Yamaha YZF-R1, Modell 2005 (Archivversion) Weniger ist mehr

Fahrer hubraumstarker Supersportler kennen dieses Gefühl: Volle Schräg-
lage am Scheitelpunkt der Kurve, der Drehzahlmesser steht auf 8000 Umdrehungen, und es streiten zwei Charaktere in dir.
Der Racer und der Vernünftling. Der Racer schreit: »Zieh das Gas auf, du Warmduscher.« Der Vernünftling hält ruhig dagegen: »Sei bloß vorsichtig, du hast hier keine kleine 125er unterm Hintern, sondern eine 1000er mit richtig Drehmoment. Jetzt zu viel Gas, und wir liegen im Dreck.« Oft – und das ist gut so – behält der Selbsterhaltungstrieb die Oberhand.
Verwertbare Leistung heißt das Zau-
berwort, mit dem das 2005er-Modell der Yamaha YZF-R1 punkten will. Mit Hilfe
einer neuen Programmierung des Kennfelds, das die Einspritzanlage und die Zündkurve steuert, verliert die R1 zwar im Bereich zwischen 7000 und 12000 Um-
drehungen etwas an Leistung, legt dafür aber oberhalb von 12000 Touren noch
einmal zu und fällt danach nicht so stark ab. In Zahlen bedeutet das eine um zwei PS höhere Spitzenleistung von 165 PS an der Kupplung bei 12700 Umdrehungen.
Der weichere Leistungseinsatz bei mittleren Drehzahlen soll helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und früh das Gas aufziehen zu können. Das Leistungsplus im oberen Bereich spielt die R1 auf den Geraden aus. Ob sich dies im direkten Vergleich mit der Konkurrenz bemerkbar macht, wird ein großer 1000er-Vergleich in MOTORRAD 6/2005 klären. gst

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