Yamaha XTZ 750 Super Ténéré: Gebrauchtberatung (Archivversion)

Modellgeschichte
Zitat aus MOTORRAD, Ausgabe 2/1989: »Nicht jeder Versuch, frühere Erfolge fortzusetzen, gelingt. Wetten, dass die Super Ténéré es schafft?« Die Prognose schien berechtigt, immerhin lag die Riesen-Enduro mit ihrem zu jener Zeit hochmodernen Paralleltwin leistungsmäßig deutlich vor der Konkurrenz. Außerdem zierte sie der prestigeträchtige
Namenszusatz »Ténéré«, der abenteuerliches Reisen verhieß. Müsste also alles gut laufen. Dachten seinerzeit auch die Yamaha-Jungs.
Es kam anders. Von 1989 bis zum letzten Baujahr 1996 verkaufte sich die 750er in Deutschland nur schleppend (bestes Jahr war 1991 mit gerade mal 767 verkauften Stück), während zeitgleich Africa Twin und GS wie warme Semmeln weggingen. Und was kauften die XT-600-Fans? Die meisten hielten ihren Eintöpfen die Treue, weil die Super Ténéré auf unbefestigten Wegen nicht so super war, wie von vielen erhofft. Auf der Straße machte sie hingegen eine bessere Figur. Letztlich fand die XTZ 750 eine treue Klientel, die sich mit den Allrounder-Eigenschaften anfreundete, obwohl das Motorrad in den meisten Vergleichstests hinterherhinkte. MOTORRAD-Tester Werner Koch kommentierte 1990 den letzten Vergleichstest-Platz: »Werden die Schwachstellen ausgemerzt, kann aus der Super Ténéré sicher noch eine super Reisemaschine werden.«
Yamaha hatte schon im gleichen Jahr unter anderem den hinteren Teil des Rahmens verstärkt, sorgte
bei den Soziusfußrasten für mehr Komfort und modifizierte die Kupplung für eine bessere Schaltbarkeit. Kritikpunkte aber weiterhin: Bremsen,
Fahrwerk, Lenkung, Ölkontrolle. Abgesehen von Design-Retuschen tat sich allerdings bis zum
Produktionsende 1996 nicht mehr viel. Triumphs Tiger übernahm 1993 von der Super Ténéré die Krone der leistungsstärksten Enduro, Honda renovierte im gleichen Jahr die Africa Twin sicht- und spürbar, und BMW brachte 1994 den Verkaufsschlager R 1100 GS heraus.
So wundert wenig, dass aus Yamahas bisher größter Enduro kein Bestseller wurde. Sie fristete auf dem Markt ein Schattendasein. In einem Test-Fazit von 1993 heißt es lapidar: »Wer nichts verändert,
kann auch nichts schlechter machen. Ansonsten ist die Yamaha ein gutmütiger Reiseuntersatz zum günstigen Preis mit Soziusqualitäten.« Seit dem Abverkauf 1997 gibt es die Super Ténéré nur noch auf dem Gebrauchtmarkt. Viele Besitzer haben an ihrer Maschine die meisten Schwachstellen beseitigt und bewiesen, dass die XTZ 750 mehr ist als lediglich eine gutmütige Reisebegleiterin. Nun gibt es Gerüchte um eine neue Ténéré: mit 1000 cm3 Hubraum und über 100 PS (siehe MOTORRAD 14/2004). Die würde erfolgreich sein. Wetten, dass...?

