Yamaha YZF-R1 Erlkönig Klammheimlicher Test des Superbikes

Lange Zeit musste man befürchten, dass Yamaha die Schockstarre im Superbike-Bereich gar nicht mehr überwinden könnte. Aber in Eastern Creek haben wir das Gegenteil mit eigenen Augen gesehen - die Yamaha YZF-R1.

Foto: AMCN

„Der Sound ist eindeutig“, rapportiert der Fotograf. „Ein sonores Rööööm.“ Also darf man sich von der schwarzen Verkleidung nicht täuschen lassen? Nein, was da in Australien getestet wurde, ist eine Entwicklungsstufe der nächsten Yamaha YZF-R1, die 2014 kommen soll. Den geplanten Modellwechsel zu diesem Zeitpunkt gibt Yamaha wenigstens zu. Zwei Bikes steckten jedenfalls in schwarzer R6-Verkleidung und eine BMW S 1000 RR hatte die Test-Mannschaft auch dabei. Der Angriff auf die Bayern hat also längst begonnen.

Das Thema Massenzentralisierung scheint ein großes zu sein, denn endlich  konstruieren die Ingenieure an einem Auspuff auf der rechten Seite, die pummelige Underseat-Auspuffanlage scheint damit ad acta gelegt. Eine Optik wie beim MotoGP-Bike M1 kann kommen. Darüber dürften sich auch Sportbike-Ästheten freuen, denn wirklich schön fand diese Auspuff-Lösung an der Yamaha R1 spätestens mit den scharfen Abgasgesetzen und den ­angeschwollenen Schalldämpfern wohl niemand.

Um beim 1000er-Motor die Tüte zart an die Seite zu bekommen, ist ein großer Sammler nötig, wie ihn die BMW hat und wie man ihn auf dem großen und kleinen Erlkönig-Bild des Yamaha-Testbikes gut erkennen kann. Auch die R6 ist so konstruiert.

Das wiederum macht die aktuelle R1-Schwinge mit Unterzug aber unbrauchbar, da der Sammler nicht genügend Platz lässt. Auch das Federbein muss in der Folge anders platziert werden. Das hier gezeigte Bike hat demzufolge eine Schwinge mit Oberzug, an der das Federbein höher montiert ist. Dieser Konstruktion muss der neue Rahmen entsprechen. Dass Yamaha bereits einen neuen Rahmen hat, lässt sich am Fahrbild in der Rechtskurve ablesen. Zwar ist das Bild recht unscharf, aber man erkennt einen hohen Schwingendrehpunkt und im Vergleich zur aktuellen Yamaha R1 einen komplett anderen, weit nach unten gezogenen hinteren Rahmenzug.

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Foto: AMCN

Schlankes Superbike mit der Anmutung einer Supersport-600er

Höher scheint der Motor im Bike untergebracht, der Kupplungsdeckel deutet das an. Die Kurbelwelle sitzt auf dem Bild jedenfalls weit höher als am derzeitigen Vierer der Yamaha R1. Eventuell haben die Ingenieure den Vierzylinder sogar in seiner Grundkonstruktion weiter nach vorn ­geneigt, um zusätzlich Platz für den Sammler und die Krümmer besonders unter dem hinteren Teil des Motors zu bekommen.

Dass der R1-Motor unter die R6-Verkleidung passt, lässt die Vorfreude ebenfalls nach oben schnellen. Schlanke ­Superbikes mit der Anmutung einer ­Supersport-600er betören die Fans, was ja die Aprilia RSV4 längst bewiesen hat. ­Ironischerweise zeigten die ersten Erl­königbilder der BMW S 1000 RR deren Prototypen auch getarnt in einer R6-Verkleidung. Dass wir mit der Vermutung jedoch richtig liegen, dass es die größere Yamaha R1 sein muss, unterstreichen die entfernten unteren Seitenteile der R6-Schale und der fehlende Kiel.

Der Rüssel für die Airbox scheint jedenfalls wie an der R6 und der M1 zen­tral zu sein, im Gegensatz zu zwei außen liegenden Öffnungen an der aktuellen Yamaha R1, sonst funktionierte die Front der R6-Verkleidung nicht.

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Die Geschichte der "R"

Bj. 1998, RN01: Sie kam und brach die Herzen mancher Supersport-Fans. Als die R1 1998 das Licht der Welt erblickte, schnüffelte sie den Sprit noch aus Vergasern und hatte Fünfventil-Technik aus dem Rennsport. Für viele die Kult-R1.

Bj. 2000, RN04: Neues Outfit mit deutlich besseren cw-Werten, dazu Detailverbesserungen wie der nadelgelagerte Schaltwellenausgang machten die RN04 wieder zu einem Testsieger-Bike.

Bj. 2002, RN09: Das erste Einspritzer-Modell bekam eine deutlich veränderte Verkleidung und den ganz schmal auslaufenden Höcker mit integriertem Rücklicht. Der Deltabox-Rahmen III ist ganz neu, wie auch die Schwinge.

Bj. 2004, RN12: Die RN12 bedeutet das Ende des Single-Schalldämpfers. So gut wie alles ist an ihr neu: neuer Motor, neuer Rahmen, Schwinge mit Unterzug, eine Spitzenleistung von 172 PS. Der Lenkungsdämpfer ist jetzt serienmäßig.

Bj. 2007, RN19: Yamaha gibt die Fünfventil-Technik auf, um die spitze Leistungsabgabe der R1 zu kappen und mehr Midrange-Power zu liefern. Die variablen Ansaugtrichter kommen und eine Anti-Hopping-Kupplung. Schwinge und Rahmen sind neu.

Bj. 2009, RN22: Der neue Motor mit dem Hubzapfenversatz vom MotoGP klingt entsprechend sonor. Die gesamte Optik hat sich deutlich gewandelt. Große Flächen an der Verkleidung, die Endschalldämpfer sind megagroß am Magnesium-Heck.

 

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