Yamaha YZF-R1 (2009) Yamaha wagt den Big Bang

Sensation bei den drei Stimmgabeln: Die Yamaha YZF-R1, die wie keine andere Japan-Tausender das Hohelied der Screamer-Motoren pflegte, kommt im neuen Jahr mit ungleichmäßiger Zündfolge - also einem ganz neuen Klangerlebnis.

Foto: Yamaha
"54, 74, 90, 2010" singen deutsche Fußballfans; Freunde der Yamaha R1 können ab sofort einstimmen: "270, 450, 540, 720"; das sind - in Kurbelwellengrad - die Zündzeitpunkte des 2009er-Jahrgangs; eine milde Big-Bang-Auslegung. Die Kolben des Reihenvierzylinders laufen also nicht mehr paarweise synchron, sondern mit jeweils 90 Grad Hubzapfenversatz, wie ein vierstimmiger Kanon.

Warum dieser Aufwand? Yamaha verspricht, dass der Fahrer die Leistung (133,9 kW/182 PS bei 12500/min) und das Drehmoment (115,5 Nm bei 10000/min) der R1 so viel linearer, also kontrollierbarer, also sicherer in Vortrieb umsetzen kann.
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Die Pressemitteilung schwärmt gar: "ein Verhältnis von 1:1 zwischen Gasgriffstellung und der Leistung, die der Motor zum Hinterrad schickt" erleichtere es, präzise an der Reifenhaftgrenze aus der Kurve herauszubeschleunigen.

Ganz sicher spielen auch weiche Faktoren wie Emotion und Image in diese neue Motorkonfiguration hinein: Akustisch wird sich die R1 deutlich von Fireblade, Gixxer und Ninja unterscheiden und womöglich beinahe wie ein 90-Grad-V4-Motor klingen.

Außerdem vertraut auch Rossis MotoGP-Sportgerät Yamaha YZR-M1 auf so eine ungleichmäßige Zündfolge, und mit Technik-Transfer aus dem Grand-Prix-Rennsport haben sich Sportmotorräder schon immer gut emotional aufwerten lassen.
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Foto: Yamaha
Allerdings hat Yamaha auch echte Erkenntnisse bei Rossis Motorrad abgeschaut und viel Know-how darauf verwendet, die Massen möglichst eng um den Schwerpunkt zu gruppieren: Das Design des 18-Liter-Tanks, die Position des Motors im Chassis (9° aufrechter und 12 mm weiter vorn als 2008) und die Verwendung von Magnesium als Werkstoff für das Rahmenheck sind drei Resultate daraus.

Und schließlich will Yamaha mit der R1 auch in der Superbike-WM Erfolge einfahren. deren Reglement schreibt vor, dass eine serienmäßige Kurbelwelle gefahren werden muss; Nockenwellen und Zündelektronik sind jedoch frei gestellt.

Und jetzt der Clou: Die R1-Kurbelwelle erlaubt nicht nur die milde Big-Bang-Zündfolge, die in der Serien-1000er zum Einsatz kommt, sondern auch einen echten Big Bang (90-180-270-360). Dafür bräuchte der Motor "nur" andere Nockenwellen und eine andere Elektronik - clevere Sache, was?
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Yamaha YZF-R1 (2009) - Elektronik, Fahrwerk, Optik

Technisch zieht das neue Layout einen ganzen Rattenschwanz an Neuerungen hinter sich her: Zum Beispiel arbeitet die Zünd-/Einspritzanlage jetzt zylinderselektiv. Verstärkte Lager (12,5 Prozent mehr Durchmesser als beim 2008er Modell) sollen das neue Schwingungsverhalten der Kurbelwelle bändigen. Das Bohrung-/Hubverhältnis von 78 zu 52,2 Millimetern bringt Leichtmetall-Schmiedekolben mit sich, die einen - für 1000er-Vierzylinder - geradezu rekordverdächtigen Durchmesser aufweisen.

Die bewährten elektronischen Helfer YCC-I und YCC-T, also längenvariable Ansaugtrichter und Drive-by-Wire, sind ebenso an Bord wie eine Anti-Hopping-Kupplung. Das YCC-T wurde um die Möglichkeit ergänzt, zwischen drei Kennfeldern, also drei Motorcharakteristiken wählen zu können. Die Einspritzung vertraut auf zwei Düsen pro Zylinder.
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Die größte Neuerung am Chassis betrifft die 43er-Upside-down-Gabel: Für die Druckstufendämpfung ist ausschließlich der linke Holm zuständig, für die Zugstufendämpfung ausschließlich der rechte.

Dass das gut funktioniert, haben andere Motorräder schon gezeigt; Yamaha weist darauf hin, dass die Ventile so viel gezielter auf ihre Aufgabe abgestimmt werden. Außerdem sollen sich bei schnell aufeinander folgenden Ein- und Ausfederbewegungen weniger Luftblasen im Dämpferöl bilden.

Bremsen - wie gehabt scharf: 310-mm-Doppelscheibe mit Sechskolben-Festsätteln vorn, hinten reichen der R1 ein Einkolben-Schwimmsattel und eine 220er-Scheibe.

Projektionsscheinwerfer, neues Multifunktionsdisplay im Cockpit, neue Farben, auf Wunsch Rahmen und Schwinge in Rot, neues Verkleidungsdesign...die Liste der Neuerungen will und will nicht aufhören, aber das Wesentliche ist gesagt. Eines vielleicht noch: PS freut sich auf den ersten Fahrtermin. Januar 2009 soll's so weit sein.

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