Marktsituation
Sie wollen eine Super Ténéré mit wenig Laufleistung, am liebsten eines der letzten Modelle? Dann wenden Sie sich bitte an einen Privatdetektiv, der Ihnen bei der Recherche hilft. Denn derartige Angebote verstecken sich regelrecht vor den Käufern. Insgesamt wurden in Deutschland nur rund 4500 Maschinen verkauft, von denen sich eine nicht unbeträchtliche Zahl wahrscheinlich noch in erster Hand befindet.
Die Suche ist aber nicht hoffnungslos und lohnt
sich. Über den Gebrauchtfahrzeugmarkt auf der Yamaha-Homepage (www.yamaha-motor.de) etwa bot zu Redaktionsschluss ein Händler aus Franken zwei 1998er-Erstzulassungen mit nur wenigen tausend Kilometern für jeweils 5500 Euro an, und
im sächsischen Dohna wäre ein 1995er-Modell mit lediglich 10000 Kilometern auf der Uhr für knapp unter 4000 Euro zu haben gewesen.
Ansonsten gilt die Regel, dass gebrauchte Yamaha XTZ 750 tatsächlich auch viel gebraucht wurden, bevor sie zum Verkauf stehen. Die meisten Angebote sind fast unabhängig vom Baujahr 30000 bis 60000 Kilometer gelaufen und sollen 2000 bis 3000 Euro kosten. Dieses Preisniveau deckt sich ungefähr mit den Empfehlungen der Schwacke-Liste. Danach müsste ein 1994er-Modell mit rund 50000 Kilometer Laufleistung rund 2500 Euro kosten, eine Super-Ténéré, Erstzulassung 1997, mit gleichen Eckdaten zirka 3000 Euro. Wichtiger als das Baujahr sind für die Preisgestaltung der Pflegezustand des Motorrads sowie sinnvolle Veränderungen und Zubehörteile. Für eine gut ausgestattete Maschine sollte man mindestens 3000 Euro veranschlagen. Dafür kriegt man dann einen guten Gegenwert, denn eine fürsorglich behandelte XTZ 750 macht auch noch mit einigen Jahren und vielen Kilometern auf dem Buckel eine sehr gute Figur.

Besichtigung
Die Super Ténéré hat Schwachstellen. Das Schöne daran: Sie lassen sich beseitigen. Wie im hier beschriebenen Beispiel können sinnvolles Zubehör und einige Schraubarbeit aus der XTZ 750 ein fast perfektes Motorrad für Reise und Alltag machen. Der Motor bietet selten Anlass zur Klage und erzielt oft Laufleistungen jenseits von 100000 Kilometern. Das angegebene Intervall zum Einstellen der fünf Ventile pro Zylinder ist mit 42000 Kilometern sehr optimistisch. Super-Ténéré-Kenner empfehlen, schon nach 24000, spätestens nach 36000 Kilometern das Ventilspiel zu prüfen.
In der normalen Abstimmung rinnt überdurchschnittlich viel Benzin durch die Vergaser der XTZ 750, und auf Nachrüst-Schalldämpfer reagieren sie empfindlich. Mit der untersten Düsennadel-Stellung sinkt der Verbrauch nach Erfahrungen von MOTORRAD immerhin um einen Liter. Viele Fahrer bevorzugen
die in Deutschland nicht legale Schweizer Bedüsung, die Yamaha wegen Überfetten bei Passfahrten anbot. Auch beliebt: eine Bedüsung von Dynojet im Ver-bund mit einem K&N-Luftfilter. Entsprechende Kits gibt’s beim größten Anbieter von XTZ-750-Ersatzteilen, Kedo in Hamburg (Telefon 0700/22555336, www.kedo.de). Wichtig ist eine fachgerechte Einstellung, die man im Zweifelsfall besser einem Profi überlassen sollte. Bei der Besichtigung darf eine
ausgiebige Probefahrt nicht fehlen: Ein unrunder Motorlauf und starke Lastwechselreaktionen deuten auf eine falsche Vergasereinstellung hin.
Der Lichtmaschinenregler bei älteren Baujahren überhitzt gerne. Regler ab Baujahr 1993 oder von
der TDM 850 scheinen standfester zu sein. Bastler unterlegen das empfindliche Bauteil mit zusätz-
lichen Kühlrippen-Platten, die es im Elektronikfachhandel gibt.
Gebrauchtmaschinen, bei denen sich der Vorbesitzer um die Beseitigung der kleinen Mängel schon
selbst gekümmert hat und eventuell sogar härtere Gabelfedern, Heizgriffe oder ähnliches mit anbietet, empfehlen sich. Wer gerne selber schraubt, findet wertvolle Tipps im Forum des Ténéré- und Enduro-Clubs Rhein-Neckar unter www.tenere.de.

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