Yamaha YZF 600 R Thundercat (Archivversion)

Komfortabel aufs Abstellgleis gerollt? Interessanterweise offenbart der Blick ins Test-Fahrtenbuch der Yamaha YZF 600 R auf den ersten Blick nur Positives: Mit effizienter Verkleidung, zivilen Motorlaufeigenschaften und erstklassigen Bremsen beeindruckte Yamahas neuer Sportstern im Jahr 1996 die Testcrew von MOTORRAD. Doch dann spuckte die Waage das Gewicht der Thundercat aus: üppige 223 Kilogramm, bis zu 15 Kilo mehr als die Konkurrenz – damit war die Yamaha in der Rennstreckenwertung schnell durchgereicht und firmierte hier fortan unter „ferner liefen“. Anstelle das Image durch feine Modellpflege zu verbessern, entschied sich Yamaha, dem Wettrüsten in der 600er-Supersportklasse mit dem komplett neuen Modell YZF-R6 zu begegnen.

Der Thundercat wäre nun eine Laufbahn als superber Sporttourer beschwert gewesen, wenn da nicht ab 1998 mit der halbverkleideten und deutlich günstigeren Fazer die Konkurrenz aus eigenem Hause herangewachsen wäre. So blieb der 600er nur ein kurzes Gastspiel vergönnt. Bereits 2002 verschwand der Vierzylinder wieder aus dem Programm. Als Secondhand-Offerte bleibt sie allerdings erste Wahl für diejenigen, die auf der Suche nach einem wendigen Tourensportler sind und sich eher auf langen Straßentörns als bei kurzen Sprints auf der Rennstrecke wohlfühlen. Denn mit vergleichsweise hoch montierten Lenkerstummeln, einer bequemen Sitzbank und dem effizienten Windschutz verwöhnt die YZF 600 R in diesem Segment mit reichlich Komfort. Passend dazu bietet das Fahrwerk einen äußerst praxistauglichen Einstellbereich.


Plus
Motor kultiviert und laufruhig
Fahrwerk komfortabel und auf alle Belange einstellbar
Bremsen erstklassig und standfest

Minus
Gewicht für einen Sportler zu hoch
Gebrauchtangebot sehr klein
Kurze Service-Intervalle von 5000 Kilometern


Fazit
Supersport gesucht, super Komfort gefunden. Die YZF 600 R sieht rennsportlich aus, bietet aber echte Tourenqualitäten. Das Angebot bis 3000 Euro ist nicht üppig, umfasst in der Regel aber gut gepflegte Bikes. Mit dem Kauf sollte deshalb nicht zu lange gezögert werden.


Marktsituation
Die Donnerkatzen von Yamaha werden ab rund 2000 Euro angeboten, wobei die Auswahl in der Preisspanne bis 3000 Euro bescheiden ist. Das überrascht freilich nicht, da die 600er mit derzeit knapp 2800 zugelassenen Exemplaren in Deutschland nicht gerade sehr zahlreich vertreten ist. Die meisten Maschinen sind zwischen zehn und zwölf Jahren alt. Besonders positiv: Wilde Umbauten oder Hinweise auf einen Rennstreckeneinsatz finden sich nur selten. Die Verkäufer betonen eher den Originalzustand der YZF 600 R. Im Vergleich zu den sportlicher ausgelegten Konkurrenzmodellen sind die Laufleistungen von durchschnittlich 40000 Kilometern eher hoch.


Daten
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 599 cm³, 72 kW (98 PS) bei 11500/min, Gewicht 223 kg, Sitzhöhe 810 mm, Tankinhalt 19 Liter; Höchstgeschwindigkeit 234 km/h; 0–100 km/h: 3,6 sek, Verbrauch 6,3 Liter/100 km, Normalbenzin


Tests in MOTORRAD
6/1996 (T), 7/1996 (T); 23/1999 (VT), 5/2000 (GK)

T=Test, VT=Vergleichstest , GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/1821229


Internet
Fansites: www.thundercat-club.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike341.htm

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