YAMAHA XT 600 (Archivversion)

Der Anruf kam überraschend früh: Bereits im Juli hatte sich Wolfgang T. in der Redaktion gemeldet, um sein In­teresse an der Yamaha XT 600 kundzutun. Und um auf Nummer sicher zu gehen, schickte der XT-600-Fan auch gleich noch ein E-Mail hinterher. Die oder keine – für Wolfgang T. aus Rottenburg am Neckar gab es in Sachen Wunschmotorrad keine Alternative. Dass er noch ein paar Monate zu warten hatte, war ihm egal – im Juli ­hatte die Anfang März in den MOTORRAD-Fuhrpark aufgenommene XT nach diver-sen unvorhergesehenen Verzögerungen gerade erst die TÜV-Hürde genommen. Der Sommer stand vor der Tür. Jetzt war erst einmal Fahren angesagt.
Gespannt verfolgte der geduldige Schwa­be im Laufe der Monate jede Berichterstattung über »seine« XT. Die Zu-neigung wuchs, egal, mit welchen Macken oder Sorgen es deren Piloten überraschte. Das ausgelutschte Fahrwerk, das Klap­-pern im Kurbelwellenbereich, das auf eine ­lädierte Lagerung schließen ließ, oder die Zylinderfußdichtung, die zum Schluss so löchrig war wie ein Schweizer Käse.
Wolfgang T. zeigte sich während eines weiteren Telefongesprächs Ende August alles andere als entmutigt: »Der nächste Winter kommt bestimmt, da werde ich mit der XT in der Garage verschwinden und ­alles wieder auf Vordermann bringen.« Schließlich der lang ersehnte Tag. Dass die XT 600 an niemanden anderes als an Wolfgang T. verkauft werden darf, galt in der Redaktion als ausgemacht. Ehren­sache. Im September kommt es in der Tiefgarage der Motor Presse endlich zur ersten Begegnung. Wolfgang nimmt Platz, tritt einige Male auf den Kickstarter und dreht eine Handvoll Runden. Die Begeisterung in seinen glänzenden Augen spricht Bände – und der Deal ist perfekt: Für 900 Euro wechselt die XT ihren Besitzer.
Einen nagelneuen Satz Bridgestone-Reifen gibt es gleich noch mit dazu, da ­die Yamaha weniger bewegt wurde als erwartet. Lediglich rund 2000 Kilometer ­sind während Fahrten zwischen Arbeitsplatz und Wohnort sowie einigen Wochenendausflügen und der großen Pässe-Runde durch die Schweizer Alpen zusammen-gekommen. Ein Motorrad ohne E-Starter macht es einem Fahrer im Alltag eben nicht ganz so leicht. Dass die XT zum Schluss auch noch die Hosenbeine mit unschönen Ölspritzern verzierte, geht als weiterer Grund für die geringe Laufleistung durch.
Dennoch schade, dass sie weg ist. Irgendwie zumindest. Der Fahrspaß war trotz aller Dellen und Macken tatsächlich unerwartet groß. Die Ölflecken in der heimischen Garage werden noch für einige Zeit an eine besondere Begegnung der vergangenen Saison erinnern.mis

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