepage mit viel Informationen, Technik und Tipps

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» Die Designer waren vorn, auch die Motorenentwickler, für das Fahrwerk war der Praktikant zuständig.«Roger Feldmann, Hannover

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